„Lass dich impfen. Unabhängig vom Geschlecht“ – Mpox-Schutz für alle
In Berlin steigt die Zahl der Mpox-Infektionen deutlich an. Das Landesamt für Gesundheit und Sozales ermutigt deshalb zur präventiven Impfung – und nicht nur wie bislang schwule Männer, sondern die gesamte sexpositive Szene der Stadt. Worum es dabei geht erklärt Axel Schock anlässlich des heutigen Welttags der sexuellen Gesundheit
Vier Jahre ist es her, dass dieses Virus für Schlagzeilen sorgte und insbesondere unter schwulen Männern Ängste und Verunsicherung auslöste. Denn der neue Subtyp der Affenpocken, wie Mpox seinerzeit noch genannt wurde, verbreitete sich von Ländern Ost-und Zentralafrikas recht schnell auch in Europa aus. Und dort fast ausschließlich durch sexuelle Kontakte innerhalb der schwulen Szene. Zwar kommt es nicht bei allen Infektionen zwangsläufig auch zu einer Erkrankung. Falls aber doch, können die sich entwickelnden Pocken zu Entstellungen beispielsweise im Gesicht führen, im Genitalbereich hingegen sehr schmerzhaft sein. 2022 wurden innerhalb weniger Monate in Deutschland rund 3.700 Fälle diagnostiziert. Dank einer intensiven Aufklärungs- und Impfkampagne schien die Ausbreitung gestoppt. 2025 wurden bundesweit rund 500 Fälle registriert.
Seit Beginn des Jahres steigen die Zahlen insbesondere in Berlin nun wieder deutlich an. Bis Ende August wurden dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bereits 156 Fälle gemeldet. Im gesamten Jahr 2025 waren es 186. Das Robert-Koch-Institut geht jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen höher liegen, da nicht alle Betroffene eine Arztpraxis aufsuchen bzw. die Mpox-Infektionen auch als solche identifiziert werden.
Mpox-Hotspot Berlin
Berlin, das zeigen Auswertungen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), ist zu einem Hotspot geworden. Denn zunehmend handelt es sich bei den Mpox-Fällen um solche eines neu identifizierten Subtyps (die sogenannte Klade 1b), und viele dieser innerhalb der EU bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums registrierten Infektionen stehen in direktem oder indirektem Bezug zu Reisen nach Berlin.
Das Lageso macht deshalb mit einer Online-Kampagne auf die Gefahren einer Infektion und den Schutz durch eine Impfung aufmerksam. Denn die steigenden Fallzahlen, so Claudia Ruscher, Infektionsepidemiologin beim Landesamt, seien vermutlich auf Impflücken in der vorwiegend betroffenen Gruppe, zurückzuführen: Männer, die häufig wechselnde, anonyme Sexkontakte mit anderen Männern haben.
Die im Juli auf Datingplattformen wie Grindr und Joyclub gestartete Info-Kampagne richtet sich jedoch nicht mehr allein an MSM. Das Lageso hat seine Präventionskampagne vielmehr der gelebten sexuellen Wirklichkeit Berlins angepasst. Denn die Stadt, so Claudia Ruscher, zeichne sich durch eine große sexpositive Szene aus, „in der sich sexuelle Netzwerke nicht nur auf MSM begrenzen, sondern auch heterosexuelle Frauen bzw. FLINTA*“ – also Lesben, Bi+-Frauen, nicht binäre, trans und agender Personen – selbstverständlicher Teil sind. 2026 wurden bisher vier Mpox-Infektionen bei Frauen gemeldet.
„Es ist sinnvoll, die Risikokommunikation geschlechtsunabhängig an alle Personen mit einem erhöhen Expositionsrisiko zu richten.“
„Aus unserer Sicht ist es daher sinnvoll, die Risikokommunikation geschlechtsunabhängig an alle Personen mit einem erhöhen Expositionsrisiko zu richten“, ergänzt Claudia Ruscher. Die speziellen Orte, an denen sich diese Menschen bei engem Haut- und Schleimhautkontakt“ mit Mpox möglicherweise infizieren könnten, werden in einem der Kampagnenmotive genannt, verbunden mit einem klaren Rat: „Party. Club. Darkroom. Dungeon. Wo auch immer. Lass dich impfen. Unabhängig vom Geschlecht.“
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Mpox für alle Menschen mit häufig wechselnden Sexpartner*innen – ganz gleich, welchen Geschlechts sie sind. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Impfung mit dem gängigen Pockenimpfstoff Imvanex bietet einen hohen Schutz vor einer Infektion und senkt darüber hinaus das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, falls es doch zu einer Erkrankung kommen sollte.
Mehr Infos zur Kampagne und zur Impfung gibt es hier.
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