Queer Fashion

„Kleidung als Tool für Sichtbarkeit“ – Biweekly, neues Bi+-Modelabel

23. Juni 2026 Interview: Paula Balov
Bild: Biweekly
Lea Mishra (oben links) gründete Biweekly

Im Mai kam ein neues unabhängiges Fashion-Label auf den Markt, das sich explizit an pan- und bisexuelle Menschen richtet: Biweekly. Wir sprachen mit der Gründerin Lea Mishra über die Bedeutung von Mode für bisexuelle Sichtbarkeit und Empowerment und die ersten Wochen seit dem Launch

Lea, wie bist du auf die Idee gekommen, einen Fashion-Shop für die Bi+-Community zu gründen? Ich bin selbst bi und wollte noch aktiver in der Community werden. Ich wohne in Zürich und habe mich deshalb bei Bisexuell Schweiz engagiert. Da ich Gründerin bin, war auch immer die Idee da, etwas Eigenes zu machen. Mir ist dabei aufgefallen, dass es kaum Kleidung für die Bi+-Community gibt. Man findet viel Merch mit Regenbogenfarben, aber spezifisch für die Bi+-Community gab es kaum schöne Sachen. Das fand ich sehr schade, weil bi+ Menschen den größten Anteil der LGBTIQ*-Community ausmachen. Ich dachte, das kann so eigentlich nicht sein. So ist die Idee für Biweekly entstanden.

Und wie kam es zu dem Namen? Ich wollte natürlich etwas, in dem das Wort „bi“ vorkommt, aber mit „Weekly“ auch Regelmäßigkeit vermitteln. Es geht nicht um ein cooles Shirt, das man einmal zum Pride trägt und danach nie wieder, sondern darum, jeden Tag sichtbar sein zu können: bei der Arbeit, im Supermarkt oder im Club. Unser Logo enthält außerdem das Mondphasen-Symbol. Es steht dafür, dass sich Mond und Sonne immer wieder neu zueinander verhalten, ihre Zyklen aber immer wiederkehren.

Welche Rolle spielt Mode für bisexuellen Selbstausdruck und Empowerment? Mode ist einfach ein Teil unserer Persönlichkeit oder eine Art und Weise, uns auszudrücken, ohne Worte zu nutzen. Und das ist genau etwas, was der Bi+-Community absolut helfen kann. Wir fühlen uns oft unsichtbar und sind häufig auch gezwungen, uns immer wieder zu outen, mit jeder Beziehung und in jedem Kontext erneut. Das kann anstrengend sein, und Kleidung kann uns das nicht komplett abnehmen, aber sie kann dabei helfen.

Ich stelle mir schwierig vor, pan- und bisexuelle Menschen über Mode anzusprechen. In der lesbischen Community gibt es vom Karabinercode bis zur Fashionshow Butch*Walk bereits eine mode-orientierte Subkultur. Bei der Bi+-Community kenne ich dagegen vor allem Klischees wie bunte Haare, nerdy oder Goth. Nichts davon ist jedoch bi-spezifisch. Insgesamt erscheinen mir Bisexuelle als Gruppe zu groß und heterogen, um sie mit einer Moderichtung zu erreichen. Wie siehst du das? Witzigerweise hatte ich selbst Momente, in denen ich dachte: Wenn ich nicht Goth bin, keine blauen Haare habe und kein „Star Trek“ gucke, bin ich dann vielleicht gar nicht bi? Was natürlich Quatsch ist. Der Gedanke hinter der Marke war tatsächlich auch von Julia Shaws Buch „Bi“ inspiriert. Darin macht sie ein Gedankenexperiment und bittet die Leser*innen sich vorzustellen: Wie sieht eine schwule Person aus? Natürlich sehen nicht alle schwulen Männer gleich aus, trotzdem haben die meisten ein Bild im Kopf. Ähnlich ist es bei der Frage, wie eine lesbische Person aussieht. Bei bi+ Personen dagegen gibt es so ein Bild nicht. Und das ist auch eine Herausforderung, wenn man als bi+ Person sichtbar sein will. Kleidung kann eine Möglichkeit sein, zu kommunizieren, wer wir sind und wofür wir stehen – nicht nur im LGBTIQ*-Bereich. Warum also keine Bi+-Fashion-Linie? Am Anfang ging es tatsächlich eher um den Wunsch nach einem coolen pink-lila-blauen Shirt, das es so nicht gab. Daraus hat sich mit der Zeit ein größeres Konzept entwickelt: Kleidung als Tool für Sichtbarkeit.

„Kleidung kann eine Möglichkeit sein, zu kommunizieren, wer wir sind und wofür wir stehen. Warum also keine Bi+-Fashion-Linie?“

Wenn ich mir die Kleidung auf eurer Website anschaue, sehe ich tatsächlich ja auch vieles in den Farben der bisexuellen Flagge. Inwiefern unterscheidet sich das vom Pride-Merch, den man zu CSDs überall so kaufen kann? Faire Frage. Zum einen arbeiten wir nicht nach dem Prinzip: Wir klatschen eine Flagge auf ein Shirt. Wir versuchen immer, auch einen modernen Twist reinzubringen. Zum Beispiel überlegen wir uns gerade ein neues Shirt mit Streifen, weil Streifen allgemein im Trend sind. Zum anderen achten wir darauf, dass die Kleidung inklusiv für alle Geschlechter ist, also unisex. Nicht nur von der Größe her, sondern auch beim Stil ist unser Ansatz, immer zwischen einem stereotypisch maskulinen Stil und einem stereotypisch femininen Stil zu liegen, so zum Beispiel bei unserem Crop-Top: nicht so kurz, wie man es von klassischen Crop-Tops für Frauen kennt, aber auch nicht so lang wie ein T-Shirt, das man vielleicht in der Männerabteilung findet, sondern genau dazwischen. Wir spielen also auch beim Schnitt mit Geschlechterklischees und durchbrechen sie. Darüber hinaus ist es bei queerem Merch leider oft so, dass dieser nicht sehr nachhaltig produziert wird. Wir achten da sehr drauf. Unsere Oberteile werden alle in Portugal produziert, sind zertifiziert und aus Bio-Baumwolle.

„Wir spielen auch beim Schnitt mit Geschlechterklischees und durchbrechen sie.“

Die Farben der pansexuellen Pride-Flagge habe ich in eurer Kollektion noch nicht repräsentiert gesehen. Kommt das noch? Ja, unbedingt. Ehrlich gesagt stört es mich selbst gerade, dass wir die Pan-Flagge in unserem Shop noch so wenig aufgreifen. Aktuell haben wir sie nur in unserem Sticker-Set. Mein Wunsch ist, dass man alle Artikel auch als Pan-, Bi- oder mit weiteren Flaggen kaufen kann. Das ist aktuell noch eine Kapazitätsfrage, aber langfristig ist genau das das Ziel.

Ihr arbeitet nicht nur mit Flaggen-Farben, sondern auch mit Slogans: Welche Sprüche gibt‘s und wie kommen sie an? Wir haben uns am Anfang viele Sprüche selbst überlegt und auch eine Umfrage gemacht. Durchgesetzt haben sich „Kiss who you want“, „Assume nothing“ und das durchgestrichene Wort „Phase“. Nach dem Launch lernt man natürlich dazu, und ich habe gemerkt, dass am besten tatsächlich Sprüche ankommen, die offensichtlicher sind. „Kiss who you want“ kommt zum Beispiel besser an als das durchgestrichene „Phase“, weil Letzteres theoretisch für vieles stehen kann. In Zukunft werden wir wahrscheinlich mehr Sprüche haben, in denen das Wort „bi“ explizit vorkommt.

Wollt ihr bei alltagstauglicher Kleidung bleiben oder auch mal extravaganter werden? Wir wollen bewusst mehr Basics machen, damit wir möglichst viele Menschen aus der Bi-Community ansprechen. Wie du schon angemerkt hast, hat jeder einen anderen Stil, und es sind sehr unterschiedliche Menschen in der Community. Die Idee ist aber, dass jede Person bestimmte Basics braucht, und damit sprechen wir eine relativ breite Zielgruppe an. Man kann die Kleidung für verschiedene Anlässe tragen.

Wie kann man sich das Team hinter Biweekly vorstellen? Ich bin Gründerin und Managerin des Unternehmens. Außerdem haben wir Jessica Trocha als Creative Director, die eine ganz andere Perspektive einbringt – ich komme aus der Unternehmer- und Business-Welt, sie ist Musical-Darstellerin und kommt aus dem kreativen Bereich. Dann haben wir Tabea, studierte Grafikdesignerin, für Marketing und Grafikdesign. Zusätzlich arbeite ich mit Fashion-Designer*innen zusammen, die nicht fest im Team sind, sondern in einer Agentur arbeiten.

Kannst du dir auch vorstellen, einen lokalen Laden zu eröffnen? Ich möchte Biweekly momentan online halten. Für einen eigenen lokalen Shop ist es noch zu früh. Wenn sich aber ein guter Laden in Berlin melden würde und unsere Kollektion ins Sortiment aufnehmen möchte, fände ich das natürlich großartig. Jetzt in der Pride-Saison sind wir bei verschiedenen CSDs unterwegs, etwa in Berlin, Frankfurt, München und Hamburg. Außerdem sind wir in Amsterdam bei der Bi+ World Conference im Rahmen des World Pride vertreten.

Also kann man euch auch beim CSD in Berlin finden? Ja, wir haben einen Stand beim CSD Berlin. Den genaue Standort kündigen wir vorher noch auf Social Media an.

Welches Feedback habt ihr seit dem Launch bekommen? Ich hatte ehrlich gesagt die Sorge, dass erstmal gar nichts passiert und war dann wirklich überrascht. In den ersten ein, zwei Stunden hatten wir direkt rund 50 Bestellungen. Viele haben persönliche Nachrichten geschrieben und gesagt, wie viel ihnen die Marke bedeutet. Da habe ich gemerkt, dass wir etwas richtig machen – allein durch die Mühe, die sich Menschen machen, um Feedbacks zu schreiben. Mir ist dadurch auch nochmal klar geworden, dass die meisten bi+ Menschen nicht unbedingt viele Berührungspunkte mit der queeren Community haben. Ich hoffe deshalb, dass wir nicht nur für Menschen interessant sind, die ohnehin schon aktiv in der Szene sind, sondern auch für alle anderen.

Was ist euer nächster Meilenstein? Ein großer Meilenstein ist für uns, in die Schweiz und nach UK zu liefern, weil mir das sehr wichtig ist – aktuell liefern wir nur in die EU. Aufregend wird natürlich die Pride-Saison und im September der Bi+-Visibility-Month. Und ich freue mich auf die neuen Drops und auf die Designs, an denen wir gerade arbeiten. Denn natürlich wollen wir unsere Produktvielfalt erweitern.

Biweekly
biweekly.shop/de

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