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„Gender Punks“ von Kuku Schrapnell: „Utopischer Geschichtsrevisionismus“

26. Mai 2026 Kevin Clarke
Bild: Nane Diehl, Vebrecher Verlag
Kuku Schrapnell

Kuku Schrapnell erzählt in „Gender Punks“ von trans* und intergeschlechtlichen Menschen seit dem 18. Jahrhundert. Zwischen empowernder Gegengeschichte und queerfeministischer Projektion liest sich das wie ein Abenteuerroman über historische Gender-Rebell*innen

Kuku Schrapnell bezeichnet sich selbst als „Rosamunde Pilcher des Queerfeminismus“ – was nicht nur witzig ist, sondern auch diese persönlich gefärbten Erzählungen von trans* und intergeschlechtlichen Persönlichkeiten gut charakterisiert. Das Buch bietet einen historischen Abriss vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart und versammelt kurze Biografien von „Gender Punks“: Menschen, die nicht der Geschlechternorm ihrer Zeit entsprachen, sich teils gegen sie auflehnten und dafür nicht selten mit dem Leben bezahlten.

In Schrapnells Darstellung liest sich das wie ein Abenteuerroman: bewusst unsachlich, zugespitzt, unterhaltsam. Das kleine Buch lässt sich mit Kit Heyams Before We Were Trans: A (New) History of Gender“ vergleichen, allerdings reicht Heyams Darstellung bis ins alte Ägypten zurück, ist klarer strukturiert und wissenschaftlicher fundiert. Schrapnell hingegen möchte keine privilegierten Adeligen in den Mittelpunkt stellen (also keinen Chevalier d’Éon), keine Berühmtheiten wie Lili Elbe präsentieren und ringt stellenweise mit der Frage, wie sich moderne Werte auf historische Kontexte anwenden lassen.

Kuku Schrapnell ringt stellenweise mit der Frage, wie sich moderne Werte auf historische Kontexte anwenden lassen.

Denn selbstverständlich lebten diese „Gender Punks“ – darunter Anastasius Lagrantinus Rosenstengel aus Thüringen (hier zum Anti-Kapitalisten umfunktioniert), der Pirat Black Bart („ein Antirassist war er wohl nicht“), Romaine-la-Prophétesse aus Haiti, Lucy Hicks Anderson aus den USA und Danshō Okiyo aus Japan – nicht nach derzeitigen queerfeministischen Idealen. Als „Vorbilder“ taugen sie also nur bedingt. Dennoch schildert Schrapnell ihre Lebensläufe, um Kraft für ein selbstbestimmtes Leben zu geben. Es ist utopischer Geschichtsrevisionismus. Darin liegt die Nähe zu Pilcher oder „Bridgerton“, wo historische Realitäten ebenfalls über Bord geworfen werden zugunsten eines rundum Wohlgefühls. Vielleicht braucht die trans* Community so was gerade jetzt?

Kuku Schrapnell: „Gender Punks“,
Verbrecher Verlag,
128 Seiten, 16 Euro

Bild: Verbrecher Verlag

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