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Kunst

Wo Liebe illegal ist: Fotograf Robin Hammond im Gespräch

Wir sprachen mit dem Fotografen Robin Hammond über seine Ausstellung „Where Love is Illegal", die Risiken seiner Arbeit und die Menschen, die er porträtiert hat

© Robin Hammond, aus: Where Love is Illegal

02.07.18 – Robin Hammond ist ein international ausgezeichneter Fotograf, der unter anderem für Amnesty International und National Geographic gearbeitet hat. In Berlin läuft noch bis Anfang September seine Ausstellung „Where Love is Illegal“, in der Porträts von LGBTIQs gezeigt werden, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden. SIEGESSÄULE sprach mit ihm über sein Projekt

Wie hast du die Menschen für deine Fotografien gefunden? Hatten sie keine Angst, dass sie sich durch die Fotos Gefahren aussetzen? In jedem Land, in dem ich war, gibt es entweder Einzelpersonen oder kleine Organisationen, die sich für die Rechte von LGBTIQs einsetzen. Mit diesen Organisationen habe ich zusammengearbeitet und das war auch sehr wichtig, weil diese Menschen einschätzen können, was sicher ist und was nicht. Bei meiner Arbeit gibt es natürlich immer das Risiko, dass ich etwas mache, das mich oder die Menschen, die ich fotografiere, in Gefahr bringt. Manche Menschen wollten vor lauter Angst nicht fotografiert werden. Andere wurden schon durch Medien geoutet, hatten nichts zu verlieren und betrachteten dies als eine Möglichkeit, zu beeinflussen, wie sie gesehen und gehört werden. Wenn du dich verstecken musst, ist die Kamera natürlich eine Bedrohung für deine Sicherheit. Für mich war es wichtig, ihnen klar zu machen, dass sie immer die volle Kontrolle haben. Ich arbeitete mit einer Polaroid-Kamera, so dass sie die Fotos sehen konnten, sobald diese aus der Kamera kamen. Ich gab sie ihnen dann und sie hatten das Recht, die Fotos dann entweder zu behalten, zu zerstören oder sie mir zurückzugeben.

Wie hat diese Arbeit deine Sicht auf deine eigene Freiheit verändert?
Die Menschen, die ich fotografiert habe, sind Menschen wie du und ich. Es war für mich schwierig zu verstehen, warum sie so unfassbar grausam behandelt werden. Sie haben ihre Familien verloren, wurden angegriffen, vergewaltigt oder landeten im Gefängnis. Das hat mir gezeigt, wie sehr wir unsere Freiheiten manchmal als eine Selbstverständlichkeit erachten.

Was war für dich der emotionalste Aspekt deiner Arbeit? Viele der Menschen, die ich traf, werden durch Diskriminierung in die Armut gezwungen. Sie haben nicht mehr den Rückhalt ihrer Familie, können keine Arbeit mehr finden und werden somit an den Rand der Gesellschaft gedrängt. In Südafrika habe ich einen jungen Mann fotografiert, der ein paar Monate danach starb. Er bat uns, sein Gesicht und seinen Namen nicht zu veröffentlichen und ihn einfach nur “B” zu nennen. B war einer dieser Menschen am Rande der Gesellschaft. Er konnte seine Miete nicht mehr zahlen und musste jeden Tag aufs Neue sehen, wie er es zum Ende des Tages schaffte. Monate nachdem ich ihn fotografiert hatte, rief mich eine trans* Freundin an und erzählte mir, dass B krank wurde und starb, weil niemand ihm half. Und sie bat mich, seine Geschichte zu erzählen, denn es gebe sonst nichts, das an ihn erinnern würde. Es sind diese stillen, vergessenen Konsequenzen von Homophobie und Transphobie. Ich bin mir sicher, B wäre heute noch am Leben, wenn seine Familie und die Gesellschaft ihn so akzeptiert hätten, wie er war. Das einzige, was jetzt von ihm übrig ist, ist ein Foto, auf dem er sein Gesicht hinter seinen Händen versteckt.

Wie erging es lesbischen Frauen, die du trafst? In Russland traf ich ein lesbisches Paar. Ich war die erste Person, der sie von ihrer Geschichte erzählten. Sie lebten relativ zurückgezogen und ruhig, bis sie irgendwann brutal zusammengeschlagen wurden, weil sie auf öffentlicher Straße Hände hielten. Sie erzählten mir, dass der Angriff schlimm war, aber das Schlimmste sei die Angst gewesen, einander zu verlieren. Für eine Weile danach trauten sie sich auch nicht mehr, öffentlich Hände zu halten. Irgendwann kam dann aber der Moment, als sie sich wieder dazu entschlossen. Dies wurde ein unglaublich Kraft spendender Moment für die beiden. Es war die bewusste Entscheidung dafür, jedes Mal, wenn sie sich an der Hand nahmen, ihre Liebe füreinander zu bestätigen. Es wurde für sie ein öffentliches Zeichen der Liebe und der Kraft.


Interview: Jeff Mannes


Robin Hammond: "Where Love is Illegal"
f³ freiraum für fotografie
Waldemarstraße 17
10179 Berlin

zu sehen noch bis zum 2. September 2018
Mi – So, 13:00 – 19:00

Der Fotograf Robin Hammond © Mads Norgaard



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