Schwule Biker-Domcom „Pillion“ – Totale Unterwerfung
Harry Lightons Kinodebüt „Pillion“ erzählt von einer unkonventionellen Liebesgeschichte zwischen einem dominanten Motorradfahrer und seinem devoten jungen Liebhaber. Mit viel Humor – und Alexander Skarsgård
Das Urteil von Colins Mutter ist schnell gefällt: „Unser Sohn datet einen gut aussehenden Mistkerl!“ Ihr gefällt es gar nicht, wie Ray mit Colin umspringt, dass Colin jeden Tag (sogar an seinem Geburtstag!) lange Einkaufslisten abarbeiten und auch sonst sein Leben ganz nach Rays Wünschen ausrichten muss. Dass Colin auf dem Fußboden schläft und der Platz neben Ray auf der Couch ausschließlich für dessen geliebte Rottweilerhündin reserviert ist, weiß sie zum Glück nicht.
Die unkonventionelle schwule Liebesgeschichte, die der britische Regisseur Harry Lighton in seinem Langfilmdebüt erzählt – basierend auf dem Roman „Box Hill“ von Adam Mars-Jones –, irritiert nicht nur Colins Umfeld, auch die Zuschauenden müssen sich in fast jeder Einstellung neu positionieren. Und das ist genau das, was „Pillion“ so interessant macht – auch wenn darin kaum mehr passiert, als die Dynamik dieses ungleichen Paars in all ihren Facetten auszuloten.
Kongeniale Besetzung
Zentral ist dabei die kongeniale Besetzung der beiden Hauptdarsteller: Colin, der linkische Vorstadtjunge, der mit Mitte 30 noch bei seinen Eltern wohnt, wird gespielt von Harry Melling, bekannt geworden als Kinderstar in der Rolle des ungeliebten Harry-Potter-Cousins Dudley. Den wortkargen, undurchschaubaren Ray verkörpert Alexander Skarsgård, der in „True Blood“ den bisexuellen Vampir und in „The Northman“ den ultravirilen Wikinger gab. In „Pillion“, als charismatischer Anführer einer schwulen Motorradgang, wirkt er ein bisschen wie eine Mischung aus beidem – von daher verwundert es nicht, dass ihm Colin bereits beim ersten Date in einer dunklen Seitengasse wortwörtlich zu Füßen liegt und die Stiefel ableckt.
Was Ray an Colin findet, bleibt indes rätselhafter. „Er sagt, ich hätte ein Talent für Hingabe“, gesteht Colin seiner Arbeitskollegin später mit scheuem Lächeln. Und vielleicht ist es genau das. Er, der tagsüber als Hilfspolizist Strafzettel verteilt und abends die wohlmeinenden Verkupplungsversuche seiner Mutter über sich ergehen lässt, blüht regelrecht auf als devoter Part in der S/M-Konstellation mit Ray. Ist diese strikte, nie wirklich abgesprochene Rollenverteilung nun einvernehmlich oder dysfunktional? Harry Lighton lässt die Frage offen.
Es gibt amüsante Sitcom-Momente (das awkwarde Kennenlern-Dinner bei Colins Eltern), diverse explizite Sexszenen (etwa eine Biker-Orgie auf einem Campingplatz) und irgendwann sogar einen zarten Aufstand, als Colin mehr Intimität und Augenhöhe einfordert und dadurch das gesamte Beziehungsgefüge ins Wanken bringt.
Lighton hat eine sensible Charakterstudie geschaffen und nicht zuletzt die berührende Geschichte einer mal lust-, mal leidvollen Selbsterkundung und allmählichen Emanzipation.
Die Melange aus schwuler RomCom, Biker-Ästhetik und Kink mag erst mal kurios anmuten – doch „Pillion“ ist weder ein queerer Abklatsch von „Fifty Shades of Grey“ noch eine seichte Komödie, die mit Klischees Publikumslacher ernten möchte. Stattdessen hat Lighton eine sensible Charakterstudie geschaffen und nicht zuletzt die berührende Geschichte einer mal lust-, mal leidvollen Selbsterkundung und allmählichen Emanzipation.
Pillion, GB 2025,
Regie: Harry Lighton. Mit Harry Melling und Alexander Skarsgård u. a.
Ab 26.03. im Kino
Preview
MonGay am 23.03., 21:30, Babylon Kreuzberg
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