Star Trek-Ikone und LGBTI*-Aktivist

George Takei veröffentlicht Graphic Novel über Rassimus

1. Juni 2020 Roberto Manteufel

Der Schauspieler George Takei gehört zu den bekanntesten Kämpfern für LGBTI*-Rechte in den USA. In der Graphic Novel „They Called Us Enemy“ thematisiert er ein weiteres schmerzhaftes Kapitel der Ungleichbehandlung

Als Lieutenant Hikaru Sulu durchflog er zusammen mit der diversen Crew der ersten „Star Trek“-Riege die imaginierten Weiten des Weltraums. Doch als kleiner Junge war für George Takei und seine Familie selbst ein kleiner Wochenendausflug ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen bestand das Land seiner Kindheit aus Baracken, Matsch, Soldaten und einem hohen Stacheldrahtzaun. So erging es insgesamt rund 120.000 weiteren Japanoamerikanern in den Jahren von 1941 bis 1945: Sie wurden erst enteignet und dann in Lagern inhaftiert.

Dieses düstere Kapitel der US-amerikanischen Geschichte, das bis heute nur wenigen bekannt ist, hat Takei in seiner Graphic Novel „They Called Us Enemy“ verarbeitet. Dabei halfen ihm Justin Eisinger und Steven Scott beim Verfassen der Geschichte, für die Zeichnungen war Harmony Becker zuständig. Mittels mehrerer paralleler Zeitschienen, die von der Gegenwart bis in die Vergangenheit reichen, versuchen sie darin, den persönlichen Schicksalen und zugleich der politischen Dimension jener Zeit Rechnung zu tragen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut, da – und dies macht Takei auch selbst in dem Buch deutlich – sich seine Erinnerungen auf die Perspektive eines Kindes stützen, das vieles anders sieht und erlebt, als es sich für einen Erwachsenen darstellt. Er hat eben damals nicht die Gefühle der Demütigung und Angst verspürt, die viele in den USA geborene Japaner*innen plagten: Man zwang sie, ihr Hab und Gut für einen Spottpreis zu verkaufen, bevor sie in Züge gepfercht durchs Land gekarrt wurden und teils in Pferdeställen übernachten mussten. Doch nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 wurden sie alle, die nur ihrer Abstammung nach japanisch waren, kollektiv zu Staatsfeinden erklärt. Einfach aufgrund ihres Aussehens.

Welcher Senator bei diesem Prozess aus Hysterie, Rassismus und Kriegsstimmung eine unrühmliche Rolle spielte, arbeitet „They Called Us Enemy“ detailliert auf. Das Buch ist daher wie eine kleine Geschichtsstunde, und man erfährt zum Beispiel, dass sich erst 1988 Ronald Reagan im Namen der Regierung für das begangene Unrecht entschuldigte. So willkommen diese Entschuldigung auch war – sie täuschte nicht über die moralische und politische Frage hinweg, die Takei selbst stellt: Wie konnte das in einem Land passieren, das sich die Ideale der Freiheit und Gleichheit auf die Fahne geschrieben hat? Als Antwort wird hier gegeben, dass die „Mühlen der Demokratie langsam mahlen“ und Menschen eben Fehler machen. Denn der damalige Präsident Theodore Roosevelt habe zwar die Anordnung für die Internierung unterschrieben, habe aber auf der anderen Seite, sagt Takei, auch gute Dinge bewirkt. Zum Beispiel hätte sein „New Deal“ die USA aus der Depression gerettet. Für ein Buch allerdings, das zuvor gezeigt hat, wie Familien voneinander getrennt und Menschen unrechtmäßig deportiert wurden, wirken solche Erklärungen recht dürftig und in Anbetracht einer weit fortgeschrittenen Rassismus-Debatte unzeitgemäß. So muss das Buch folgerichtig, wenn es Trumps Einreiseverbot für Muslime von 2018 aufgreift, lediglich mit der zahmen Mahnung abschließen, die Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen.

George Takei: „They Called Us Enemy“, Cross Cult, 208 Seiten, 25 Euro

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