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Queer-relevante ESC-Beiträge

Highlights des Eurovision Song Contest 2023

20. Apr. 2023 pb/as
Bild: Jonatan Svensson Glad / Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 Quelle
Loreen tritt für Schweden mit ihrem Song „Tattoo" an

Vom 9. bis zum 13. Mai findet wieder der Eurovision Song Contest statt. Um euch die Wartezeit zu versüßen, stellen wir hier die aus queerer Sicht interessantesten Beiträge vor

Der 67. Eurovision Song Contest wird dieses Jahr vom 9. bis zum 13. Mai in Liverpool stattfinden. Beim letztjährigen ESC in Turin hatte die ukrainische Band Kalush Orchestra gewonnen. Aufgrund des russischen Angriffskrieg entschied sich die Europäische Rundfunkunion allerdings dafür, das Event vom Vereinigten Königreich ausrichten zu lassen. Das Land hatte mit dem britischen Singer-Songwriter Sam Ryder den zweiten Platz geholt. Austragungsort wird die M & S Bank Arena in Liverpool sein.

Schweden | Loreen: „Tattoo“

Zu den großen Favoriten gehört die schwedische Sängerin Loreen, die bereits 2012 mit 113 Punkten Vorsprung den Sieg mit ihrem Song „Euphoria“ holte. Dieser wurde europaweit zum Hit. Die bisexuelle Künstlerin geht mit ihrem hypnotischen Dancetrack „Tattoo“ erneut für Schweden an den Start, nachdem sie dort den Gesangswettbewerb „Melodiefestivalen 2023“ mit einer aufsehenerregenden Performance gewann. Loreen bewegt sich zwischen zwei riesigen Plattformen mit LED-Monitoren, während sie mit ihren überdimensionierten krallenartigen Fingernägeln Symbole in die LED-Wand zeichnet, die sich auf ihre berberisch-marokkanische Herkunft beziehen. Allerdings ist die Veranstaltungshalle in Liverpool für diese aufwendige Technik nicht ausgelegt, sodass die Inszenierung vermutlich etwas abgeändert werden muss.

Norwegen | Alessandra: „Queen of Kings“

Der Preis für den eingängigsten ESC-Ohrwurm geht an Alessandra aus Norwegen: „Queen of Kings“ ist ein dramatischer Techno-Pop-Track, dessen Sounds und Inszenierung an epische Wikinger-Filme denken lässt. Die bisexuelle Sängerin präsentiert sich auf der Bühne als kämpferische Königin und möchte nicht nur ein Statement für Frauenpower setzen, sondern auch für Selbstakzeptanz. Als bisexuelle Frau hatte sie das Gefühl, ihre sexuelle Identität vor ihrer Familie verheimlichen zu müssen: „Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, zu akzeptieren, wer wir sind, ohne uns um die Meinung anderer zu kümmern,“ sagt sie.

Serbien | Luke Black: „Samo mi se spava“

Nach dem experimentellen und erfolgreichen Beitrag „In Corpore Sano“ im letzten Jahr (der immerhin Platz 5 belegte), präsentiert Serbien 2023 den ebenso experimentellen Electro-Track „Samo mi se spava“. Der schwule Sänger Luke Black besingt darin den Drang zu schlafen, um sich den Krisen und schlechten News aus der Welt zu entziehen. Mit den androgynen Vocals sowie Synthesizer- und Industrial-Klängen gehört „Samo mi se spava“ zu den eigenwilligsten, aber auch interessantesten Beiträgen in diesem Jahr. Passend dazu gibt es eine Art albtraumhafte Roboter-/Endzeit–Inszenierung auf der Bühne.

Finnland | Käärijä: „Cha Cha Cha“

Finnlands Beitrag „Cha Cha Cha“ ist ein Mix aus aggressivem Techno-Pop, Rap und Metal. Während Sänger Käärijä mit seiner schreiend grünen Puffjacke, die etwas an Peaches erinnert, in einem Boxring performt, stöckeln Cha-Cha-Tänzer*innen in pinken Rüschenkleidern um ihn herum. Kaum verwunderlich, dass der finnische Beitrag mit einer derart einprägsamen Inszenierung und einem derart eingängigen Song als weiterer Favorit neben Schweden gilt.

Tschechien | Vesna: „My Sister's Crown“

Tschechien schickt mit „My Sister’s Crown“ eine pop-feministische Hymne zum Eurovision. Mit den empowernden Lyrics, engelsgleichen Stimmen und Passagen in der tschechischen, ukrainischen und bulgarischen Sprache, lässt sich der Song als ein Schulterschluss zwischen osteuropäischen Frauen lesen. Gleichzeitig ist das Stück auch ein solidarisches Statement aus Tschechien für die Ukraine.

Deutschland | Lord Of The Lost: „Blood & Glitter“

Nach einigen Jahren, in denen Deutschland schnarchigen Allerweltspop zum ESC schickte und dafür zurecht letzte Plätze kassierte, kommt diesmal ein Beitrag, der etwas von der üblichen Formel abweicht. Ob die Dark-Rocker Lord Of The Lost mit ihrem Song „Blood & Glitter" Deutschlands Ruf beim ESC retten können, wird sich zeigen. Zumindest entsteht der Eindruck, dass sich der deutsche Beitrag in diesem Jahr mit seinen androgynen Lack-und-Leder-Outfits, Glitzer-Kanonen und krächzenden Metal-Vocals etwas mehr traut als sonst.

Kroatien | Let 3: „Mama ŠČ!“

Nicht nur Deutschland, auch Kroatien hat in diesem Jahr beschlossen, zur Abwechslung mal einen unterhaltsamen Beitrag zum ESC zu schicken. Deshalb mussten die Alt-Punks von Let 3 ran, die in Kroatien für ihre provokativen Songs und Auftritte bekannt sind. Was im ersten Moment wie Laibach in Drag aussieht, ist eine absurde und campy Nummer, die sich gegen Putin und dessen Angriffskrieg positioniert. Da beim ESC politische Inhalte jedoch nicht erlaubt sind, versteckt die Band ihre Botschaft hinter Metaphern.

Belgien | Gustaph: „Because Of You“

Der belgische ESC-Beitrag „Because of You“ ist laut dem sympathischen Sänger Gustaph eine Liebeserklärung an die queere Wahlfamilie. Mit dem Song möchte sich der schwule Künstler bei allen bedanken, die sein Leben geprägt haben. Darunter sein Ehemann und Videographer Roen Lommelen, der für ihn auch das Bühnenbild für das Finale entwirft. Der queere, belgische Künstler Jaouad Alloul hat an dem Song mitgeschrieben, der leider etwas zu sehr nach einem rumpelnden CSD-Truck aus den frühen 2000ern klingt und große Chancen hat, im Halbfinale rauszufliegen.

Eurovision @ The Museum
22. April 2023, 19:00., Schwules Museum

Ab 19 Uhr präsentiert das Schwule Museum alle 37 ESC-Beiträge des Jahres anhand ihrer offiziellen Musikvideos! Eintritt ist frei

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