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Buck Angel, der „Mann mit Pussy“, erhält PorYes-Award

Buck Angel. Pornodarsteller, -produzent und Trans*aktivist, wurde dieses Jahr mit dem PorYes-Award ausgezeichnet. Seit zehn Jahren leistet Buck Aufklärungsarbeit. SIEGESSÄULE traf ihn zum Interview

PorYes-Preisträger Buck Angel (c) Promo

19.10. – Seit sechs Jahren wird der PorYes-Award (Feministischer Pornfilmpreis Europa) von der Sexpertin und Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Laura Méritt verliehen. Am letzten Samstag war es wieder so weit und zahlreiche Preisträger und ihre Fans fanden sich im Kino in den Hackeschen Höfen zur Award-Show ein.

Einer der Preisträger 2015 ist Buck Angel, unterwegs als Pornodarsteller, -produzent und Trans*aktivist. Er bezeichnet sich selbst als „Mann mit Pussy“ und leistet seit über zehn Jahren Aufklärungsarbeit, nicht nur durch Performances in Hardcorestreifen. SIEGESSÄULE traf ihn nach der Verleihung zum Interview.

Am Samstag wurde dir ein Poryes-Award verliehen. Was bedeutet dir das? Ich als Mann fühle mich geehrt. Es ist toll, dass man meine Arbeit als feministische Arbeit versteht. Für mich bedeutet Feminismus, dass man die Stärke der Frauen an sich versteht und wir aufhören müssen, Unterschiede zu machen und zu sagen Frauen, seien nicht das starke Geschlecht. Auch Männer können durchaus Feministen sein.

Momentan gibt es ja gerade in Amerika einen Hype, was Trans*frauen angeht. Schauspielerin Laverne Cox und auch Caitlyn Jenner bekommen eine unglaubliche Medienaufmerksamkeit. Doch Trans*männer tauchen kaum auf. Du machst schon seit über zehn Jahren Aufklärungsarbeit, wirst aber nicht in Talkshows eingeladen? Das liegt daran, dass ich Sexarbeit mache. Ich wurde vor einiger Zeit für eine Fernsehserie gecastet, die sich mit dem Thema trans* befasst. Ich will den Namen nicht nennen, aber mittlerweile hat sie in Amerika einige Golden Globes und Emmys gewonnen und ist sehr erfolgreich. Für diese Serie hatte ich schon meinen Drehplan. Einen Tag, bevor ich ans Set gehen sollte, bekam ich eine sehr knappe E-Mail vom Produzenten, dass ich nicht mehr gebraucht werde. Am nächsten Tag kam eine weitere Mail von der Regisseurin, in der sie sich entschuldigte, dass es nicht geklappt hat und dass sie meine Arbeit für die Trans*community sehr schätzt. Sie sagte es zwar nicht direkt, aber ich konnte zwischen den Zeilen lesen, dass sie einen Rückzieher gemacht haben, weil ich Sexarbeit mache.

Hast du dafür Verständnis? Ich mache seit Ewigkeiten Aufklärungsarbeit, und im Grunde wird mir jetzt meine Stimme in dieser wichtigen Konversation, bei der es um Menschenrechte geht,  genommen. Jetzt in dieser Mainstream-Bewegung will man mich nicht mehr hören. Das passiert mir sogar in meiner eigenen Community. Es liegt daran, dass das Thema trans* entsexualisiert werden soll, um mehr in den Mainstream zu passen. Ich finde das abstoßend. Denn meiner Meinung nach ist es gerade als Trans*mensch wichtig, die eigene Sexualität zu verstehen.

Im Internet konnte man lesen, dass du in den letzten Jahren auch privat vieles erlebt hast? Ja das stimmt. Ich habe mich von der Frau scheiden lassen, mit der ich elf Jahre verheiratet war.

Es war eine Schlammschlacht? Ich habe bisher noch nie in einem Interview darüber geredet, denn es berührt mich noch immer sehr. Bereits 1998 wurde mein Geschlecht anerkannt und auf allen wichtigen Dokumenten eingetragen. Dann habe ich Elayne Angel, meine jetzige Exfrau, eine recht bekannte Piercerin, kennengelernt und wir haben in Louisiana legal, als Mann und Frau geheiratet. Dann, elf Jahre später, hat sie von einem Tag auf den anderen entschieden, dass sie nicht mehr mit mir verheiratet sein will. Als ich auf einer Reise nach Oslo war hat, sie mein gesamtes Hab und Gut aus meinem Haus in Mexiko geräumt, mein ganzes Geld von den gemeinsamen Bankkonten abgeräumt und mir eine Mail geschrieben, in der stand: Komm niemals wieder nach Hause.

Wow, wie in einem schlechten Hollywood Film. Ich wollte nie über meine Scheidung reden, weil das für mich wirklich Privatsache ist und ich nicht wollte, dass das Ganze wie ein Zirkusspektakel ausgeschlachtet wird. Aber da sie und ich nun mal nicht gerade unbekannt sind, haben die Medien davon Wind bekommen. Als ich zurückkam, habe ich sofort die Scheidung eingereicht, weil das die einzige Mögllichkeit war, mein Geld und mein Haus zurückzubekommen. Doch es wurde noch schlimmer: Vor Gericht hat Elayne behauptet, die Ehe sei ungültig, weil ich eine Frau sei.

Hat sie dir je gesagt warum sie das gemacht hat? Bis heute nicht. Glücklicherweise hatte ich eine weibliche Richterin, die grünen Nagellack trug. Nachdem mir Elayne vor Gericht in die Augen sah und mir ins Gesicht sagte, dass ich kein Mann sei, erwiderte die Richterin, dass wir elf Jahre verheiratet waren und sie sich schämen soll für das,  was sie da abzieht. Der Fall wurde zu meinen Gunsten entschieden. Es war der erste Fall dieser Art in Amerika mit einer solchen positiven Entscheidung.

Nach solchen Geschichten frage ich mich, woher du die Energie nimmst, immer noch weiter zu machen mit deiner Aufklärungsarbeit. Vor meiner Transition war ich sehr schüchtern, habe mich gehasst und wollte sterben. Alles war Scheiße. Doch jetzt habe ich eine Stimme und kann Dinge verändern. Ich weiß, es klingt bescheuert. Doch ich habe das Gefühl, ich bin auserwählt. Die Leute hören mir zu.

Interview: Kaey

Buck Angel beim Pornfilmfestival:
„Sexing the Transman XXX, Vol. 4“ und "Technical Difficulties of Intimacy", in Anwesenheit von Buck Angel, 21.10., 22:00, Moviemento
„Technical Difficulties of Intimacy“ im Kurfilmprogramm „Funporn“, 22.10., 14:30 und 23.10., 16:45, Moviemento

 



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