Polen

Aufruf zum Bierboykott: Brauerei unterstützt LGBTI*-feindliche Politik

12. Aug. 2020 Amanda Beser
Bild: Ivan Kuleshov

Polnische Queeraktivist*innen rufen zum Boykott bestimmter Biermarken wie Tyskie auf. Grund: die dahinterstehende Brauerei Kompania Piwowarska sponserte eine Gala der rechtsnationalen Zeitung Gazeta Polska, die wiederum Aufkleber mit der Aufschrift „LGBT-freie Zone“ verteilt hat. Möbel Olfe und Südblock unterstützen den Boykott

Die existenzbedrohende Lage von LGBTI* in Polen – u. a. wurden am vergangenen Wochenende in Warschau fast 50 Menschen festgenommen wurden, die für die Freilassung einer LGBTI*-Aktivistin demonstrierten (SIEGESSÄULE berichtete) und um die 100 Städte und Kommunen als „LGBT-Ideologie-freie Zonen“ gelabelt – verlangt solidarische Maßnahmen! Deswegen sollte der von polnischen Queeraktivist*innen wie Krzysztof Tyczynski initiierte Bierboykott gegen die Brauerei Kompania Piwowarska in Deutschland nicht einfach achselzuckend hingenommen werden. Tyczynski hatte auf seiner Facebook-Seite darüber informiert, dass die Brauerei ein Event der rechtsnationalistischen Wochenzeitung Gazeta Polska sponserte.

Zum Hintergrund: Die polnische Brauerei Kompania Piwowarska, die zum Mutterkonzern Asahi Breweries Europe Group gehört, trat im Februar 2020 als Sponsor des Gala-Events „Mann des Jahres“ auf, welches Gazeta Polska veranstaltete. Die polnische Zeitung zählt zu einem der wichtigsten Supporter der erzkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Bereits das dritte Mal in Folge wurde bei der Gala Jarosław Kaczynski, Vorsitzender der Regierungspartei PiS, zur Person des Jahres gekürt. Er befürwortet u. a. den Verbot von CSDs in Polen. Gazeta Polska zeichnete außerdem verantwortlich für die Verbreitung von Aufklebern mit der Aufschrift „LGBT-freie Zone“, mit denen die ohnehin schon feindliche Stimmung gegen polnische Queers weiter befeuert wurde.

Konzern reagiert ausweichend

Asahi reagierte, u. a. auf Druck von solidarischen Queeraktivist*innen der Berliner Instutionen Südblock und Möbel Olfe, im Februar auf die Vorwürfe. Der Konzern bemühte sich, die Gemüter mit Gutscheinen für Freigetränke zu besänftigen. „Aber so geht Community-Politik nicht!“, äußert sich Richard Stein vom Südblock. Er forderte Asahi auf, queere Projekte in Gebieten zu untersützen, die sich selbst zu „LGBT-Ideologie-freien Zonen“ erklärt haben. Doch ging es daraufhin nur mit einem ziemlich vagen, offiziellen Statement seitens Asahi im Juni weiter. Darin hieß es: „Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind und unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung die gleichen Rechte haben – Vielfalt und die freie Entfaltung aller sind seit jeher ein fundamentaler Bestandteil der Unternehmenskultur von Asahi.“ Richard Stein vom Südblock ist da eher skeptisch: „Der Konzern bezeichnet sich als weltoffen, schaut aber nicht, ob seine Tochterfirma in Polen durch Sponsoring eine homophobe Politik unterstützt.“

Erst nachdem es massive Kritik hagelte, wurde eine Entschuldigung von Asahi publiziert: „Wir entschuldigen uns aufrichtig, wenn diese Verbindung als Unterstützung der Anti-LGBT-Bewegung in Polen empfunden wurde. Dies war nicht unsere Intention!“ Doch im Juli reagierte Asahi auf die erneuten Forderungen, polnische LGBTI*-Projekte zu unterstützen, wieder ausweichend.

Möbel Olfe und Südblock haben die Biermarke Tyskie von der Kompania Piwowarska mittlerweile aus ihrem Sortiment entfernt. Ändert sich an der Reaktion des Mutterkonzern nichts, fliegt auch die Marke Pilsner Urquell von Asahi raus. Weitere bekannte Biermarken des Brauereikonzerns sind Lech, Zubr und Dreher.

„In Polen menschenfeindliche Hetze – auch indirekt – zu unterstützen und in Deutschland in queeren Bars Bier zu verkaufen ist schäbig.“

Das schwache Lippenbekenntnis kommentiert Jerzy M. Szczesny, Referent für Antidiskriminierungs- und Gesellschaftspolitik der grünen Bundestagsfraktion, treffend: „Wer Aktivitäten eines Magazins unterstützt, das Aufkleber für ,LGBT-freie Zonen‘ verteilt, ist ein homo- und transfeindlicher Mittäter. In Polen menschenfeindliche Hetze – auch indirekt – zu unterstützen und in Deutschland in queeren Bars Bier zu verkaufen ist schäbig. Die in Polen initiierte Boykottaktion ist extrem wichtig. Auch wir in Berlin sollten Produkte dieser Brauerei meiden. Das gebietet die so oft beschworene Solidarität mit der polnischen LGBTI*-Community.“

Aktion: Community Rally in solidarity with Polish Queers (Sister Protest with SPR in Toruń)
13.08.2020, 18:00, Polnisches Institut Berlin

Aktion: Identität ist keine Ideologie! Queere Solidarität mit Polen!
15.08.2020, 13:00, Polnische Botschaft in Berlin

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