Bühne

Fassbinder am Deutschen Theater: „Tropfen auf heiße Steine“

8. Apr. 2017
Bernd Moss, Daniel Hoevels in "Tropfen auf heiße Steine" (c) Deutsches Theater

Der Kontrast zu François Ozons farbenfroher Verfilmung im 70er-Jahre-Flokati-Rausch könnte nicht größer sein. In der Box des Deutschen Theaters findet das 1964 entstandene Frühwerk Rainer Werner Fassbinders auf einer fast kahlen tiefschwarzen Guckkastenbühne statt, die dann auch bedrohlich zusammenschrumpft (Ausstattung Viktor Reim). Und so sitzen sich der junge, frisch von der Straße abgeschleppte Franz und sein listig-lüsterner Gastgeber Leopold in dieser engen Behausung gegenüber, gleichermaßen eingezwängt in ihre Anzüge und zugeknöpften Hemdkragen.

Mit ihren stummfilmhaft bleich geschminkten Gesichtern und hypernervösen Gesten setzen Bernd Moss und Daniel Hoeves dann auch gleich die Dialogmaschinerie in Gang, und die kennt keine Gnade und kaum eine Pause. Philipp Arnold hat das Beziehungsdrama so auf eine Stunde Spieldauer zusammenschnurren lassen und die perfekt getimten, stakkatohaften Wortwechsel aus der Beziehung- und Kleinbürgerhölle wirken umso grotesker. Von der schmierig-gierigen Verführung zur leidenschaftlichen Zweisam- und Abhängigkeit ist der Weg dann auch nicht mehr weit, bis sich Leopold in einen gehässigen Haustyrannen verwandelt. Die finale Eskalationsstufe wird schließlich mit dem Auftauchen von Franz’ Verlobter (Natali Seelig) und Leopolds Exfrau (Franziska Machens) erreicht. Jetzt geht die Party richtig los, ohne dass Philipp Arnold deshalb sein Regiekonzept verlassen müsste. Begehrt und begrabscht wird nun wild durcheinander, und doch muss bei dieser hysterischen Orgie niemand aus den steifen Kleidern schlüpfen.

Und wenn Natali Seelig ausdauernd und enthemmt an Bernd Moss’ Nase lutscht, ist das nicht nur unglaublich komisch, sondern auch ein genialer Einfall, um auf groteske und doch sehr körperliche Weise den sexuellen Rausch zu zeigen.

Axel Schock

Nächste Vorstellungen:
27.04., 21:00,
19.05., 20:00,
Deutsches Theater/Box