Der Teufel trägt Prada 2: Sehnsuchtsort Runway
Für viele LGBTIQ* ist der Film „Der Teufel trägt Prada“ Kult, weil er ihnen vorführt, wie sie selbst gern einer oft queerfeindlichen Welt mit Style und Selbstbewusstsein begegnen würden. Jetzt kommt am 30. April die Fortsetzung ins Kino. Dragqueen Doris Belmont kann es kaum erwarten
Es war im Oktober 2006, als mit Miranda Priestly, der zentralen Figur des Films „Der Teufel trägt Prada“, ein Stück Kinogeschichte geschrieben wurde. Meryl Streep erschuf aus der literarischen Vorlage ihres Charakters eine Erscheinung, die man heute nur noch als legendär bezeichnen kann.
Miranda, im Film Chefredakteurin des einflussreichen High-Fashion-Magazins Runway, ist stylish, machtbewusst und egozentrisch. Vor allem aber beherrscht sie mit degradierender Gleichgültigkeit jeden Raum, den sie betritt. Sie wird niemals laut, behält stets die Kontrolle, und gerade deshalb wirkt ihre Autorität absolut. Wer von ihr ins Visier genommen wird, möchte am liebsten im Boden versinken, und wer von ihr nicht öffentlich zerlegt wird, versteht das bereits als Akt der Gnade. Auf der Leinwand ist diese Mischung aus entrückter Autorität und Exzentrik zweifelsohne faszinierend.
Diese Mischung aus entrückter Autorität und Exzentrik ist zweifelsohne faszinierend.
Dass die Figur beim queeren Publikum Kultstatus erlangte, liegt vermutlich auch an einer Sehnsucht, die sie verkörpert. Viele queere Biografien beginnen eben nicht mit Macht, sondern mit der Erkenntnis, anders zu sein, Blicke auszuhalten und sich erklären zu müssen. Miranda hingegen ist das Gegenbild zu dieser Erfahrung. In ihrer Welt gilt nur eine Meinung: ihre eigene. Sie bittet nicht um Zustimmung, sie setzt sie voraus. Den Wunsch, mit dieser Souveränität auszusprechen, was andere nur vorsichtig andeuten, und jede Gegenrede mit einem knappen „Das war’s“ zu beenden, werden viele von uns teilen.
Dass die Geschichte mehr zu bieten hat als eine tyrannische Chefin, liegt an ihrer eigentlichen Protagonistin Andrea Sachs, Mirandas zweite Assistentin. Sie beginnt als Gegenstück zu ihrer Chefin: eine Außenseiterin, die die Codes der Modewelt nicht versteht und eigentlich Journalistin werden will. Doch als Andy die Regeln dieser Welt durchschaut und ihr spektakuläres Makeover erhält, entfernt sie sich zunehmend von Freund*innen und Beziehung, übertrifft sogar die modische und bissige Kollegin Emily und bewegt sich bald mit erstaunlicher Sicherheit durch ein System, das sie anfangs noch belächelt hat.
So wie Miranda die Sehnsucht nach Souveränität verkörpert, steht Andrea für das Bedürfnis nach Anpassung und Anerkennung.
So wie Miranda die Sehnsucht nach Souveränität verkörpert, steht Andrea für das Bedürfnis nach Anpassung und Anerkennung, das Spiel zu verstehen und zu beherrschen. Als Miranda ihr eröffnet, viel von sich selbst in ihr wiederzuerkennen, macht sie klar, dass jede Entscheidung bei Runway Andreas eigene gewesen ist und „Menschen, die dieses Leben wollen, solche Entscheidungen treffen müssen“. Andreas Schutzschild, lediglich die Wünsche ihrer Chefin erfüllt zu haben, zerbricht in diesem Moment. Sie passt sich nicht nur an, sie brillierte in diesem System.
Auch 20 Jahre später bleibt der Film aktuell in seinen Fragen nach Macht, toxischen Arbeitswelten und dem Preis eigener Sehnsüchte. Gerade deshalb wirkt die Nachricht einer Fortsetzung zugleich verlockend und rätselhaft. Welche Geschichte sich nach einem Ende, das bereits alles gesagt zu haben scheint, noch erzählen lässt, bleibt der Trailer schuldig. Das Wiedersehen mit Runway ist für queere Fans des Originals trotzdem ein Muss, schließlich steht der Original-Cast wieder vor der Kamera ... Das war’s.
„Der Teufel trägt Prada 2“
Kinostart: 30. April
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