Elena Zanzu mit „EZ“

Zeitgenössischer Zirkus: Seile und Knoten

29. Jan. 2026 Annabelle Georgen
Bild: Mila Ercoli
Baskische Performer*in Elena Zanzu

Im Rahmen der Gastspielreihe „Play“ zeigen neun Kompanien ihre Perspektiven auf zeitgenössischen Zirkus. Unter ihnen ist Elena Zanzu mit „EZ“, die binäre Sichtweisen infrage stellt – und dabei an ihrem Kopf hängt, mit einer eigenen Konstruktion

Elena, das Wort „ez“ bedeutet „nein“ auf Baskisch. In einem Text zu deiner Soloperformance schreibst du, dass du „das ,Nein‘ begrüßen willst, damit das ,Ja‘ safer wird“ ... Um Ja sagen zu können und es auch so wirklich zu meinen, müssen wir uns sicher genug fühlen, Nein sagen zu können. Wenn das nicht der Fall ist, sagen wir dann nicht wirklich Ja. In „EZ“ mache ich einige unausgesprochenen Regeln sichtbar, und im Laufe der Performance werden die Machtverhältnisse, Regeln und Rollen hinterfragt und spielerisch aufgegriffen. Damit entsteht ein Raum des wachsenden Vertrauens. Eine Frage, die dabei sehr präsent ist: Wie kann man den Raum sicherer machen, damit es attraktiv, aber auch tiefgründig und lustig ist, gemeinsam verletzlich zu sein.

„Um Ja sagen zu können und es auch so wirklich zu meinen, müssen wir uns sicher genug fühlen, Nein sagen zu können.“

Auf der Bühne spielst du mit Shibari-Seilen. Welche Parallelen siehst du zwischen Bondage und dem zeitgenössischen Zirkus? In „EZ“ verwende ich eine Technik, die ich „Kopfaufhängung” nenne. Sie kommt aus meinem langjährigen Wunsch, die klassische Zirkusdisziplin der Haaraufhängung zu praktizieren, bei der man einen Knoten in das Haar macht und daran pendelt. Dafür muss man aber langes Haar haben, und ich trage meins lieber kurz. Diese beiden Wünsche schienen unvereinbar. Intuitiv fühlte ich mich zum Shibari hingezogen. Als ich diese alte japanische Technik lernte, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, eine Art Geschirr aus Seilen und Knoten für meinen Kopf zu bauen, an dem ich mich aufhängen kann. Ich habe viele großartige Shibari-Profis konsultiert, und sie alle sagten zu mir, dass das, was ich bauen wollte, unmöglich sei. Aber jetzt hänge ich an meinem Kopf. Damit erforsche ich die starke Verbindung zwischen dem Schmerz-Aufgeben und dem Schmerz-Transzendieren, was extrem kraftvoll sein kann. Dabei entsteht eine Verhandlung, die auch Machtverhältnisse, die Rollen von aktiv/passiv und dominant/ devot infrage stellt. Wer unterstützt wen? Wer kümmert sich um wen?

Bild: Mila Ercoli
Mit Shibari-Seilen hat sich Elena Zanzu eine eigene Halterung gebaut, die es ihr erlaubt am Kopf zu hängen
„Damit erforsche ich die starke Verbindung zwischen dem Schmerz-Aufgeben und dem Schmerz-Transzendieren, was extrem kraftvoll sein kann.“

Wenn du nicht auf der Bühne bist, unterrichtest du Gender Studies an der Universitat Autonoma de Barcelona. Wie beeinflussen sich diese sehr unterschiedlichen Tätigkeiten gegenseitig? Ich war schon immer ein sehr kopflastiger Mensch. Ich habe Philosophie studiert und das Denken begeistert mich. Meine Begegnung mit der Kunst der Bewegung hat mir aber ermöglicht, mich wieder mit meinem Körper zu verbinden, und mir geholfen, den Dualismus von Körper und Geist und die daraus resultierende Hierarchie der Wissensgenerierung infrage zu stellen.

Gastspielreihe Play: „EZ“
29.+30.01., 20:00
Chamäleon
chamaeleonberlin.com

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