Zum 40. Mal Teddy Award: Der etwas andere Bär
Dieses Jahr wird der Teddy Award zum 40. Mal verliehen. Was als spontanes Event begann, hat sich zu einem weltweit einmaligen Branchentreff und zu einem Fest der queeren Filmszene entwickelt
Er ist nicht sonderlich groß, aber doch ein Schwergewicht. Kein Wunder: Der Teddy ist aus massiver Bronze gefertigt und sitzt auf einem Pflasterstein. Ein etwas anderer, von Ralf König gestalteter Berlinale-Bär. Am 20. Februar werden damit die besten queeren Beiträge des Filmfestivals ausgezeichnet. Für die allerersten Gewinner*innen im Jahr 1987 gab es hingegen nur Plüschbären, die man kurz vor der Verleihung im Buchladen Prinz Eisenherz noch schnell in einem Kaufhaus besorgt hatte. Manfred Salzgeber, Begründer und langjähriger Kurator des Panoramas, hatte weltweit die in den 1980er-Jahren noch sehr raren queeren Filmproduktionen aufgespürt und in seine Berlinale-Sektion eingeladen. „Das hat sich sehr schnell herumgesprochen“, erinnert sich Wieland Speck, seinerzeit Assistent von Salzgeber und „Co-Vater“ des Teddy. Die Berlinale wurde bald zu einem wichtigen Termin für die Kurator*innen internationaler queerer Filmfestivals und LGBTIQ*-Filmschaffende aus aller Welt. Was lag also näher, als dieses Fachpublikum über den besten queeren Berlinale-Beitrag abstimmen zu lassen?
Katalysator für die internationale queere Filmszene
Der Teddy sollte Aufmerksamkeit schaffen für Filme, die bislang nur als Nischenfilme galten und außerhalb von Festivals oft gar nicht gezeigt wurden. Ein Preis – das hatte Wieland Speck bereits 1985 mit seinem eigenen Spielfilmdebüt „Westler“ erlebt – sorgt für weitere Festivaleinladungen, Presseberichte und gesteigerte Chancen, weltweit Verleiher zu finden und damit ein größeres Publikum zu erreichen. Gleich bei der ersten Teddy-Verleihung 1987 wurden mit Gus Van Sant und Pedro Almodóvar zwei junge Regisseure ausgezeichnet, deren spätere Weltkarrieren damals noch kaum absehbar waren. An prominenten Namen sollte es auch in den Folgejahren nicht mangeln: In der Liste der Preisträger*innen finden sich unter anderem François Ozon, Todd Haynes, Ira Sachs, Barbara Hammer, Jochen Hick, Greta Schiller, Derek Jarman und James Franco.
Die Intention sei von Anfang an gewesen, queere Filme nicht nur für ein queeres Publikum zu zeigen, sagt Wieland Speck, der von 1992 bis 2017 die Programmleitung der Panorama-Sektion innehatte. „Denn inzwischen – das zeigen die zur Berlinale eingeladenen Filme – gibt es nicht nur eine enorme thematische Bandbreite, sondern auch viele künstlerisch spannende Produktionen, für die sich Mainstreammedien und ein breites Publikum interessieren sollten.“ Wieland Speck war es von Beginn an wichtig, dass auch andere Berlinale-Sektionen – etwa der Wettbewerb um den Goldenen Bären oder das Forum – queere Produktionen in den Blick nehmen. Längst finden sich die für den Teddy nominierten Filme in allen Sektionen. Und der queere Preis wird vom gesamten Festival geschätzt und nachhaltig unterstützt, sagt Michael Stütz, seit 2019 Leiter des Panorama.
„Für Kolleg*innen aus den unterschiedlichsten Abteilungen – von der Verwaltung bis zur Festivalleitung – ist der Teddy Award eine Herzensangelegenheit.“
„Für Kolleg*innen aus den unterschiedlichsten Abteilungen – von der Verwaltung bis zur Festivalleitung – ist er eine Herzensangelegenheit“, betont er. „Ohne diese Unterstützung wären die zahlreichen Aktivitäten rund um den Teddy Award nicht zu stemmen.“ Etwa die „Teddy 40“-Jubiläumsretrospektive und die Gesprächsreihe „Wild at Heart“: Mit Zeitzeug*innen und Expert*innen wird darüber diskutiert, welche Bedeutung der Award als Katalysator für die internationale queere Filmszene und für die Berliner Community hat.
Der Teddy hat auch andere Festivals inspiriert. 2001 vergab das Molodist International Film Festival in Kiew mit dem Sunny Bunny einen eigenen queeren Preis, 2007 folgte der Queer Lion bei den Filmfestspielen von Venedig, 2010 die Queer Palm in Cannes. Doch kein anderer verfügt über eine solche Strahlkraft wie der Teddy.
Vorstellung des queeren Filmprogramms 2026
05.02., 20:00, Volksbühne (Roter Salon)
berlinale.de
40. Teddy Award Preisverleihung
20.02., 20:30, Volksbühne (Großer Saal)
Teddy After Show Party
22:30, Volksbühne (Salons und Foyers)
teddyaward.tv
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