Shootingstar Leanne Deliah: „Wir brauchen mehr FLINTA* im deutschen Rock!“
Die Berliner Sängerin Leanne Deliah überzeugt mit deutscher Pop-Rock-Musik, die voller Y2K- und 2010er-Nostalgie steckt. Sie setzt sich in ihren Songs mit persönlichen Krisen und toxischen Beziehungen auseinander. Und hat mit ihrer Partnerin vor einem Jahr die FLINTA*-Partyreihe Rockstar Girlfriends gegründet
„Lasst mal deutsche Rockmusik wieder cool machen!“, fordert die Indie-Künstlerin Leanne Deliah in einem TikTok-Video, während sie ihren Song „unbothered“ spielt. Die Kommentarspalte ist durchgängig positiv und vergleicht ihre Musik mit Deutschrock-Stars aus den 2000ern wie Silbermond und Juli. Während in den letzten Jahren das Pop-Rock-Genre zwar auf internationalen Bühnen seinen Weg (wieder) in den Mainstream fand, scheint in Deutschland diese Musik mehr mit Nostalgie als Gegenwart verbunden zu sein. Aber es gibt immer mehr Künstler*innen, die diese Lücke füllen. Eine davon ist die Newcomerin Leanne Deliah, die im letzten Jahr drei Singles veröffentlichte und besonders mit ihrem Song „unbothered“ sowie dem dazugehörigen Musikvideo begeisterte.
Im Video liegt sie auf einem Matratzenturm, der in einen dunklen, bewölkten Himmel ragt, während sie sich in den weißen Laken wälzt, bis sie rückwärts in die Tiefe stürzt. Im nächsten Frame hängt sie in der Mitte eines roten Raums an zahlreichen dunklen Ketten, die sie sowohl fesseln als auch auseinanderreißen. Der Song spiegele den inneren Konflikt zwischen Verlustangst und Selbstschutz.
Das Besondere an dem Projekt: Die Firma Awaken Produktion sei mit einem No-Budget-Angebot auf sie zugekommen. „Das war unglaublich“, sagt sie im Gespräch mit SIEGESSÄULE. „Am Anfang habe ich mich nicht getraut, überhaupt so groß zu denken. Aber an diesen drei Drehtagen habe ich mich gefühlt wie ein Rockstar!“
Zwischen Wut und Verletzlichkeit
Einige aus der Berliner FLINTA*-Community dürften Leanne durch ihre Partyreihe „Rockstar Girlfriends“ bereits kennen. Zusammen mit ihrer Partnerin, die auch Musikerin ist und als Goldie333 Trap-Punk veröffentlicht, hat sie die Party vor über einem Jahr gegründet. „Uns beide vereint die Liebe zur Rockmusik. Aber immer wenn wir auf einer der Rockveranstaltungen waren, war die Crowd wenig divers, größtenteils männlich und nicht besonders queer-friendly“, erinnert sie sich. „Dann dachten wir uns: Warum nicht eine eigene FLINTA*-Eventreihe für Rockmusik machen?“
Leannes Songs spiegeln Gefühle einer Generation, die versucht zwischen persönlichen und globalen Krisen zu navigieren, erzählt von toxischen Beziehungen und mentaler Gesundheit. Dabei spielen Emotionen – oder die Flucht davor – eine zentrale Rolle. Besonders deutlich wird das in „4 Wände“: „Ich brauche Lärm, meine Screentime und das Chaos, das die Geister draußen hält / Ich will Menschenmassen gegen Panikattacken / Einfach ablenken lassen, bis ich nichts mehr spür“.
„Meine Lieder beginnen meist wie ein Tagebucheintrag und werden dann im Studio zur Musik der Produzent*innen in Songtexte umgewandelt“, sagt sie. Die Musik habe sie schon lange begleitet – von der Coverband in ihrer Heimat über die Teilnahme bei The Voice of Germany, bis sie ihren eigenen Stil gefunden hat: deutscher Alternative Rock mit schnellen Schlagzeugbeats, rockigen Gitarrensounds und vollgepackt mit emotionalen Songtexten, die zwischen Wut und Verletzlichkeit balancieren.
„Ich zieh mein Ding durch. Es geht um einen Lifestyle jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und die Freiheit, sich nicht rechtfertigen zu müssen.“
Mit ihrem neuesten Song „IDGAF“, der am 20. Februar erschien und den sie als „rotzigen Rocksong“ betitelt, vertritt sie eine klare Message: „Ich zieh mein Ding durch. Es geht um einen Lifestyle jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und die Freiheit, sich nicht rechtfertigen zu müssen.“ Etwas, das viele Queers nachfühlen können. In der deutschen Indie-Szene habe sie hingegen bis jetzt gute Erfahrungen gemacht. „Ich bin besonders Reeza dankbar. Sie hat mich am Anfang einfach mitgenommen und mir gezeigt, wie ein Studiotag bei ihr aussieht.“ Dieser Zusammenhalt – besonders unter FLINTA*-Artists – sei es, worauf es ankomme. Denn: „Wir brauchen mehr FLINTA* im deutschen Rock!“
Neue Single „IDGAF“ seit 20.02. im Handel
Rockstar Girlfriends
30.05., 23:30
Badehaus Berlin
Livetermine:
27.06. CSD Afterparty, München
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