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Jubiläum

Schwule Lehrer: Verstecken kommt nicht in Frage

Am 7. März feiert die AG Schwule Lehrer ihr 40-jähriges Bestehen: Seit den 70ern kämpft sie für Aufklärung und schwule Sichtbarkeit an Bildungseinrichtungen – und wird noch immer gebraucht

Foto: Zur Gründungszeit der AG wurden schwule Lehrer häufig noch als Triebtäter diffamiert. Viele von ihnen konnten ihre schwule Identität nicht preisgeben. Das Jubiläumslogo möchte das deutlich machen

05.03.19 – Noch in den 70ern bewirkte das Berufsverbot für homosexuelle Lehrer, dass ein Outing zu einer Entlassung führte. Die Abschaffung des Verbots ist der AG Schwule Lehrer zu verdanken, die 1979 in Gesprächen mit der Senatsbildungsverwaltung die Aufhebung des Berufsverbotes erreichte.

Die AG entstand ursprünglich, um einem schwulen Kollegen zu helfen, erzählt Mitbegründer Detlef Mücke (75): „1973 demonstrierten wir als studentische Pädagogengruppe der Homosexuellen Aktion Westberlin erfolgreich gegen die Entlassung des Kollegen. 1978 schlossen wir uns mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin zusammen und gründeten die AG Homosexuelle Lehrer.“

Ab da leistete sie in Tradition des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld Aufklärung im Bildungssystem und wirkte so der durch Paragraf 175 verbreiteten Darstellung vom homosexuellen Lehrer als „Triebtäter“ entgegen. Auch Veränderungsvorschläge in den Unterrichtsrahmenplänen trugen Früchte: Im Laufe der Jahre wurde das Thema sexuelle Vielfalt nicht nur in Biologie, sondern auch in den Lehrplan anderer Fächer aufgenommen.

Detlef unterrichtete selbst jahrzehntelang in der Sekundarstufe I an einer Neuköllner „Brennpunktschule“. Zu seinen Schüler*innen zählte unter anderem auch Christiane F. aus „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

„Ein Outing bedeutete damals ein großes Risiko, und es war auch an meiner Schule ein Kampf“, erzählt er. „Um authentisch sein zu können, kam Verstecken für mich aber nicht infrage.“ Nach dem Outing vor seiner Klasse und den Eltern sorgte er für Transparenz, indem er Schüler*innen in seine schwule WG einlud und ihnen bei Kaffee und Kuchen ihre Fragen beantwortete. Die Resonanz war überwiegend positiv. „Gerade in der Pubertät haben Jugendliche viele Fragen. Um sexuelle Aufklärung zu leisten, war es mir wichtig, ins Gespräch zu kommen.“

Dass ein Outing heute noch immer eine schwere Entscheidung ist, weiß Alexander Lotz, der seit 2008 Mitglied in der AG Schwule Lehrer ist: „Ich kenne Fälle, in denen Lehrer*innen nach ihrem Outing gegen Beleidigungen durch Schüler*innen mit Strafanzeigen vorgehen mussten und keinen Rückhalt von Schulaufsicht und Schulleitung erhielten. Lesbische Lehrerinnen erfahren als Frauen oft eine doppelte Diskriminierung.“ Für mehr Sichtbarkeit an Bildungseinrichtungen müsse die Schulbehörde aktiv vielfaltsorientierte Lernmaterialien einfordern. Auch die Senatsverwaltung zögere oft bei der Veröffentlichung neuen Unterrichtsmaterials. „Unsere Arbeit als AG ist also noch lange nicht getan.“

Beim Festakt am 7. März im Festsaal des Charlottenburger Rathauses wird auf 40 Jahre bewegte Geschichte zurückgeblickt. Neben Dr. Martin Lücke, Betreiber des Projekts Queer History, der den Festvortrag halten wird, stehen unter anderem die Rosa Cavaliere auf der Bühne.

Elliot Zehms

40 Jahre AG Schwule Lehrer in der GEW Berlin,
07.03., 19:00, Festsaal im Rathaus Charlottenburg.
Nur mit Einladung.



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