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„Drag Race Germany“-Gewinnerin im Interview

Pandora Nox: „110 Prozent lesbisch“

8. Jan. 2024 Kaey Kiel
Bild: Stefan Koković

Ende November wurde die Siegerin von „Drag Race Germany“ gekrönt: Pandora Nox gewann die erste Staffel der deutschen Reality-Wettbewerbsshow, die zu den Ablegern des US-amerikanischen Originals „RuPaul‘s Drag Race“ gehört. Kaey sprach mit der Performerin aus Österreich über ihren Sieg, die politische Situation in ihrem Land und die Drag-Szene in Wien

Pandora, du wurdest als die erste AFAB-Queen gefeiert, die je eine „Drag Race“-Staffel gewonnen hat. Wie fühlt es sich an, wenn man Geschichte schreibt? Auf der einen Seite fühlt es sich großartig an und auf der anderen Seite ist es für mich noch immer sehr surreal. Ist das jetzt wirklich passiert? Man glaubt es irgendwie noch gar nicht! Es müssen einen immer andere Leute daran erinnern.

AFAB-Queen steht für „assigned female at birth“. Wie definierst du dich denn selbst? Ich definiere mich als cis Frau und zu 110 Prozent als lesbisch!

In der Show „Drag Race Germany“ hast du erzählt, dass du als cis Frau in der Drag-Community nie wirklich Probleme hattest. Woran liegt das? Es liegt definitiv an meinem eigenen Mindset. Ich habe immer gemacht, was ich wollte, und nie wirklich darüber nachgedacht, ob es etwas Besonderes oder Kontroverses ist, dass ich als Dragqueen auftrete. Ich habe, sozusagen, meine Vagina nie groß zum Thema gemacht, und durch dieses Mindset war es für die anderen auch nie ein Problem.

„Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, ob es etwas Besonderes oder Kontroverses ist, dass ich als Dragqueen auftrete.“

Wie war es in der lesbischen Community? Da gibt es zwei unterschiedliche Seiten. Einmal die öffentliche Seite. Ich performe seit ca. 10 Jahren auf lesbischen Events in Wien, und ich bin immer bewusst als Dragqueen gebucht worden, um aufzutreten oder als DJ aufzulegen. Vor allem die Veranstalter*innen haben es immer gefeiert, dass jemand aus der lesbischen Community in Drag unterwegs ist. Die andere Seite ist natürlich das Privatleben. In Beziehungen war es nicht immer so einfach. Obwohl ich glaube, dass das nicht nur für die lesbische Community gilt. Ich glaube, Dating ist für die meisten Dragperformer*innen nicht immer einfach. Für viele Menschen ist es nicht so leicht, eine Partnerin zu haben, die performt, in der Öffentlichkeit unterwegs ist und gern im Mittelpunkt steht. Umso glücklicher bin ich in meiner jetzigen Partnerschaft. Ich bin verlobt mit Liam ChoClit, einem Drag King. Wir haben beide die gleiche Leidenschaft und das passt natürlich super zusammen.

Bild: Stefan Koković

Bei „RuPaul‘s Drag Race“ und den dazugehörigen Ablegern gab es, neben schwulen Männern, bereits nicht binäre Kandidat*innen, trans* Frauen und trans* Männer. Aber noch keinen Dragking. Würdest du dir ein TV-Format wünschen, in dem Dragkings mehr in den Fokus gerückt werden? Auf jeden Fall. Es gibt die TV-Serie „Boulet Brothers‘ Dragula“ – eine Competition, bei der es um Drag-Art aus dem Underground geht. Da hat sogar schon ein Dragking gewonnen. Und auch mein Sieg zeigt, dass wir uns in eine sehr gute Richtung bewegen. Es werden immer mehr unterschiedliche Arten von Drag in solche Formate inkludiert. Denn alle Formen von Drag sind valide. Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass da noch viel mehr Dragkings involviert werden sollten.

„Alle Formen von Drag sind valide. Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass da noch viel mehr Dragkings involviert werden sollten.“

Auch in Wien gab es Proteste gegen eine Lesung für Kinder mit Dragqueens. Generell entsteht der Eindruck, wenn man sich die politische Lage in Österreich anschaut, dass es einen deutlichen Rechtsruck gibt. Wie schätzt du die Situation ein? Als ich vor ca. 10 Jahren mit Drag angefangen habe, gab es in Wien vielleicht ein queeres Event im Monat und gefühlt zwei Dragqueens. Das hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und ist zu einem Boom geworden. Es gibt jetzt wöchentlich mehrere Dragshows mit vielen talentierten Newcomer*innen, und man kann sich aussuchen, wo man hingeht. Ich glaube, wenn die Community größer wird und mehr Aufmerksamkeit bekommt, wird der Gegenwind auch mehr. Das eine hängt mit dem anderen zusammen. Vielleicht liegt es auch an der österreichischen Mentalität. Nach dem Motto: Was man nicht kennt, das mag man nicht.

Du hast also keine Angst, dass die Stimmung gegen Queers schlimmer wird? Immerhin stehen im nächsten Jahr in Österreich die Wahlen an. Ich habe schon das Gefühl, dass unsere Community so stark ist, dass wir uns vom Gegenwind nicht beeinflussen lassen. Um so mehr Präsenz wir zeigen und umso größer unsere Community wird, um so mehr wird sich diese Gegenstimmung wieder einpegeln und sich die Situation verbessern. Unser Widerstand bleibt groß genug. Allerdings habe ich aber auch das Gefühl, dass viele ihr Wahlrecht nicht nutzen und nicht wählen gehen. Deshalb ist mein Appell and alle: Geht wählen und wählt das Richtige! Damit wir Schlimmeres vermeiden. Ich hoffe auf die Vernunft der Leute.

„Reisen in Kombination mit Drag und Drag-Communitys auf der ganzen Welt kennenzulernen stehen ganz oben auf meiner Wunschliste.“

Zum Abschluss wollen wir natürlich wissen, was wir von Pandora Nox erwarten können. Was machst du als Nächstes? Erst einmal Urlaub! Grundsätzlich bin ich offen für alles und nehme, was kommt. Klar wäre eine Tour ins Ausland cool. Amerika oder Asien. Reisen in Kombination mit Drag und Drag-Communitys auf der ganzen Welt kennenzulernen stehen ganz oben auf meiner Wunschliste. Und am liebsten natürlich mit meinem Schatzi zusammen. Wir arbeiten nämlich tatsächlich gerade an einem gemeinsamen Projekt. Aber worum es geht, verraten wir noch nicht.

Mehr Infos: pandoranox.com

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