Szene

Gute Nachrichten für den „Quälgeist“

1. Okt. 2019
Die neuen Räume im Quälgeist

Nach fast einem Jahr Zwangspause, unter anderem wegen nicht erfüllter Auflagen der Ämter, könnte die queere BDSM-Location Quälgeist nun bald wieder ihre Pforten öffnen

Fast 30 Jahre lang war der Quälgeist ein wichtiger Teil der Berliner queeren Szene. Der ehrenamtlich betriebene Raum bot ein Zuhause für viele sexpositive Parties und queere Fetisch- und BDSM-Events. 

Seit fast einem Jahr sind nun aber schon die Türen dicht. Grund: noch ausstehende Genehmigungen der Ämter nach dem Umzug an eine neue Location. Lange war unklar, ob es überhaupt weiter geht (SIEGESSÄULE berichtete).

Nun könnte, wenn alles gut läuft, noch in diesem, oder mit Beginn nächsten Jahres wiedereröffnet werden. Wir baten Alex vom Quälgeist Berlin e. V. um ein Update

Alex, wie wir gehört haben, sieht es gerade wieder besser aus für den Quälgeist? Ja. Nachdem wir nun grundsätzlich die Zusage haben, am jetzigen Standort in Mariendorf bleiben zu dürfen, müssen noch weitere Arbeiten in den neuen Räumen durchgeführt werden, um baurechtlichen Anforderungen zu genügen. Ebenso steht noch das amtliche OK zu unserem bereits eingereichten, umfassenden Brandschutzkonzept aus. Beides hoffen wir, in den nächsten Wochen zu einem erfolgreichen Ende bringen zu können.

Ihr habt jetzt auch einen Spendenaufruf gestartet. Wofür ist das Geld? Die weiteren Baumaßnahmen und die teuren, durch Fachingenieur*innen angefertigen Konzepte können wir nicht mehr alleine durch die Beiträge unserer Mitglieder finanzieren – und unsere Rücklagen sind nach fast einem Jahr Schließung aufgebraucht. Deshalb brauchen wir jetzt die Unterstützung unserer Gäste und Freund*innen des Vereins. Ganz konkret geht es um Holzbauarbeiten an der Raucherlounge, den Ausbau eines massiven Stahlträgers, den Einbau weiterer geforderter Toiletten usw. 

Wie habt ihr in der Zeit eurer Schließung den Support durch die Community erlebt? Über das ganze letzte Jahr hindurch wurden wir immer wieder angesprochen und uns wurde gesagt, dass die Community uns vermisst. Das tat gut. Auch am Folsom Europe–Straßenfest Anfang September kamen viele Menschen zu uns an den Stand, um uns Mut zu machen. Überlebenswichtig für Locations wie unsere ist es aber natürlich, dass deren Angebote genutzt und die Veranstaltungen besucht werden – damit am Ende genug Einnahmen hereinkommen, um die laufenden Kosten zu decken. Deshalb ist unser größter Wunsch an die Szene: Kommt zu unseren Events, wenn wir wieder geöffnet haben, und erzählt es weiter, wenn ihr bei uns Spaß hattet! 

Haben es ehrenamtlich betriebene Räume wie der Quälgeist in Berlin schwerer? Das würden wir nicht sagen, denn kommerzielle Locations müssen Personal bezahlen – was bei uns ja entfällt – und die haben dadurch nochmal mehr Kostendruck. Andererseits fehlt Räumen wie unserem natürlich bei manchen Dingen die professionelle Herangehensweise, weil wir in der Regel nur auf das Know-How und die Ressourcen unserer Mitglieder zurückgreifen können. Mal eben einen Kredit aufnehmen, zum Beispiel um die neuen Räume umbauen zu lassen, geht bei uns eben nicht.

Anfang des Jahres 2018 musstet ihr umziehen, weil euer Mietvertrag am Mehringdamm nicht verlängert wurde. An eurer neuen Location in Mariendorf hattet ihr nun unter anderem Probleme mit dem Stadtentwicklungsamt und mit den Bauvorschriften. Mit solchen Hürden haben auch andere queere Räume in Berlin zu kämpfen (z. B. das Böse Buben, SIEGESSÄULE berichtete). Letztes Jahr hieß es, dass betroffene Locations sich besser vernetzen wollen. Was ist in die Richtung passiert? Wir haben an zwei Gesprächsrunden teilgenommen, die im Zuge der aktuellen Schwierigkeiten stattgefunden haben. Zum einen gab es ein Treffen von Berliner Clubbetreibenden, organisiert von der „Initiative gegen das Clubsterben“. Auf dem wurden Erfahrungen ausgetauscht und über mögliche Strategien beraten. Zum anderen hat ein „Runder Tisch” des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg stattgefunden, unter Beteiligung maßgeblicher Personen aus Politik und Verwaltung. Das Bezirksamt hat den Clubbetreibenden aus dem queerem Kiez Kooperations- und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Insbesondere auch, um nach dem Brand in der Sauna Steamworks in 2017 gemeinsam darauf zu achten, dass alle Räume für die Gäste sicher sind und allen Vorschriften entsprechen. Dieser „Runde Tisch“ soll künftig jährlich stattfinden.

Interview: fs

quaelgeist.sm

Link zum Spendenaufruf