Cruising-Bar mit neuem Konzept

Frischer Wind im Mutschmanns: „Unser Darkroom ist ein Safe Space für alle Gender“

2. Dez. 2022 Philip Eicker
Bild: Jason Harrell
Kuratieren Kunst, Kink und Party – Yev, Ben und Quincy (v. l. n. r.)

Im Mutschmann’s ist ein neues Kreativ-Team am Werk. Die schwule Cruising-Bar in Schöneberg bleibt Treffpunkt für Fetischkerle, soll aber in Zukunft auch für gute elektronische Musik, Performances und Ausstellungen bekannt werden – und zwar bei Queers aller Geschlechter

Seit September läuft in Schöneberg ein Experiment: Man nehme eine klassische schwule Lederbar mit Darkroom und Porno-Screens und verwandle sie in einen angesagten queeren Club mit Platz für Kinks, Kunst und Musik. Versuchslabor ist das Mutschmann‘s im Schöneberger Regenbogenkiez. Vor zwei Jahren musste der Laden in die ehemalige Reizbar umziehen und kurz danach die Corona-Lockdowns überstehen. Anfang 2022 hat Inhaber André zusätzlich zu seiner bewährten Bar-Crew ein Kreativ-Team engagiert. Dessen Aufgabe: den Laden so zu bespielen, dass er nicht nur in der Folsom-Woche überquillt.

„Wir wollen noch ein paar mehr Facetten der Fetischszene zeigen“, erklärt Ben, der im Mutschmann’s die Partyreihe „Dump“ mitbegründet hat. Nun ist er für Werbung und Website zuständig. Bewährte Abende wie die Rubber Party sind weiterhin nur für cis Männer. Bei „Cock & Tail“ hingegen, gehostet von The Dark Frau, sind alle Geschlechter willkommen, genauso wie zur Puppy Night. „Jede Party zieht ihr eigenes Publikum an, eine immer wieder neue Mischung aus queerer und straight-kinky Szene“, erklärt Ben. „Und mit der ,Qumulation‘ wollen wir die ganze queere Szene Berlins zum Tanzen nach Schöneberg locken.“

„An manchen Abenden kann man den Darkroom nutzen, um Kunst, Musik oder Performances zu erleben – und am Tag danach können die Leute unter Meisterwerken Sex haben.“

Für diese neue Vorzeigeparty – nächster Termin: 17. Dezember – verspricht Yev, verantwortlich fürs Kunstprogramm, „wirklich experimentelle elektronische Musik“, meistens von DJs, manchmal auch live gespielt. Auf der Dezember-„Qumulation“ wird sich Yev (Experimental, Ambient, Techno) mit DJ Escapist (Prog House/Breaks) abwechseln.

„Das sollen echte Tanzpartys werden“, betont Musikstudent*in Yev. Ziel sei es, ein möglichst breites queeres Publikum anzusprechen und neu zu bestimmen, was den Leuten beim Stichwort „Schöneberger Gay Bar“ einfalle: „In unseren Köpfen dominieren noch diese Muskelmänner von Tom of Finland, die möglichst hetero wirken sollen. Aber heute gibt es viel mehr Leute wie mich, die nicht binär sind und keine Lust auf toxische Männlichkeit haben.“

Um viele neue Bilder in die Köpfe zu bringen, möchte Yev den Darkroom möglichst vielseitig nutzen. Am 3. und 4. Dezember ist dort die Fotoausstellung „650 Nanometer“ von Kiko Dionisio zu sehen. „Unser Darkroom ist ein Safe Space für alle Gender“, betont Yev: „An manchen Abenden kann man ihn nutzen, um Kunst, Musik oder Performances zu erleben – und am Tag danach ist dort die Naked Party und die Leute können unter Meisterwerken Sex haben.“

mutschmanns.de

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