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Kampagne „Ich weiß, was ich tu“

„Sexpositiv und lustbetont“: Neuer IWWIT-Teamleiter Jonathan Gregory

15. Aug. 2023 Michael G. Meyer
Bild: Jason Harrell

Jonathan Gregory, der es 2015 ins Finale von „Mr. Gay Germany“ schaffte, ist seit 2023 Teil des neu aufgestellten Teams von „Ich weiß, was ich tu“ (IWWIT) und leitet die Kampagne, die über schwule Sexualität, HIV und Safer Sex informiert. SIEGESSÄULE sprach mit ihm über neue Schwerpunkte

Ihr habt euch personell und inhaltlich neu aufgestellt – was hat sich verändert? M*SM*- (Männer*, die Sex mit Männern* haben)-Prävention bleibt der Fokus von IWWIT. Wir möchten Prävention lustbetont und sexpositiv verpacken. Um unsere Präventionsbotschaften weiterzuentwickeln, möchten wir engere Verknüpfungen zwischen unseren Themen herstellen. Es ist uns wichtig, intersektionale Schwerpunkte zu setzen und mit neuen Blickwinkeln neue Perspektiven einzubinden.

IWWIT existiert ja schon eine Weile. Wie gut erreicht ihr die Leute? Gibt es Gruppen, die ihr stärkter erreichen wollt? Dieses Jahr feiern wir 15 Jahre schwule* Präventionskampagne IWWIT von der Deutschen Aidshilfe. Seit 15 Jahren werden wir von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finanziert und haben ein Team von über 30 ehrenamtlichen Kolleg*innen, die für uns deutschlandweit in Clubs, Bars, auf CSDs und Workshops im Einsatz sind. Darauf können wir stolz sein und dafür sind wir vor allem unserem ehrenamtlichen Team sehr dankbar. Communitys waren und sind stetig im Wandel, und auch wir beschäftigen uns intensiv damit, wie die Kampagne bei neuen Schlüsselgruppen durch neue Materialien Interesse wecken kann. IWWIT möchte mit der Zeit gehen und sieht es auch als Aufgabe, vielfältigere Männlichkeiten darzustellen. Wir können eine Plattform für diverse Stimmen aus den Communitys bieten und möchten Vielfalt aktiv fördern.

„IWWIT möchte mit der Zeit gehen und sieht es auch als Aufgabe, vielfältigere Männlichkeiten darzustellen.“

Im letzten Jahr waren Monkeypox ein großes Thema. Wie groß ist die Gefahr noch? Wir konnten Mpox gut begegnen, aber ganz weg sind sie nicht. Mit dem Aufkommen der ersten Mpox-Fälle haben wir gemeinsam mit Zentren für sexuelle Gesundheit, Checkpoints und Aids-Hilfen sowie dem Robert-Koch-Institut unsere Schlüsselgruppen fast täglich mit den neuesten Informationen geupdatet. Jetzt steht die Impfung im Vordergrund. Die Zahl der Mpox-Infektionen sinkt. Seit Mitte Oktober 2022 werden in Deutschland nur noch wenige Fälle gemeldet. Weltweit wurden Ende Juni 2023 jedoch noch über 80 neue Fälle gemeldet, auch aus Europa. Neue Ausbrüche sind also möglich – gerade mit Blick auf die Reise-, Festival- und Pride-Saison. Wir haben jetzt genug Impfstoff, das muss genutzt werden.

„Die Versorgung im Bereich psychische Gesundheit ist völlig unzureichend – und geradezu katastrophal, was queersensible Angebote angeht.“

Ihr arbeitet auch im Bereich „Mental Health“. Was bietet ihr in diesem Bereich an und welchen Fokus habt ihr? Die Versorgung im Bereich psychische Gesundheit ist völlig unzureichend – und geradezu katastrophal, was queersensible Angebote angeht. Wir sehen mentale Gesundheit als intersektionales Thema: Wir versuchen, verschiedene Faktoren der Lebenswelt zu identifizieren und diese im Zusammenhang mit unserem Wohlbefinden zu betrachten. Beispielsweise sehen wir, dass sich auf Menschen, die mit HIV leben, Stress oftmals anders auswirken kann. Ähnlich ist es bei Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Diese Erfahrungen können krank machen und Auswirkungen auf das mentale Wohlbefinden haben. Auch trans*, inter* oder non-binary Personen haben besondere Themen, die zu besonderen Belastungen führen können.

„Sexualität und das Ausleben von Lust hängen mit unserem psychischen Wohlbefinden zusammen.“

Hat sich nach der Pandemie etwas verändert im Sexualverhalten queerer Menschen? Corona hat viel Einsamkeit bei queeren Menschen mit sich gebracht. Die ausdrückliche Aufforderung, Kontakte zu meiden, macht natürlich auch etwas mit und in uns. Als dann auch noch Mpox ausbrachen, wurden zusätzliche Ängste wach, und wir standen vor neuen Fragen, wie wir Sexualität leben können. Allmählich entspannt sich die Lage. Communitys treffen sich wieder, kommen in Kontakt, und Sexorte werden wieder besucht. Wir dürfen nicht vergessen, Sexualität und das Ausleben von Lust hängen mit unserem psychischen Wohlbefinden zusammen. Es ist wichtig, dass wir uns auch erlauben, Sex zu haben. Hier sind wir als IWWIT für M*SM* da und ansprechbar.

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