Szenekonflikt

Entscheidung im Grundstücksstreit: Lesbenwohnprojekt steht vor dem Aus

24. Sept. 2018
RuT und UnterstützerInnen demonstrierten im Mai 2018 vor den Räumen der Schwulenberatung

Im Streit um das Grundstück am Südkreuz hat die Schwulenberatung den Zuschlag bekommen. Hier soll jetzt der dritte „Lebensort Vielfalt“ entstehen – und nicht das von der Initiative RuT geplante Wohnprojekt für lesbische Frauen, das bundesweit das erste seiner Art gewesen wäre.

RuT hatte ein vom Land Berlin ausgeschriebenes Konzeptverfahren um das Grundstück an der so genannten Schöneberger Linse bereits Ende November 2017 gewonnen, doch die Schwulenberatung legte Einspruch ein und ließ das gesamte Verfahren juristisch prüfen. Daraufhin wurde es Anfang des Jahres zurückgestuft: Alle im Verfahren verbliebenen Projekte (darunter als drittes auch die KlimaGut Immobilien AG) konnten konzeptionell und beim Kaufpreis für das Grundstück nachjustieren. Heute wurde die erneute Entscheidung bekannt gegeben, die zu Gunsten der Schwulenberatung ausfiel.

RuT arbeitet seit 2009 an der Umsetzung des lesbischen Wohnprojektes für circa 80 Bewohner*innen. Das Grundstück am Südkreuz war für das Projekt die letzte Chance, „weil wir keine Alternative hatten“, so Jutta Brambach, Geschäftsführerin von RuT. Dabei war die Initiative zu Beginn des Konzeptverfahrens mit zugesagten Fördermitteln der deutschen Lottostiftung sehr gut aufgestellt gewesen.

In ihrer heute veröffentlichten Pressemitteilung nennen sie die Entscheidung einen frauenpolitischen Supergau, der die Ungleichheit der Geschlechter zementiert: „Frauen werden mal wieder auf ihren Platz verwiesen. Ein eindeutiges Signal für lesbische Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit in der Stadt ist vertan.“

Der Schwulenberatung eröffnete 2012 das bundesweit erste (überwiegend) schwule Wohn- und Kulturprojekt, den Lebensort Vielfalt in der Niebuhrstraße, und vor kurzem den Lebensort Vielfalt am Ostkreuz. Um den stetig steigenden Bedarf zu decken, soll auf dem Grundstück am Südkreuz nun ein dritter Standort errichtet werden.

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