Interview mit Alain Rappsilber

Schornsteinfeger aus der Community gibt Energiespartipps

16. Sept. 2022 Merle Boppert
Bild: Sven Dame
Schornsteinfegermeister Alain Rappsilber

Energie einsparen und Heizkosten senken, kann jeder. Man muss nur wissen, wie. Schornsteinfegermeister Alain Rappsilber hat über 30 Jahre Berufserfahrung im Bereich Energie- und Umweltschutz. Im Gespräch mit SIEGESSÄULE verriet er die besten Tipps und Tricks

Aufgrund der von Russland ausgelösten Energiekrise werden die Heiz- und Energiekosten für Verbraucher*innen in Deutschland im Herbst und Winter dieses Jahres deutlich ansteigen. Diejenigen, die jetzt schon in prekären Verhältnissen leben – darunter ein nicht unwesentlicher Teil der queeren Community –, trifft die zu erwartende Preissteigerung ganz besonders hart. Alain Rappsilber, vielen in der Szene auch durch seine Arbeit für Folsom Europe bekannt, ist Schornsteinfegermeister im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. In seiner 32-jährigen Tätigkeit hat er allein in Kreuzberg die Heizungs- und Belüftungsanlagen in über 40.000 Wohnungen geprüft und dabei Zehntausende Berliner*innen mit Tipps und Tricks beim Energiesparen versorgt.

Alain, wie schätzt du die Lage der Energieversorgung für den kommenden Herbst und Winter ein?

Ich schätze die Situation so ein, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch viel zu wenig Informationen haben. Wir wissen zum Beispiel noch gar nicht, ob die Flüssiggase, die Deutschland jetzt eingekauft hat, überhaupt funktionsfähig sind. Bei dem eingekauften Fracking-Gas handelt es sich um ein aufgearbeitetes Gas. Wie dessen Qualität ist und ob jede Gasfeuerstätte in diesem Land das Gas einwandfrei verbrennen kann, ist fraglich. Diese Knappheit von qualitativ hochwertigem Gas könnte für die Endverbraucher*innen bedeuten, dass sich ihre Energiekosten verdreifachen. Deshalb müssen wir gucken, dass wir Energie einsparen, unser Zuhause jetzt auf die kalte Jahreszeit vorbereiten und unser Verhalten ein klein wenig ändern.

Wo im Haushalt liegt denn deiner Meinung nach das größte Einsparpotenzial?

Am meisten Energie geht verloren, wenn man eine Kombi-Therme hat, die sich permanent im Bereitschaftsmodus befindet. Mit anderen Worten: Wenn ich eine Wasserkomfortschaltung habe, die so eingestellt ist, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit warmes Wasser aus dem Hahn kommt, geht für das ständige Temperieren meines Wassers sehr viel Energie verloren. Wer eine Gasetagenheizung in seiner Wohnung hat, kann diesen Bereitschaftsmodus ganz einfach und ohne fremde Hilfe ausschalten. Damit lässt sich richtig Geld einsparen, ohne dass es wehtut. An zweiter Stelle steht das Entlüften der Heizkörper. Viele beginnen damit erst dann, wenn sie es gluckern hören. Zu diesem Zeitpunkt kann der Heizkörper aber bereits halb mit Luft gefüllt sein. Zudem ist es wichtig, die Thermostate sauber zu halten. In jedem Thermostat befindet sich ein Stift mit einer Membran, der das Ventil auf- und zumacht, und wenn dieser durch Dreck blockiert wird, ist der Thermostat nicht mehr in der Lage, die Heizungsleistung ordentlich zu regeln. Statt die Heizungsleistung und Raumtemperatur selbst zu bestimmen, wird also unkontrolliert geheizt und damit Energie verschwendet. Außerdem muss man den Heizkörper frei stellen, also darauf achten, dass er nicht von Möbeln, einer Verkleidung oder gar von schweren Vorhängen verdeckt wird.

Auch den Raumthermostat richtig einzustellen bringt unheimlich viel! Bei vielen Berliner*innen steht er noch in der Werkseinstellung, weil sie einfach zu faul waren, sich damit auseinanderzusetzen. Da gibt es wirklich eine Menge Tipps, die kein Geld kosten, sondern lediglich eine halbe Stunde Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen und sich Gedanken zu machen.

Wenn du dich auf fünf Tipps begrenzen müsstest, welche wären dies?

Heizkörper freistellen, Heizkörper entlüften, hinter dem Heizkörper eine Dämmfolie anbringen, sodass die Heizungswärme nicht durch das Mauerwerk nach draußen entweicht, sondern in den Raum zurückstrahlt. Türen geschlossen halten. Und die Heizkörper wirklich mal sauber machen, dass die auch wirklich abstrahlen können. Ein Millimeter Staub auf dem Heizkörper bedeutet sechs Prozent Wärmestrahlungsverlust. Je nachdem wie verschmutzt die Heizkörper waren, lässt sich da bis zu 15 Prozent Energieersparnis herausholen!

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