Volker Janssen: „In Berlin hatte ich die glücklichsten Jahre meines Lebens“
In Südafrika feiert der Verleger, Galerist und Fotograf Volker Janssen heute seinen achtzigsten Geburtstag. In den 80er- und 90er-Jahren war Janssen ein Pionier der schwulen Kulturszene Berlins und prägend für die erotische Männerfotografie und -kunst. Als Fotograf arbeitete er unter anderem für die frühe SIEGESSÄULE
1981 gründete Volker die Galerie Janssen in der Pariser Straße 45. Schon mit der ersten Ausstellung holte er den damals weltberühmten Erotikstar Peter Berlin mit seinen Fotografien aus San Francisco in dessen alte Heimat. Der junge Comiczeichner Ralf König hatte in dem Eckladen in Wilmersdorf seine erste Ausstellung überhaupt.
Die Liste der bekannten Künstler, die über die Jahre in der Galerie Janssen zu sehen waren, liest sich wie ein „Who is Who“ der erotischen Männerkunst: Von Tom of Finland über Herbert Tobias bis Jean Cocteau, von Wilfried Laule über Andreas Maydorn bis Sven Marquardt.
Volker Janssen ließ sich bei der Enge des Themas vor allem vom künstlerischen Anspruch der Arbeiten leiten. Persönlich reizte ihn der Wechsel zwischen verschiedenen Stilen und Techniken: „Deshalb gab es neben der dominierenden Fotografie auch Malerei, Zeichnungen, Grafik und sogar Bronzeskulpturen zu sehen.“
Schon zwei Jahre vor seiner Galerie hatte Janssen einen Verlag gegründet, doch der wurde erst in Verbindung mit der Galerie wirklich aktiv. Weil er relativ wenige der Originale verkaufen konnte, begann Janssen mit dem Druck von Postkarten, Postern und Katalogen zu den aktuellen Ausstellungen.
In einer Reihe mit Egmont Fassbinder und Bruno Gmünder
Als wichtiger Verleger der frühen Schwulenbefreiung steht Volker Janssen zweifelsfrei in einer Reihe mit dem 2023 verstorbenen Egmont Fassbinder (Verlag Rosa Winkel) und Bruno Gmünder, zu beiden hatte er ein gutes Verhältnis. Die drei Verlage waren allesamt Gründungen aus der Emanzipationsbewegung der Siebzigerjahre heraus, setzten jedoch ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Rosa Winkel legte den Fokus auf Politik und Emanzipation, Gmünder bediente den Mainstream und Janssen stand für anspruchsvolle schwule Kunst und Kultur.
Geboren wurde Franz-Volker Janssen fast genau ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 1946, in Bremen als Sohn eines Kunsthändlers. Sein Vater wollte, dass der Sohn das Geschäft übernimmt und zuvor eine Lehre absolviert. Das war zwar nicht sein Traumziel, dennoch machte Volker eine Lehre als Gold- und Silberschmied. Seine Leidenschaft galt jedoch dem Journalismus. 1965 wurde er mit 19 Jahren Chefredakteur des Anstoss einer überregionalen linken Jugendzeitschrift für Politik und Kultur.
Die erste schwule Galerie weltweit
An (West-)Berlin reizte den jungen Volker die Atmosphäre der Stadt, ihre Menschen und das freie schwule Leben. Mit 28 Jahren zog er um, arbeitete zunächst als Geschäftsführer eines Bedarfsartikel-Unternehmens für Goldschmiede, bis er 1981 ins kalte Wasser sprang und eine Galerie gründete, die zunächst für kurze Zeit so hieß, wie die Jugendzeitschrift, deren Chefredakteur er war: Anstoss! Es wurde die erste schwule Männer-Galerie weltweit.
Anstößig ist Volker Janssen im besten Sinne immer geblieben. Freunde beschreiben ihn als Kämpfernatur, verbissen und hartnäckig, manchmal sogar stur. Dabei steht sein Wagemut in seltsamen Widerspruch zu seiner ruhigen, feinsinnigen Art.
1996 verkaufte Volker Janssen seine Galerie einem Nachfolger und zog nach Südafrika. Dort reizte ihn das veränderte politische Klima und die Aufbruchsstimmung nach dem Ende der Apartheid, aber er brauchte auch Abstand vom Stress der Galeristen-Jahre – und die Veränderungen Berlins nach dem Mauerfall empfand Janssen als nicht nur positiv. Von Kapstadt aus führte er seinen Verlag noch etliche Jahre weiter, zuletzt entstanden Bildbände seiner Fotografien afrikanischer Männer.
Ein Sammler ist Volker Janssen Zeit seines Lebens geblieben. In seiner Garage steht eine Borgward Isabella von 1957 und sein Haus hängt voller Erinnerungen an vierzig Jahre erotische Männerkunst. Das Sammeln steht auch im Zentrum seines beruflichen Lebens mit Achtzig: Seit dem Ende des bisherigen Verlags 2009 handelt Janssen in seiner südafrikanischen Heimat mit Briefmarken und veröffentlicht in einem neuen Verlag Bücher über Philatelie.
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