Pride

Alle Infos zum Global Pride am 27.06.

24. Juni 2020 fs/as

Am 27. Juni findet der „Global Pride“ als 24-stündiger Internet-Stream statt. Die Organisator*innen gaben bekannt, dass dabei ein Fokus auf den Inhalten von #BlackLivesMatter liegen soll

Ein großes Thema des digitalen „Global Pride“ am 27. Juni sollen die Botschaften und Forderungen der #BlackLivesMatter-Bewegung sein. Wie die Organisator*innen in einer Pressemitteilung bekannt gaben, wollen sie noch mehr „Schwarze Stimmen ins Zentrum“ des Events rücken. Damit reagieren sie auf die internationalen Proteste nach dem durch Polizeigewalt verursachten Tod von George Floyd.

„Als Schwarze Frau in der LGBTQIA + Community finde ich, dass wir uns dem Rassismus und der Gewalt, mit denen meine Schwarzen Brüder, Schwestern und nicht-binären Geschwister konfrontiert sind, stellen müssen – sowohl in der Mainstream-Gesellschaft als auch innerhalb der LGBQIA + Communities“, begründete die Co-Vorsitzende des Global Pride-Organisationskomitees, Natalie Thompson, die Entscheidung. Der „Global Pride“, ein gemeinsames Projekt von Pride-Organisationen auf verschiedenen Kontinenten, sei hierfür eine gute Plattform. „Ich bin stolz darauf, mit so vielen verschiedenen Kollegen aus der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Unsere Community weiß genau, dass wir Hass und Vorurteilen direkt begegnen müssen.“

Wo ist der Global Pride zu sehen?

Unter dem Motto „Exist. Persist. Resist“ steigt der „Global Pride“ am 27. Juni als 24-stündiger Internet-Stream. Koordiniert wird das Projekt von den internationalen Pride-Netzwerken Interpride und EPOA (SIEGESSÄULE berichtete). Es beteiligen sich Vertreter*innen von Prides in u. a. Kanada, USA, Mexiko, Griechenland, Südafrika oder Australien. Zu sehen sein sollen auch der Trans Pride Pakistan und mehr als 20 Prides aus Indien. Besonders überraschend: Es ist sogar ein Beitrag aus der Antarktis dabei.

Der Stream soll auf mehreren Kanälen gezeigt werden: u. a. auf Facebook, auf dem YouTube-Kanal des Künstlers Todrick Hall, der auch Host des Events ist, sowie auf dem YouTube-Kanal von iHeartRadio und auf der Global Pride-Webseite. Mehr als 500 Pride-Organisationen aus über 90 Ländern hätten bereits um die 1.500 Filme für den Stream eingereicht.

Wer sind die Teilnehmer*innen?

Als Redner*innen und für Auftritte bestätigt wurden u. a. der ehemalige US-Vizepräsident und voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten Joe Biden, der kanadische Premierminister Justin Trudeau, der Londoner Bürgermeister Sadiq Kahn, der irische Premierminister Leo Varadkar und Künstler*innen wie Schauspielerin Laverne Cox, Sängerin Conchita Wurst, die feministische Punkband Pussy Riot, die Disco-Legenden Thelma Houston und die Village People. Aus der deutschen Bundesregierung wird Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vertreten sein.

Redner*innen und Künstler*innen wollen auf die Gagen für ihre Auftritte verzichten. Die durch den „Global Pride“ gesammelten Mittel sollen dann an Pride-Organisationen weltweit verteilt werden, die in finanzieller Not sind.

Um die Diversität des Events zu verdeutlichen, haben die Organisator*innen einige Teilnehmer*innen am 24.06. vorgestellt: Darunter ist Ahmed Alaa, der in Ägypten eingesperrt wurde, nachdem er bei einem Konzert der Band Mashrou' Leila in Kairo 2017 eine Regenbogenfahne gehisst hatte. Während des Global Pride soll auch die lesbische Aktivistin Sarah Hegazi gewürdigt werden, die aus dem selben Grund inhaftiert wurde und die am 14. Juni diesen Jahres Selbstmord beging. (SIEGESSÄULE berichtete) Denise Ho ist eine in Hongkong ansässige Cantopop-Sängerin, -Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin. Ho wurde von der chinesischen Regierung für ihre aktive Teilnahme an der „Regenschirm-Bewegung" 2014 in Hongkong auf die „schwarze Liste“ gesetzt. Ahmed Umar ist ein Bildhauer aus dem Sudan. Er spricht über den Kampf für die Gleichstellung von LGBTI* in seinem Land, in dem homosexuelle Handlungen mit drastischen Strafen geahndet werden.

In Deutschland wollen verschiedene Gruppen und Verbände zum „Global Pride“ beisteuern: u. a. der Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz und die Lesben gegen Rechts.

Sendezeit

Der „Global Pride“ ist der erste weltweite virtuelle Pride dieser Art. Der 24-Stunden-Stream wird sich nach den globalen Zeitzonen richten, wobei jede Zone ein bis zwei Stunden Sendezeit bekommt. Das heißt etwa für die deutschen CSD-Vereine: Sie teilen sich 60 bis 120 Minuten mit einer Reihe von Ländern, mit Schweden an dem einen und Südafrika am anderen Ende der Zeitzone. Einen genauen Überblick über den Zeitplan und die Beiträge findet ihr auf der Webseite des Global Pride!

Bestehen wird der Stream sowohl aus vorproduzierten Videos als auch aus live-Zuschaltungen – mit Musik, Performances oder Grußworten bis hin zu Studiotalks oder kleineren Demos, die mit der Kamera begleitet werden. Die Beiträge werden entweder in der jeweiligen Landessprache oder in Englisch produziert und sollen dann, soweit möglich, in Englisch untertitelt werden.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Events

Im März und im April diesen Jahres zeichnete sich ab, dass aufgrund des Coronavirus die meisten Straßen-Prides ausfallen werden. Auch der Euro Pride, der am 27. Juni in Thessaloniki hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt. „Wir haben dann beschlossen, an dem Datum etwas online zu machen, um der Community zu zeigen, dass wir immer noch da sind!“, erzählt Ronald Zinke vom CSD Deutschland e.V., der die Organisation des „Global Pride“ mit unterstützt, gegenüber SIEGESSÄULE.

Viel Zeit zur Vorbereitung des Streams war nicht: Zwischen dem Beschluss, einen globalen Online-Pride zu machen, und der Umsetzung liegen nur knapp drei Monate. Das ist sportlich – insbesondere, da ein gemeinsamer Internet-Stream schwerer umzusetzen ist, als man vielleicht zunächst denkt, sagt Ronald. Zum Beispiel in den Gebühren für die GEMA, die in Deutschland die Nutzungsrechte für viele Musikstücke verwaltet. „Wir haben diskutiert, den Stream über YouTube zu machen. Aber wenn man z. B. aus Amerika streamt, kann dieser Content dann in Deutschland nicht gezeigt werden, weil YouTube keinen Rahmenvertrag mit der GEMA hat.“

Gedanken habe sich das Team auch über Schutz gegen Hacking gemacht und darüber, wie man die Anonymität von Zuschauenden im Internet sicherstellt, ergänzt Steve Taylor von Interpride im Gespräch mit SIEGESSÄULE.

27.06., Global Pride, Online-Event

#BlackLivesMatter#Global Pride#Pride2020#Pride