Ammo Recla: „Ich möchte einer neuen Generation Platz machen“
Der langjährige Geschäftsführer von Abqueer, Ammo Recla, hat jetzt für viele überraschend seine Tätigkeit beim Verein beendet. Wir haben ihn nach den Gründen gefragt
Seit sechzehn Jahren engagiert sich Ammo Recla hauptamtlich für homo- und trans*politische Themen. Anfangs als Bildungsreferent beim Jugendnetzwerk Lambda, seit 2005 als Geschäftsführer des Vereins ABqueer, den er mitgegründet, aufgebaut und dort seitdem zahlreiche Projekte und Initiativen ins Leben gerufen hat. Für manche überraschend hat der 44-Jährige jetzt seine Tätigkeit als Geschäftsführer beendet, ein neues Team hat die Aufgaben übernommen. SIEGESSÄULE.de hat Ammo Recla an der Ostsee erreicht und mit ihm über die Gründe des Abschieds und mögliche Zukunftspläne gesprochen.
Ammo, warum hast du dich nach so langer Zeit dafür entschieden, ABqueer den Rücken zu kehren? Das haben mich natürlich sehr viele Leute gefragt, weil ich ja auch von Anfang an dabei war und seit über 20 Jahren zum Themenfeld Geschlecht und Sexualität arbeite. Genau das hat aber auch dazu geführt, dass ich irgendwann einfach dachte: Jetzt muss ich mal was Anderes machen. Gleichzeitig wollte der Verein Umstrukturierungen vornehmen, um zukunftsfähig zu bleiben. Unsere Projekte, also das Aufklärungsprojekt teach out und die Bildungsinitiative Queerformat wurden und werden deshalb neu aufgestellt, ebenso die Strukturen des Vereins. Für mich war dieser Prozess in gewisser Weise Anstoß, um über eine persönliche Veränderung nachzudenken. Irgendwann war klar: Ich möchte einer neuen Generation Platz machen und das Schiff übergeben.
Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst – welche Herausforderungen und Erfolge sind dir am meisten in Erinnerung geblieben? In sechzehn Jahren Hauptamt gab es natürlich schon einige Herausforderungen. Zuallererst natürlich der Aufbau von ABqueer. Der Verein ist ja aus dem Jugendnetzwerk Lambda hervorgegangen, das damals kurz vor der Insolvenz stand. Als es dann mit ABqueer losging, befanden auch wir uns zunächst in einer sehr unsicheren Situation. Wir mussten Strukturen neu aufbauen, neue Angebote entwickeln und alles ins Laufen bringen. Zum Glück geht es Lambda heute wieder gut und auch wir haben es über die Jahre geschafft, verschiedene Projekte auf die Beine zustellen. Darüber hinaus ist die Initiative des Berliner Abgeordnetenhauses „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ein wichtiger Meilenstein gewesen, an dem auch ABqueer mitwirken konnte. Ich glaube, wir konnten ABqueer etablieren und uns einen guten Ruf erarbeiten. Ich selbst habe in all der Zeit viel gelernt und durfte mit vielen tollen Leuten zusammen arbeiten. Ich war und bin immer wieder vom großen Engagement unsere Ehrenamtler_innen sehr beeindruckt und dem Herzblut, das sie in die Projekte oder die Vorstandsarbeit geben. Es waren sehr intensive Jahre, die ich nicht missen möchte und die mich sehr geprägt haben. Das nehme ich mit.
Wie geht es nach dieser intensiven Zeit für dich weiter? Wie es weitergeht, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht so richtig, ich bin also noch zu haben. Ich denke aber, dass ich dem Thema Menschenrechte treu bleiben werde und gucke mal, was da auf mich zukommt. Ich freu mich auf neue Herausforderungen und Themen. Ansonsten atme ich jetzt erst einmal durch und mach noch ein wenig Urlaub.
Interview: Daniel Segal
abqueer.de
ABqueer bieten Bildungsveranstaltungen und Beratungen zu Antidiskriminierung mit Schwerpunkt sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Vielfalt an. Für Schüler_innen, Lehrer_innen, pädagogische Fachkräfte und andere Interessierte.
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