30 Jahre Gender Studies an der Technischen Universität: Geschlecht denken
Das Zentrum für Frauen und Geschlechterforschung (ZIFG) wird 30 und veranstaltet aus diesem Anlass eine Spendengala im HAU, zur Unterstützung des geplanten queerfeministischen Archivzentrums in Neukölln. SIEGESSÄULE sprach mit Direktor*in Sabine_ Hark
Wie werden wir die, die wir sind, und wie werden Geschlechter verwirklicht? Diesen Fragen widmet sich das Zentrum für Frauen und Geschlechterforschung bereits seit Mitte der 1990er-Jahre. In diesem Wintersemester feiert das ZIFG sein 30-jähriges Bestehen und lädt am 13. Februar zur Jubiläumsfeier ins HAU.
Das ZIFG wurde 1995 von Karin Hausen gegründet, die eigentlich Professor*in für Wirtschafts- und Sozialgeschichte war, aber erfolgreich ihre Professur zur Interdisziplinären Frauen- und Geschlechterforschung umbenannte. „Das war eine revolutionäre Tat, da es in Deutschland bis heute nicht viele Professuren gibt, die sich nur der Geschlechterforschung widmen“, erklärt Sabine_ Hark, wissenschaftliche*r Direktor*in und Professor*in des Zentrums. Das ZIFG erhielt damals für eineinhalb Jahre den Zusatz „in Gründung“, und es sollte weitere drei Jahre dauern, bis es sich dauerhaft an der Technischen Universität verstetigte.
Geschlechterforschung für die gesamte Universität
Zwar bietet das ZIFG keinen eigenen Studiengang an, beschäftigt aber diverse Forschungsstellen und ist innerhalb der Fachbereiche der Technischen Universität Berlin verankert. „Unser Lehrauftrag ist es, Geschlechterforschung für die gesamte Universität anzubieten. Wir entwickeln Angebote, die sich gezielt in die Natur-, Technik- und Planungswissenschaften integrieren“, so Hark.
Sabine_ Hark übernahm 2009 die Professur an der TU und lenkte die Ausrichtung des ZIFG mehr in die Richtung der feministischen und queeren Theoriebildung. Forschungserrungenschaften des ZIFG werden anlässlich des Jubiläums mit einer öffentlichen Ringvorlesung gewürdigt. Unter dem Titel „Geschlecht denken: Kritische Ontologie der Gegenwart“ stellen Mitarbeitende und Personen, die am ZIFG promoviert haben, ihre Forschungen vor. Die Themen reichen von den Feminist Sex Wars bis hin zu Homosexualität innerhalb der extremen Rechten und der Frage nach dem Umgang mit Diversität und Diskriminierung an Hochschulen.
Anliegen des ZIFG sei es, nicht nur innerhalb wissenschaftlicher Kreise zu agieren, sondern auch mit der Politik, Zivilgesellschaft und Kunstszene in Berlin zusammenzuarbeiten. So hat Sabine_ Hark das eigene Buch „Gemeinschaft der Ungewählten“ für die Jubiläumsfeier in eine Bühnenfassung umgeschrieben. Die Performance sei kein klassisches Theaterstück, verfolge eine eigene Dramaturgie mit Musik, die eigens von der Bassistin Lisa Hoppe für den Abend komponiert wurde.
„Wie könnte ein demokratisches Zusammenleben aussehen, wenn wir uns alle nicht als Auserwählte, sondern als Ungewählte verstehen, die letztlich zusammengehören?“
Hark beschäftigte sich in der Forschung viel mit dem Aufstieg des Rechtspopulismus, sowie mit Anti-Gender- und AntifeminismusRhetoriken und -Angriffen. „Irgendwann hatte ich das starke Bedürfnis, mich nicht nur mit den Feinden zu beschäftigen, sondern auch mit der Frage, wie es stattdessen aussehen könnte.“ Inspiriert von den Theorien und Ansätzen der jüdischen, deutsch-amerikanischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt, stellt Hark in dem Stück die Frage: „Wie könnte ein demokratisches Zusammenleben aussehen, wenn wir uns alle nicht als Auserwählte, sondern als Ungewählte verstehen, die letztlich zusammengehören?“
Das Besondere an der Jubiläumsfeier sei die Ausrichtung als Spendengala. Das gesammelte Geld soll an die drei ältesten und bedeutsamen Archive Berlins gespendet werden: das feministische Archiv FFBIZ, die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft und das Spinnboden Lesbenarchiv, die ein gemeinsames Archivzentrum in Neukölln errichten wollen: „Wir haben den Impuls, auch in die Gesellschaft hineinzuwirken – wir wollen konkret die Archive unterstützen, die unsere Forschung ermöglichen.“
Festakt 30 Jahre ZIFG
13.02., 18:00
HAU1
hebbel-am-ufer.de
tu.berlin/zifg
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