Verstörend und verlockend: „Wuthering Heights“ von Charli XCX
Die britische Singer-Songwriterin Charli XCX gilt vielen als queere Ikone – nicht zuletzt wegen Kollaborationen mit Künstler*innen wie Kim Petras oder Troye Sivan. Nach einer kreativen Pause kündigt sie nun ein neues Album an: inspiriert vom „Wuthering Heights“-Film der bisexuellen Regisseurin Emerald Fennell („Saltburn“). Zur Berlinale hat sich die Musikerin sogar in Berlin angekündigt
Alle Verfilmungen und Adaptionen der „schönsten Liebesgeschichte“ aufzuzählen – wie Emily Brontës einziger Roman „Wuthering Heights“ oft genannt wird – ist ein schwieriges Unterfangen. Es gibt einfach so viele. Angefangen mit einem britischen Stummfilm aus den 1920er-Jahren, von dem es keine Kopien mehr gibt, über spanische, indische, pakistanische und philippinische Interpretationen bis zur Topstar-Besetzung anno 1992 mit Juliette Binoche und Ralph Fiennes. Besondere Beachtung verdient außerdem der John-Huston-Streifen von 1939 mit der göttlichen Merle Oberon und David Niven in den Hauptrollen. Die Debütsingle der jungen Kate Bush hieß „Wuthering Heights“ und begründete einen regelrechten Kult, der alljährlich in Form des Wuthering-Heights-Days begangen wird, mit Tausenden Fans in roten Kleidern, wie Bush es im Video zum Song trug.
Die tragische Liebesgeschichte um Catherine und Heathcliff begeisterte Generationen und tut es noch heute, gut 180 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buchs, das Emily Brontë zunächst unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell herausgab: Im 19. Jahrhundert wurden Autorinnen leichthin für verrückt erklärt und durften nicht veröffentlichen. „Wuthering Heights“ (zu deutsch „Sturmhöhe“) ist Gothic Fiction at its best: Eine feindlich gestimmte Natur, gesellschaftliche Unterschiede, verbotene Liebe, Verrat, Krankheit, Irrsinn, Tod – Brontë setzte 1847 den Maßstab für romantische Schauerliteratur, der noch immer gilt.
Schwenk in die Jetztzeit: Die britische Schauspielerin und Regisseurin Emerald Fennell („Saltburn“) hat sich Brontës Stoff vorgenommen, um einen modernen Klassiker wie „Titanic“ (mit Leonardo und Kate) oder „Romeo und Julia“ (mit Leo und Claire) daraus zu machen, einen Film, in den man zehnmal hintereinander geht und dann traurig ist, weil ein elftes Mal nicht drin ist. Die bisexuelle Fennell legt den Fokus auf dunkle, geheimnisvolle Erotik, der Trailer zum Film ist so verstörend wie verlockend.
Laut Fennell spielt ihre gute Freundin Margot Robbie („Barbie“) die Rolle der Catherine Earnshaw mit „big dick energy“. Der mysteriöse Heathcliff wird vom australischen Heartthrob Jacob Elordi („Euphoria“, „On Swift Horses“ und natürlich „Saltburn“) verkörpert – eine nicht unumstrittene Wahl: Es sei unpassend, den im Roman als eher dunkelhäutig beschriebenen Helden von einem Weißen spielen zu lassen. Wie überzeugend Robbie und Elordi in ihren Rollen als Gothic-Sexgottheiten sind, wird sich am Vorabend zum Valentinstag zeigen, wenn der Film Kinopremiere hat.
Komplettes Gegenteil des Banger-Sounds von „Brat“
Zeitgleich erscheint auch der Soundtrack zu „Wuthering Heights“: Aufgenommen vom britischen Megastar Charli XCX, die damit ihre zweite Filmmusik vorlegt. Vom gigantischen Erfolg ihres 2024er-Albums „Brat“ ermüdet – man erinnere sich: im Sommer ‘24 war alles und jede*r Brat, Kamala Harris bestritt gar ihre Präsidentschaftskandidatur in Giftgrün, wenn auch erfolglos – konnte sich Charli XCX nicht mehr vorstellen, jemals wieder Songs zu komponieren.
Bis sie von Fennell gebeten wurde, ein Stück für ihren neuen Film beizusteuern: Charli XCX fühlte sich sofort inspiriert, vertiefte sich ins Drehbuch und schrieb zusammen mit ihrem Langzeit-Kollaborateur und Produzenten Finn Keane mehrere Lieder, die das komplette Gegenteil des Banger-Sounds von „Brat“ sind. Die vorab veröffentlichten Singles „Chains Of Love“ und „House“ mit Velvet-Underground-Legende John Cale sind düsterer, ambitionierter Artpop mit avantgardistischen Industrial-Elementen, spektakulär und intensiv. Auf keinen Fall Mainstream – bleibt zu hoffen, dass dies auch auf den Film zutrifft.
Charlie XCX: „Wuthering Heights“
Atlantic Records/ Warner Music
Ab 13.02. im Handel
Film: „Wuthering Heights – Sturmhöhe“
USA/GB 2026
Regie: Emerald Fennell
Mit Margot Robbie, Jacob Elordi, Shazad Latif u. a.
Ab 13.02. im Kino
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