„Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“

Harald Glööckler, Ikone der Übertreibung

17. Jan. 2022 Patsy l’Amour laLove
Bild: RTL
Harald Glööckler

Trash-TV-Expertin Patsy l’Amour laLove fiebert schon sehnsüchtig dem Start des neuen Dschungelcamps entgegen. Am Freitag, den 21.01., ziehen für die 15. Staffel der RTL-Reality-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ zwölf „Prominente“ in die südafrikanische Location. Aus der Community sind diesmal Manuel Flickinger (Prince Charming) und Modedesigner Harald Glööckler mit dabei. Patsy hat vorab ein leidenschaftliches Plädoyer für die Botox-Queen verfasst

Harald Glööckler geistert seit den 90ern als Modestar durch die internationale Medienlandschaft. Er braucht gar nicht erst zu erwähnen, dass er selbstverständlich schwul ist. Sein Auftreten schreit den gehemmt-empörten Normalos entgegen, dass ihre schrille Verachtung des Schönheitswahns derart moralisch aufgeladen ist, dass sie am Ende auf sie selbst zurückfällt. Im Angesicht von Ikonen der Übertreibung, wie Glööckler eine ist, entlarven sie sich allzu oft als biedere Glücksverächter*innen. Wir haben derweil großes Glück: Harald zieht ins Dschungelcamp!

Endlich: nach einer eher gewöhnungsbedürftigen Ausweichrunde mit der großen „Dschungelshow“ im vergangenen Jahr startet am 21. Januar das Original zum fünfzehnten Mal. Nun, fast, da bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ diesmal die hochkarätige deutsche Prominenz nicht in Australien, sondern im südafrikanischen „Dschungel“ ausgestellt wird.

Der Begründer der Damenbekleidungsmarke Pompöös hatte letztes Jahr in der Dschungelshow mit einer Art schwarzen Haar-Palme auf dem Kopf seine Teilnahme verkündet. Er erzählte, dass er seit 2010 jedes Jahr angefragt worden sei, ob er nicht an der Show teilnehmen wolle – seitens der englischen und der deutschen Ausgabe selbstredend. Was ihn nun zu der Zusage bewog? Als die Anfrage kam, habe er gelangweilt in seinem mit antiken Figürchen und Säulchen geschmückten Lustwandelgarten in Kirchheim an der Weinstraße gesessen, Eichhörnchen beobachtet und schließlich befunden: „du brauchst mal PR!“

Einfach zu schön geschminkt!

Sein Auftritt im High-Glitter-Anzug trifft auf seine schwäbische Schnotterschnauze, die für so etwas wie verlogene Umständlichkeiten schlicht und ergreifend zu schön geschminkt wurde. Es geht nicht vorrangig um irgendwelche größeren Lebensaufgaben oder darum, total viel Neues durch eine Reise in den artifiziellen Reality-Dschungel zu erleben. Nein, Harald Glööckler braucht etwas zu tun, und das bitteschön werbewirksam.

Mit seiner Direktheit mag er manche überkommene Anstandsregel brüskieren, und da trifft sich Glööckler mit der Welt der Travestie, die er mehr als nur um Haaresbreite streift. Was Glööcklers Personality-Show auf Instagram und in den hochtoupierten Promi-News-Formaten anfechtet, sind die moralischen Bewertungen, die mit dem Stempel „übertrieben“ und „fake“ einhergehen. Die Frage, die Glööckler aufwirft, lautet, was genau wir aus welchen Gründen für übertrieben erachten... und was daran schlimm sein soll. Ich wüsste nicht, mit welchem Recht man es etwa verurteilen sollte, dass jemand schön sein will.

Dass das Ergebnis vielen grotesk anmutet und das Auftreten oberflächlich, könnte zur Abwechslung auch gerne mal (wieder) als Begrenzung des eigenen Horizonts verstanden werden. Da sich Glööckler um solcherlei Schönheitsverächter*innen wenig schert, fallen seine Vorbereitungen für das Dschungelcamp entsprechend pompöös aus: Kakerlaken essen? Durch stinkenden Schlamm waten? Fehlanzeige. Stattdessen: Permanent Make-up ein- und Achselnässe wegschweißen lassen! Man möchte schließlich in der südafrikanschen Hitze nur noch dort schwitzen, wo man es nicht sieht, so der Modeschöpfer. Dafür sucht er eigens seinen Mannheimer Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie Dr. Henning Ryssel auf: „Du weißt, nicht zu tief, damit ich noch ein bissl Mimik hab.“

Bi-neugierige Wendung im Dschungel?

Filip Pavlović, der sich als Gewinner der letztjährigen Dschungelshow ein Ticket nach Südafrika sicherte, kündigte bereits an, flirtbereit in den Dschungel zu gehen. Wird es zu einer bi-neugierigen Wendung kommen? Mit Glööckler und Prince-Charming-Star Manuel Flickinger fliegen schließlich gleich zwei Schwestern nach Südafrika.

Flickinger brilliert auch als Lafayette Diamond mit flirrendem Flügelkostüm durch die Lande. Womöglich, oder auch sehr wahrscheinlich. wird der Wunsch nach mehr homosexueller Leidenschaft bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ 2022 wieder nicht erfüllt. Dafür müssen – und das werden sie! – Harald Glööckler und Lafayette Diamond unsere sogenannte Community würdig vertreten und die notwendige schwule Ziegigkeit ebenso wie den schillernd-pompöösen Glamour mit in die 15. Ausgabe des Dschungelcamps tragen. Wir können uns sicher sein, viele Heten kippen jetzt schon hinten über vor Botoxangst – umso übertriebener feiern wir die Ikonen, die die Grenzen des angeblich guten Geschmacks mit vollen Lippen überschreiten.

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! “,
Freitag, 21.01., 21:30, RTL

Bild: Doris Belmont
Patsy l’Amour laLove

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