Film im Homo-Denkmal

Wer ist Jim Lyngvild? Ein Porträt des Rechtspopulisten

11. Jan. 2017
Screenshot der Facebook-Seite von Jim Lyngvild

In den letzten beiden Tagen erhielten wir viele Anfragen mit der Bitte zu erklären, wer genau Jim Lyngvild ist, dessentwegen der Film im Homo-Denkmal ausgetauscht wurde. Wir haben für euch die wichtigsten Infos zusammengestellt

Das Video im Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das den dänischen Nationalisten Jim Lyngvild beim Küssen zeigte, wurde auf Empfehlung des LSVD und der für das Denkmal verantwortlichen Künstler Elmgreen & Dragset ausgetauscht. Und auch, wenn es nun darum gehen sollte, konstruktiv in die Zukunft des Denkmals zu schauen und den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, die Mittel für einen neuen Film bereitzustellen, erreichen uns doch noch viele Fragen zur Person Jim Lyngvild. Da die meisten Informationen im Internet auf Dänisch sind, ist es schwer, sich ein Bild von diesem Mann zu machen. Wir haben die wichtigsten Infos und einige Zitate zusammengestellt.

Lyngvild wurde 1978 in der Nähe von Kopenhagen geboren. Er ist studierter Designer, Fotograf, Fashion-Kommentator für eine Boulevardzeitung und Buchautor. Außerdem war er in diversen dänischen Reality-TV-Shows zu sehen. Er lebt mit seinem Mann in seiner selbstentworfenen „Wikingerfestung“ Ravnsborg auf der Insel Fyn. Lyngvild bezeichnet sich selbst als Heiden. 2016 eröffnete er einen neuheidnischen Tempel in der Nähe seines Hauses, eingeweiht von Pia Kjærsgaard, der Gründerin und früheren Chefin der rechtspopulistischen Partei Dansk Folkeparti, einer engen Freundin von Lyngvild.

2013 wurde er als Host der Aftershow des Kopenhagen-Pride ausgeladen, nachdem er in einem Interview mit der Boulevardzeitung B.T. gesagt hatte: „Nur kleine Schwuchteln heulen, wenn sie sich tätowieren lassen.“ und in einem Video für die gleiche Zeitung äußerte er 2015 außerdem folgendes: „Ich mag auch keine Homosexuellen. Ich mag es nicht, wenn sie sagen: ,Schaut mich an, ich bin homosexuell, ihr müsst mich respektieren.‘“ (www.bt.dk/danmark/boesser-svarer-igen-paa-jim-lyngvilds-opsang-mod-homoseksuelle-df-hadere) Zu diesem Zeitpunkt hostete er die Show bereits seit vier Jahren. Zur gleichen Zeit wurde er außerdem als Juror der Veranstaltung Mr. Gay Dänemark gefeuert. Im Vorfeld seines Ausschlusses vom Kopenhagen-Pride hatte Sabaah, ein dänischer Verband von LGBTIs mit Migrationshintergrund, angekündigt, nicht an den Pride-Feierlichkeiten teilzunehmen, solange Lyngvild an Bord sei: „Wir denken nicht, dass sein Statement über Schwuchteln und Tattoos an sich so wahnsinnig kontrovers ist. Im Licht seiner anderen Statements, die uns vorher nicht bekannt waren, sieht das allerdings anders aus. Wir hätten an keinem Pride teilnehmen können, der einen Host einlädt, der rassistische, homophobe und xenophobe Äußerungen von sich gibt“, erkläre Fahad Saeed, der Sprecher von Sabaah nach Lyngvilds Ausschluss.

Ungefähr zu gleichen Zeit äußerte sich Mads Ted Drud Jensen, ein Soziologe und Referent für Minderheitenrechte und Gleichstellung, gegenüber der Zeitung Dagbladet Information über Lyngvild folgendermaßen: „Er ist hervorragend darin, negative Stereotype über andere zu reproduzieren. Das reicht von Osteuropäern über Immigranten, Muslime, Frauen, Arbeitslose und so weiter. Es ist interessant, dass die öffentliche Kritik an ihm allerdings erst anfing, als er von ,Schwuchteln‘ zu reden begann.“

Lyngvild hatte in der Boulevardzeitung B.T. die frühere Premierministerin Helle Thorning-Schmidt als „aufgedonnerten Besenstiel mit Titten, eine aufblasbare Puppe mit einer halbleeren Duracell im Hintern“ bezeichnet oder US-Präsident Obama nach seiner Wiederwahl auf Facebook als „knuspriges Schokoladenstück mit Puderzucker obendrauf“. In einem Facebook-Video spricht er sich dafür aus, die dänischen Grenzen für alle zu schließen, außer für Menschen, deren beruflichen Fähigkeiten direkt benötigt werden. Die Motivation von Refugees zur Flucht erklärt er folgendermaßen: „Du schaust dir in sozialen Medien all die Dinge an, die du haben willst, aber im Moment nicht haben kannst. Und wenn es mal einen Konflikt gibt, ist es dann viel leichter, einfach zu sagen: ,Schau dir die Leute da drüben in Europa an, die haben es so viel besser! Da will ich auch hin.‘“

Auf Anfrage von SIEGESSÄULE gab Thomas Rasmussen, Pressesprecher des Copenhagen Pride, folgendes Statement zu Jim Lyngvild ab: „Kopenhagen Pride hat seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr zu Jim Lyngvild und wir sind der Ansicht, dass seine oft radikalen Ansichten über LGBTs und Immigranten bzw. Refugees sich nicht vereinbaren lassen mit dem Kopenhagen Pride, für den Inklusion, Respekt und Toleranz Kernwerte sind.“

Für Berlin und das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gilt dies seit dem Austausch des Denkmal-Films gestern zum Glück auch.

Jan Noll / Nikolaj Tange Lange

Film im Homo-Denkmal zeigt dänischen Nationalisten Interview mit Elmgreen und Dragset