Performance

Dragqueen Olympia Bukkakis: „In Berlin ist alles ein bisschen schmutziger“

8. Jan. 2019
© Niklas van Schwarzdorn

Olympia, nächste Woche bist du mit „Gender Euphoria“ bei den diesjährigen „Tanztagen Berlin“ zu sehen. Wie kamst du darauf, ein Stück über alternative Trans*- und Dragidentitäten zu machen? In den letzten Jahren werden mehr und mehr transweibliche Stimmen in der breiten Gesellschaft präsent. Außerdem wird Drag immer bekannter durch die US-Show „RuPaul’s Dragrace“. Das gängige Bild ist dabei aber oft, dass eine Dragqueen ein Mann ist, der sich als Frau kleidet. In Bezug auf trans* Menschen gibt es die Wahrnehmung, dass dies ausschließlich Personen sind, die mit einem bestimmten Geschlecht geboren wurden und nun im anderen Geschlecht leben. So einfach ist das nicht. Ich bin sowohl trans als auch Dragqueen, aber nicht unbedingt im traditionellen Sinne. Ich bin nicht binär und interessiere mich eher für die Grenzen als für die klar definierten Kategorien. Um mich selbst besser zu verstehen, habe ich mit 14 Performer*innen, alle trans und nicht binär, Interviews gemacht.

Was wird uns bei „Gender Euphoria“ erwarten? Es ist eine Lecture Performance in der Form einer Drag-Kabarett-Show. Drei der Menschen, die ich interviewt habe, Oozing Gloop, Oly Stash und Cheryl, werden auch Gastperforman- ces machen. Es soll unterhaltsam und lustig werden. Ich finde nämlich, dass Humor wichtig ist, um das Publikum für dieses Thema zu interessieren. Man wird aber auch viel über die Lebensgeschichte und Gedanken aller Beteiligten erfahren. Dazu ein bisschen Theorie von Judith Butler und Jacques Lacan. Die Kulisse ist einer Baustelle nachempfunden, da „Drag als Baustelle für neue Geschlechtsrealitäten" der Untertitel der Performance ist.

Du organisierst auch die Closing Party ... Ja, die heißt „Get Fucked“. Das hat mehrere Bedeutungen. Es heißt, den Körper eines anderen aufzunehmen, es kann aber auch als Imperativ verstanden werden, sich zu verbessern oder sich von einer Situation zu entfernen. „Get Fucked“ ist eine queere Party mit Performances, die ich seit mehreren Jahren in Berlin organisiere. Früher jede Woche, nun unregelmäßig.

Wann hast du angefangen, Performances zu machen? 2009, als ich noch in Australien lebte, habe ich angefangen Kleidung von der Straße zu sammeln und damit zu arbeiten. Gemeinsam mit einem Freund habe ich die alternative Dragszene in Melbourne gestartet, weil ich die andere Szene langweilig fand. Mir war es zu trans*- und dragnormativ.

Wie findest du die Berliner Dragszene? In Berlin ist alles ein bisschen schmutziger und trashiger. Was in Berlin eher normaler Drag ist, wäre in vielen an- deren Städten schon alternativ. Glatze, keine Perücke oder komisches Make-up gehören hier beinahe zum Alltag.

Arbeitest du gerade noch an etwas anderem? Ich will „Get Fucked“ wieder regelmäßiger machen. Dafür suche ich noch nach einem Ort. Und ich plane auch einen Podcast mit Oozing Gloop auf SoundCloud. Es wird „Slurry“ heißen, das bedeutet auf Deutsch „Gülle“. Es wird um Politik, Alltag, Feiern, Kunst und Theorie gehen. Dabei soll es interessant und komisch sein. Wir werden außerdem das Soundprojekt „Collective Anxiety“ des Berliner Künstlers Vincent Reynaud präsentieren.

Interview: Milan Ziebula

Gender Euphoria, 18.–19.01., 20:30, Sophiensæle, Tanztage Berlin 2019

sophiensaele.com