Historie

Geschichte der Regenbogenfahne

7. Juli 2021 Amanda Beser
Bild: canva

Die berühmte bunte Pride-Flagge hat ihre eigene Geschichte. Das Design wurde im Lauf der Jahre immer wieder abgewandelt und weiterentwickelt – ein Spiegel des sich wandelnden Selbstverständnisses queerer Communities weltweit. Wir stellen einige der einflussreichsten Variationen vor

Die originale Regenbogenfahne

Die bis heute bekannteste Version der Regenbogenfahne mit den klassischen sechs Farben geht auf einen Entwurf von Gilbert Baker zurück. Er entwickelte die „Rainbow Flag“ 1978 in San Francisco für den Gay Freedom Day. Ihre Farben sollten laut Baker für verschiedene positive Dinge stehen: Rot für Leben, Orange für Gesundheit, Gelb für Sonnenlicht, Grün für Natur, Königsblau für Harmonie, Violett für Geist. Im ursprünglichen Entwurf Bakers waren noch die Farben Pink für Sexualität und Türkis für Kunst enthalten. Diese Farbstreifen konnten aber aufgrund damaliger Produktionsbedingungen nicht in der Massenproduktion verwendet werden. Den Auftrag für das originale Design hatte der Politiker Harvey Milk (Demokratische Partei) gegeben, der als erster geouteter schwuler Mann in den USA ein öffentliches Amt bekleidete. Von Anfang an sollte die Regenbogenfahne ein positives Symbol mit Strahlkraft sein und queere Communities repräsentieren.

Bild: Gilbert Baker
Ursprüngliches Design von Gilbert Baker, 1978

Sechs Farben erobern die Welt

Zum weltweit eingeführten Symbol für queere Sichtbarkeit wurde die Pride-Flagge peu à peu. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Protest- und Trauermarsch zu Ehren Harvey Milks im Jahr 1979, bei dem die bunte Fahne das Bild des Zuges prägte. Milk war ein Jahr zuvor von einem Lokalpolitiker erschossen worden. Jubiläumsfeierlichkeiten zum Stonewall-Aufstand von 1969 und die in Großstädten weltweit gefeierten CSD-Paraden trugen außerdem zur globalen Verbreitung der Pride-Flagge bei. In Berlin wurden die ersten Regenbogenfahnen an öffentlichen Gebäuden ab 1996 gehisst, 2015 kam die bunte Fahne in die Kollektion des Museum of Modern Art in New York.

Bild: canva
Die weltweit bekannte, „klassische“ Version

Schwarze und braune Streifen

Baker hatte sich von Anfang an bewusst gegen den Schutz des Musters als Symbol entschieden, damit die Flagge der gesamten LGBTIQ*-Gemeinschaft zur Verfügung stehen und weiter entwickelt werden konnte. In den 80er-Jahren entstand durch das Hinzufügen eines schwarzen Streifens am unteren Ende die „Victory Over AIDS Flag“ (deutsch: Sieg über Aids-Fahne), mit der den Opfern von AIDS gedacht werden sollte.

Bild: Victory Over AIDS flag

2017 kam dann die sogenannte Philly-Flagge, auch bekannt als „Philly Progressive Pride Flag“ aus Philadelphia. Der schwarze und braune Streifen ganz am Anfang dieses Designs repräsentiert queere Schwarze und PoC-Communities und zeigt Solidarität mit ihnen. Entworfen wurde die Philly-Flagge von Philadelphias Büro für LGBT-Angelegenheiten in Kooperation mit der Design-Agentur Tierney.

Bild: Sally B.
Die Philly-Flagge

Pfeile für Fortschritt

Ein Jahr später kreierte Daniel Quasar, US-amerikanische*r, nicht-binäre*r Grafikdesigner*in, die „Progress Pride Flag“ mit fünf weiteren Streifen. Diese sind als Dreiecke angeordnet, deren Spitzen wie Pfeile von der linken zur rechten Fahnenseite streben – laut Quasar ein Symbol für Fortschritt, wie er im Interview mit SIEGESSÄULE betonte: „Immer mehr Menschen aus der queeren Community sowie in der Gesamtgesellschaft suchen nach inklusiven, progressiven Lösungen.“ Dieses Anliegen wollte Quasar mit der von ihm kreierten Flagge würdigen. Zu den schwarzen und braunen Streifen der Philly-Flag addierte er die Farben der Transfahne, Hellblau, Hellpink und Weiß.

Bild: Bojan Cvetanović CC BY-SA 4.0 Quelle
Die „Progress Pride Flag“ von Daniel Quasar, hier: 2019 auf dem Europride in Wien

Noch mehr Farben?

Die Tradition, die Pride-Flagge immer wieder neu zu denken, wurde dieses Jahr vom Intersex-Aktivisten Valentino Vecchietti fortgesetzt. Die „Intersex Inclusive Pride Flag“ entstand in Zusammenarbeit mit Intersex Equality Rights UK und soll intersexuelle Menschen sichtbarer machen. Dafür nahm Vecchietti das Design von Quasar und erweiterte es um die gelbe Intersex-Fahne mit dem lila Kreis in der Mitte. Diese ist übrigens selbst ein relativ neuer Zuwachs im großen und vielfältigen Regenbogen-Fahnenmeer: sie wurde 2013 von Morgan Carpenter (Intersex Human Rights Australia) entworfen.

Bild: Instagram/Intersex Equality Rights UK

Die SIEGESSÄULE Redaktion in eigener Sache zur Corona-Lage:

Corona nervt, Corona mutiert, Corona ist nicht so einfach kleinzukriegen. Hoffnung macht der wachsende Impffortschritt und sinkende Inzidenzen, aber weiterhin müssen wir, – wie die ganze queere Szene – , durchhalten. Es wird aber ein Leben nach Corona geben!

Bis es soweit ist, freuen wir uns über jede Spende, die uns durch diese schwierige Zeit bringt.

Spenden könnt ihr ganz einfach per Paypal oder direkt auf unser Konto Special Media SDL GmbH, Betreff „Support SIEGESSÄULE”,
IBAN DE22 1005 0000 0190 0947 29 – Herzlichen Dank!

JETZT MIT PAYPAL SPENDEN!

#LGBTIQ*-Geschichte#Regenbogenflagge