Berlin

Fahrlässige Tötung? Prozess zum Brand in der Steamworks-Sauna beginnt

30. Aug. 2019
Niedergelegte Blumen nach dem Brand im Februar 2017 © Emmanuele Contini

Zum verheerenden Brand im schwulen Saunaclub Steamworks (ehemals Apollo-Sauna) begann am Freitagmorgen am Amtsgericht Tiergarten der Prozeß gegen vier Angeklagte. Bei dem Brand im Februar 2017 hatten drei Menschen den Tod gefunden, eine weitere Person wurde schwer verletzt.

Bei den Angeklagten handelt es sich um die beiden Geschäftsführer der Sauna, Fabian W. und Marcel M., Timo Z., den Betriebsleiter zur Zeit der Brandes, sowie Tareq Al T., der als Saunagast am Tag des Vorfalls anwesend war und der sich als mutmaßlicher Brandverursacher vor Gericht verantworten muss. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung.

Tareq Al T. soll am 05. Februar 2017 in einer der Kabinen seine Zigarette nicht ordnungsgemäß entsorgt haben, indem er sie in einen Kunststoffmülleimer mit Plastikmüllbeutel warf. Dadurch sei laut der Anklage das Feuer verursacht worden. Binnen weniger Minuten sei giftiges Rauchgas entstanden, das, da die Entlüftungsanlage nicht funktionsfähig gewesen sei, nicht abgeleitet werden konnte – außerdem seien die Notausgänge nicht genügend beleuchtet, Rettungswege teilweise verbaut und verstellt gewesen. Das verwinkelte untere Geschoss der Sauna wurde so zur Todesfalle. Drei Gäste konnte die bald darauf eintreffende Feuerwehr nur noch tot bergen, ein weiterer wurde schwer verletzt aus den Räumlichkeiten gerettet.

Den Angeklagten Fabian W. und Marcel M., als Geschäftsführer des Betriebes, wird vorgeworfen, bei der Übernahme vom Voreigentümer nicht dafür gesorgt zu haben, dass die Sauna in einen den Brandschutzvorschriften entsprechenden Zustand gebracht wurde. Timo Z., der den Betrieb ab 2015 leitete, soll keine ausreichende „Gewähr für die Sicherheit der Gäste“ übernommen haben: die Entrauchungsanlage habe er nicht auf ihre ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit  überprüfen lassen, außerdem habe er es versäumt, die Rettungswege freizuhalten.

Zu Beginn des Prozesses, der an vier Verhandlungstagen (letzter Tag: 27. September), stattfinden soll, wurde ein Eröffnungsstatement des ehemaligen Betriebsleiters Timo Z. verlesen. Er sprach darin den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus, sprach sich aber auch auch von einer Mitschuld an diesem Unglück frei. Im Folgenden kam es zu einer ersten Vernehmung des angeklagten Geschäftsführers Marcel M., vormals Inhaber des bekannten Wellness-Betriebes Centro Delfino. M. gab an, seit Jahren mit Depressionen, Angstzuständen und massiven Drogenproblemen zu kämpfen zu haben, weshalb er sich spätestens mit Ende 2015 aus den Aufgaben des Saunabetriebes zurückgezogen und „die Kontrolle über den Betrieb und sein Leben verloren“ habe. Die Prüfung und korrekte Umsetzung der Brandschutzvorschriften sei außerdem nicht in seinen Aufgabenbereich als Geschäftsführer gefallen, sondern in den seines Geschäftspartners Fabian W. Anschließend kam es zu weiteren ersten Zeugenaussagen. Der Prozess wird am sechsten September fortgesetzt.

jano