Corona-Maßnahmen

Ab Mittwoch: Tanzverbot in Berliner Clubs

3. Dez. 2021 as
Bild: Guido Woller
SchwuZ

Der Berliner Senat hat am Freitag strengere Corona-Maßnahmen beschlossen. Clubs dürfen vorerst geöffnet bleiben, allerdings wird das Tanzen dort ab Mittwoch untersagt. Die Clubcommission kritisiert die Maßnahme scharf

Bei der Bund-Länder-Konferenz am Donnerstag waren härtere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen worden. Der Berliner Senat gab heute auf einer Pressekonferenz bekannt, wie diese in Berlin umgesetzt werden sollen.

Im Fokus stehen dabei Kontaktbeschränkungen für nicht geimpfte Menschen und niedrigere Obergrenzen für Großveranstaltungen. Auch wenn Clubs und Diskotheken offiziell nicht geschlossen werden, darf ab Mittwoch dort nicht mehr getanzt werden. Vom Bund war beschlossen worden, Clubs bei hohen Inzidenzwerten über 350 zu schließen – in Berlin lag sie am Freitag bei rund 360. Um diese Schließung der Clubs durchzusetzen sei aber laut Senatskanzleichef Christian Gaebler eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes nötig. Der Bund will deswegen nächste Woche die Gesetze anpassen. Dann werde man auch in Berlin erneut beraten. Das Tanzverbot sei aber jetzt schon möglich.

Kapitulation vor der Pandemie

Das komme für Clubs, die kein Alternativprogramm anbieten können, im Prinzip einer Schließung gleich, sagte Lutz Leichsenring von der Clubcommission, Verband der Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter e. V., gegenüber SIEGESSÄULE.

Leichsenring kritisierte, dass dem Senat nach 20 Monaten Pandemie nichts besseres einfalle als ein Tanzverbot auszusprechen: „Und das in einer Stadt, in der Clubkultur solch einen hohen Stellenwert einnimmt. Nur Reaktionismus. Keine Vision, keine Ideen wie man gesellschaftliches Leben während einer Pandemie ermöglichen kann.“ Auch bezweifelt die Clubcommission, dass ein Tanzverbot in Clubs mit 2G und Tests wirklich ein sinnvoller Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie sei. Denn anders als in Partykellern oder Privatwohnungen, wo sich ein Tanzverbot überhaupt nicht durchsetzen lasse, findet es in Clubs unter kontrollierten Bedingungen statt.

Besonders enttäuschend für Leichsenring: Bereits im September hatte die Clubcommission dafür plädiert, die besonders zuverlässigen PCR-Tests ins Konzept der Cluböffnungen einzubinden. Sie verweist dabei auf das erfolgreiche Pilotprojekt „Clubculture Reboot“, an dem 2100 Menschen teilnahmen. Das Ergebnis habe gezeigt, dass „auch bei hohen Inzidenzen sichere Veranstaltungen in Innenräumen möglich sind.“ Bisher habe aber der politische Wille für eine Umsetzung dieses Modells gefehlt.

Nun müsse das Programm, welches bei vielen Clubs bereits für Monate gebucht und aufs Tanzen ausgerichtet war, wieder abgesagt oder verlegt werden. Allerdings könne keiner unter den aktuellen Bedingungen abschätzen, welche finanziellen Folgen das haben wird. Gegenüber SIEGESSÄULE gab die Clubcommission zu verstehen, dass man alles daran setzen werde, die Clubs durch diese schwere Zeit zu bringen, auch wenn dies ein „Ritt auf der Rasierklinge“ sei.

SchwuZ bereits seit Donnerstag geschlossen

Das SchwuZ schloss bereits am Donnerstag wieder seine Türen. „Wir leisten damit erneut unseren Beitrag zur hoffentlich baldigen Beendigung dieser Pandemie als Club- und Kulturort“, hatten die Geschäftsführer Florian Winkler-Ohm und Marcel Weber gestern in einer Pressemitteilung mitgeteilt. Erst vor einem Monat hatte der queere Club nach 19 Monaten Corona-Pause für Besucher*innen öffnen können. Die Beschäftigten würden nun wieder in Kurzarbeit gehen. Auch für Minijobler*innen soll eine Lösung gefunden werden. Ziel sei es, alle Beschäftigungsverhältnisse zu erhalten. Ob dies aber möglich sein werde, hänge vor allem von der Länge des erneuten Lockdowns ab.

Die Clubcommission hatte bereits betont, dass Clubs keine Pandemietreiber seien, auch das SchwuZ wehrt sich gegen die Behauptung, in Clubs käme es besonders häufig zu Übertragungen: „Vielmehr haben Orte wie das SchwuZ besonders darauf geachtet, dass sich Menschen in die Luca- oder Corona-Warn-App auch wirklich einloggen.“ Der Umgang mit den Anforderungen der Politik sei sehr sorgsam gewesen.

Weitere Corona-Maßnahmen

Nach den neuen vom Senat beschlossenen Corona-Regeln dürfen Bars und Kneipen vorerst offen bleiben, aber es soll neue Abstandsregeln geben und weniger Tische. Ab kommenden Mittwoch dürfen an Veranstaltungen draußen maximal noch 5.000 Personen teilnehmen. In Innenräumen sind nur noch 2500 Teilnehmer*innen erlaubt.

Stark reguliert werden private Treffen mit Ungeimpften: Sofern nicht geimpfte oder nicht genesene Personen teilnehmen, bleiben diese zukünftig auf den eigenen Haushalt sowie höchstens zwei Personen eines weiteren Haushalts beschränkt. Im Nahverkehr gilt die Maskenpflicht zukünftig auch auf den Bahnsteigen. Einige der in der Bund-Länder-Konferenz beschlossenen Regeln wie 2G im Einzelhandel waren in Berlin bereits durchgesetzt worden.

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