Steffen Stolzenberger: "Aufstand gegen die Natur und gegen die Wirklichkeit" - Homosexuellenhass in der AfD und die Irrtümer ihrer identitätspolitischen Kritiker

  • 31. Okt. 2026, 19:30
  • Bajszel
Bild: Presse

Vortrag und Diskussion

Im Vortrag wird das Verhältnis der „Alternative für Deutschland“ zur
Homosexualität analysiert, das mit den üblichen Vorwürfen, es handele
sich um eine homophobe und minderheitenfeindliche Partei, nicht
hinreichend erfasst ist. Die sich wiederholenden, explizit
homosexuellenfeindlichen Ausfälle von AfD-Funktionären und deren
ausbleibende Aufarbeitung dürfen als kontraproduktiv für die Erfolge
einer neu-rechten Partei gelten, die sich der gesellschaftlich breit
akzeptierten Forderung nach Gleichstellung von sogenannten Minderheiten
nicht vollständig entziehen kann und sich deshalb nicht selten als
besonders homofreundlich geriert. Dabei wird allerdings die Besonderheit
sexueller Minderheiten ins Feld geführt, um zugleich deren Emanzipation
in die Subkultur zu verbannen und ihre ‚Übererfüllung‘ in rechtlicher
Gleichstellung und gesellschaftlicher Akzeptanz zu verhindern.
Vor diesem Hintergrund wird auch zu diskutieren sein, inwieweit sich
Identitätspolitik als untauglich für die adäquate Kritik der Neuen
Rechten erweist. Das sexuelle Begehren ist immer auch Ausdruck des
Nicht-Identischen der genießenden und leidenden Menschen und muss so
jeder identitätspolitischen Gemeinschaftsstiftung, gleich ob von links
und von rechts, als Störfaktor erscheinen. Deshalb gerät auch im queeren
Aktivismus letztlich der promiske und untreue, kosmopolitische und
heimatlose, ungebundene und verantwortungslose, privilegierte und
arrivierte Homosexuelle zum Feindbild, nämlich als Verkörperung einer
dekadenten westlichen Lebensweise.
Am Ende stellen Neue Rechte und queere Aktivisten bei allen
gegensätzlichen politischen Forderungen dieser Lebensweise das Kollektiv
entgegen, dem sich die Homosexuellen als Homosexuelle zu unterwerfen
haben.

Steffen Stolzenberger studierte Philosophie und Anglistik und war an den
Universitäten in Braunschweig und Frankfurt tätig. Die letzten vier
Jahre arbeitete er als Gymnasiallehrer in Frankfurt und zwischendurch
war er in einem Unterstützungsprojekt für LGBT-Geflüchtete in Hannover
aktiv. Jetzt macht er von allem eine Pause, um mal wieder schreiben zu
können.

#Politik#Queer#Vortrag


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