Demos und Events rund um den Feministischen Kampftag am 8. März
Rund um den 8. März stehen in Berlin erneut queerfeministische Demonstrationen, Kulturformate und Partys auf dem Programm. Hier findet ihr einen Überblick. Besonders in diesem Jahr: Am 9. März findet der erste „Frauen*generalstreik“ der Initiative „ENOUGH! GENUG! BASTA!“ statt
Demonstrationen
Am Weltfrauentag kämpfen Feminist*innen für die Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung für FLINTA*. Demonstrationen und kulturpolitische Veranstaltungen laden in Berlin zum Mitmachen ein. Zur Einstimmung geht es bereits am 7. März los, mit einer feministischen Vorabenddemo, die um 14.30 Uhr am Martha-Ndumbe-Platz im Wedding beginnt.
Am 8. März starten ab Mittag diverse Demos durch Berlin. So ruft auch 2026 ein breites feministisches Netzwerk zur Großdemo auf. Unter dem Motto „Feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“ richtet sich der Protest gegen Sozialabbau, Gewalt und Antifeminismus, insbesondere durch die AfD, und fordert sexuelle und körperliche Selbstbestimmung. Im Fokus stehen zudem Spaltung, Hass und die weltpolitische Lage. Im Aufruf heißt es: „Statt Milliardeninvestitionen in Waffen und Militär brauchen wir den Ausbau sozialer Infrastruktur weltweit.“ Los geht's ab 11.30 Uhr am Oranienplatz.
Um 12 Uhr erobern sich FLINTA* bei der queerfeministischen Fahrraddemo „Purple Ride“ den öffentlichen Raum zurück. Die Aktivist*innen fordern eine gerechte Mobilitätspolitik weg von der „autozentrierten Infrastruktur“, denn: „Eine gerechte Verkehrswende braucht eine ganzheitliche, feministische Perspektive“, so der Aufruf. „Sexistische Anfeindungen und unzureichende Infrastruktur zeigen, wie dringend Schutz, Sichtbarkeit und Sicherheit notwendig sind.“ Los geht's am Mariannenplatz.
Unter dem Titel „Feminism Unlimited“ rufen Aktivist*innen um 13 Uhr zur Demo mit Startpunkt an der Schönhauser Allee/Gleimstraße auf. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das Thema Armut und die Frage, wie eng patriarchale und kapitalistische Strukturen miteinander verwoben sind. „Wir sind überzeugt, dass nur ein antifaschistischer, antikapitalistischer und universeller Feminismus emanzipatorische Kämpfe zusammenführen und solidarische Antworten auf Armut, Hass und Ausgrenzung bieten kann“, so der Aufruf.
Ab 15 Uhr startet am Kottbusser Tor der Demo-Zug der Alliance of Internationalist Feminists Berlin. Das internationalistische Bündnis betont die Verbindung von Selbstbestimmung und kollektiver Befreiung – von Palästina über Rojava bis nach Westafrika und Lateinamerika. Gefordert wird eine revolutionäre Selbstermächtigung „von unten“ gegen Imperialismus, Kapitalismus, Kolonialismus und patriarchale Gewalt.
Kultur und Party
Neben Demos ist Berlin auch reich an feministischem Kulturprogramm: Zum Beispiel am Vorabend des Frauentages, am 7. März, gibt es um 18.30 Uhr eine Lesung zum „Frauen*kampftag am Deutschen Theater“. Zuerst läuft der Film „Ein Tag ohne Frauen“ (2024) von Pamela Hogan über den historischen Frauenstreik 1975 in Island. Im Anschluss liest Schauspielerin Almut Zilcher Texte der Autorin Nino Haratischwili. Julischka Eichel und Abak Safaei-Rad hosten in der Bar eine Live-Ausgabe ihres Podcasts „Kantinengespräche“. Schließlich wird mit DJ FRZNTE in den Frauentag getanzt.
Ausgiebig gefeiert wird auch im SO36 mit der jährlichen Party „Feminism on the Dancefloor“ am 7. März: DJs Monique, Daphne Jeht Steil, Marsmaedchen u.a. heizen ab 19:00 dem FLINTA*-Publikum mit einem bunten Genre-Mix ein. Geboten sind außerdem eine Show – und Raum für Austausch und Empowerment.
Beim „Jenseits von Nelken und Pralinen-Festival“ haben Gäste ebenfalls Gelegenheit, sich im Club Gretchen am Vorabend auf den Feministischen Kampftag einzustimmen. Um 20 Uhr treten die Hip-Hop-Künstler*innen Fraw Blanka, Gani und Huda auf.
Wer lieber klassische Chormusik hören will, kommt bei den Classical Lesbians auf seine*ihre Kosten: Gemeinsam mit dem Frauenblasorchester Berlin präsentiert die Musikgruppe am 8. März zum 30. Geburtstag ein Jubiläumschorkonzert um 17.30 Uhr in der Emmauskirche – mit Party im Anschluss.
Eine kämpferische Partynacht verspricht auch Künstlerin Mahide Lein mit der „Festlichen Frauenversammlung mit Fete #5“ im Forum Factory. „Auf Musikfestivals sind weltweit nur 30 Prozent Frauen vertreten, im Reggae-Genre sind es noch weniger“, erklärt die Veranstalterin. Dass es anders geht zeigt das breitgefächerte weiblich besetzte Line-up mit Musik, Performance und Poesie. Bei den Live-Auftritten ab 18 Uhr und der Party ab 22 Uhr sind unter anderem Beatriz Ferreira mit Reggae & Soul aus Brasilien, Rapperin Lotus und Carmel Zoum mit ihrer Diaspora Dance Music dabei.
Apropos Diaspora: Um den interkulturellen und interreligiösen Dialog zu fördern, öffnen ab Nachmittag Berliner Moscheen und muslimische Vereine ihre Türen zur „Berlinweiten Fraueniftar am Internationalen Frauentag“.
Feministisches Museumsprogramm
Die Qual der Wahl, was das kulturelle Angebot angeht, haben FLINTA* auch in der Museumslandschaft: So veranstaltet das Museum für Kommunikation Berlin um 11.30 Uhr und 14 Uhr die Sonderführung „HERstory. Frauen in der Kommunikationsgeschichte“. Unter anderem wird dabei der Frage nachgegangen, „welche Mechanismen dazu führten, dass Frauen in der Technik-, Medien- und Kommunikationsgeschichte lange unsichtbar blieben“.
Auch die Staatlichen Museen bieten ein Frauentagsprogramm. Öffentliche Führungen um 10.30 Uhr, 11.45 Uhr, 13.30 Uhr, 15.30 Uhr gibt es zum Beispiel unter dem Motto „Und doch muss ich weiter – Künstlerinnen in der Alten Nationalgalerie“.
„Frauen in der Archäologie“ stehen im Neuen Museum um 11 Uhr, 12.30 Uhr und 14 Uhr im Fokus. Und „Feministisch betrachtet“ heißt es im Hamburger Bahnhof um 12 Uhr und 13 Uhr. Zu „Heldinnen und Göttinnen im Alten Museum“ kann man sich um 15 Uhr informieren.
Wer den kulturellen Abend mit einem Blick ins Weltall abschließen will geht ins Zeiss-Großplanetarium: Um 20.15 Uhr geht es dort um „Hidden Stars: Wie Frauen die Sterne entdeckten“.
Horrorfilmfestival Final Girls Berlin
Als besonderes Highlight lohnt es sich, bei Final Girls Berlin (04.–08.03.) vorbeizuschauen. Es ist ein gängiger Irrtum, dass Horrorfilme primär ein cis-männliches Publikum ansprechen. Tatsächlich gehören FLINTA* zu den größten Fans des Genres. Das Filmfestival feiert deshalb Gruselkino aus feministischer Perspektive und bietet „Horror abseits der bekannten Erzählpfade“.
Ab heute bringt die 11. Ausgabe des Festivals neue Juwelen des Genres auf die Leinwand, die von FLINTA* (mit)gedreht wurden. Passenderweise feiert das Festival am 8. März seinen Abschluss im City Kino Wedding.
In der diesjährigen Auslese gibt es wie gewöhnlich eine gute Portion queerer Filme. Etwa „Queen of the Dead“ (Foto), in dem eine Gruppe feiernder Dragqueens und Queers (darunter die lesbische Schauspielerin Katy O‘Brian) von einer Zombie-Apokalypse gestört werden. Es ist das Regiedebüt von Tina Romero, der Tochter des kultigen Regisseurs George Romero („Die Nacht der lebenden Toten“).
Ebenfalls spannend: In „Mother of Flies“ sucht eine schwerkranke junge Frau (Zelda Adams, auch Mitregisseurin) die Hilfe einer Hexe. Die Heilung wird sie teuer zu stehen kommen. „If I Had Legs I‘d Kick You“ von Mary Bronstein ist das rohe Porträt einer Mutter (Rose Byrne) am Rande des Nervenzusammenbruchs. Zum Programm gehören außerdem diverse Kurzfilmscreenings und Workshops.
Frauengeneralstreik am 9. März
Aber wichtig ist auch, sich noch Atem für den 9. März zu bewahren, denn dann steht der „Frauen*generalstreik“ der Initiative „ENOUGH! GENUG! BASTA!“ an – laut Orga der erste Frauengeneralstreik in dieser Form in Berlin. Dazu erklärt Pressesprecherin Rita Schuhmacher: „Es reicht aus unserer Sicht nicht mehr, ‚nur‘ zu demonstrieren. Wir rufen dazu auf, am 9. März die Arbeit niederzulegen – in der Form und für die Zeit, die jeweils möglich ist, ob im Betrieb, im Care-Bereich oder im Alltag. Entscheidend ist, sich dem normalen Ablauf zu entziehen.“
Der globale Frauengeneralstreik soll laut Adrienne Goehler, der Initiatorin von ENOUGH! GENUG! BASTA!, ein „kollektiver Einschnitt in den gesellschaftlichen Normalbetrieb und ein deutliches Signal gegen jede Form von Ausgrenzung“ sein: „Frauenrechte sind Menschenrechte und sind untrennbar verbunden mit den Rechten von queeren, trans*, nichtbinären und inter* Personen.“
„Frauenrechte sind Menschenrechte und sind untrennbar verbunden mit den Rechten von queeren, trans*, nichtbinären und inter* Personen.“
Ausgangspunkt für den globalen Frauengeneralstreik wird eine große Versammlung vor dem Brandenburger Tor sein, ab ca. 12 Uhr. „Dort kommen ganztägig Menschen zusammen, um den Streik sichtbar zu machen – mit Sit-ins, Liegen, Tanzen, Rufen, Performances und Picknick“, sagt Schuhmacher.
Parallel dazu sollen weitere dezentrale Orte und Bewegungen in der Stadt entstehen, unter anderem am Potsdamer Platz und rund um den Mariannenplatz: „Ein künstlerischer Schwerpunkt ist von 10 bis 12 Uhr die Aktion im Gemeinschaftsatelier, Am Flutgraben 3, wo gemeinsam Papierblumen gefertigt und draußen ausgestellt werden. Auf dem Mariannenplatz ist zudem eine Straßenperformance unter Anleitung der Künstlerin Carola Lehmann geplant.“
Frauentag, Frauen*kampftag oder Feministischer Kampftag?
Seit 1911 wird der internationale Frauentag oder Weltfrauentag begangen und geht auf sozialistische feministische Bestrebungen für Gleichberechtigung und insbesondere das Wahlrecht für Frauen zurück. Im Nationalsozialismus verboten, erlangte der Tag in der DDR neue Bedeutung, hatte es aber im Nachkriegswestdeutschland schwer, sich als eigenständiges feministisches Datum durchzusetzen.
Seit der Wiedervereinigung wird der Tag in ganz Deutschland zunehmend als „Frauenkampftag“ für Geschlechtergerechtigkeit begangen – wahlweise in der Schreibweise „Frauen*“ oder in der inklusiveren Form als „Feministischer Kampftag“, um patriarchale und queerfeindliche Unterdrückung jenseits binärer Geschlechtergrenzen zu thematisieren. Seit 2019 ist der 8. März in Berlin gesetzlicher Feiertag.
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