Berlin

Lesbisch-schwules Stadtfest 2021 auf der Kippe

3. März 2021 Michael G. Meyer
Bild: Brigitte Dummer
Lesbisch-schwules Stadtfest 2018

Nach der Absage des Parkfests im August und der Verschiebung des CSD auf den September steht für das lesbisch-schwule Stadtfest ein neuer Termin am 2. oder 3. Oktober zur Diskussion.

Das lesbisch-schwule Stadtfest rund um die Bars im Schöneberger Kiez ist eines der Highlights im queeren Kalender Berlins. Doch wie zu befürchten und wie schon vielfach geraunt wurde, ist derzeit alles andere als sicher, dass es dieses Jahr stattfinden kann.

„Die Chancen stehen derzeit nicht so gut, ein Fest mit 350.000 Besuchern mit Hygienekonzept durchführen zu können, aber die Hoffnung stirbt zuletzt“

Der traditionelle Termin im Juli – früher war es der Juni – ist ohnehin wegen der Pandemie nicht mehr zu halten. Wie Olaf Möller vom für die Organisation des Stadtfests verantwortlichen Regenbogenfonds der schwulen Wirte e. V. sagt, war seitens der Bundesregierung vor einigen Wochen zu hören, dass Großveranstaltungen diesen Sommer nicht stattfinden können: „Das bedeutete für uns, dass wir unseren ursprünglich avisierten Ersatztermin im September auf jetzt 02./03. Oktober verschoben haben, vorbehaltlich der Zustimmung des Bezirksamtes und unter Berücksichtigung der dann aktuellen Pandemielage.“ Eine Stellungnahme vom Bezirksamt zu dem neuen Termin steht noch aus. Olaf Möller betont: „Die Chancen stehen derzeit nicht so gut, ein Fest mit 350.000 Besucher*innen mit Hygienekonzept durchführen zu können, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir wollen ja sichtbar sein als größtes Stadtfest Europas, und außerdem ist die queere Szene, erst recht Bars und Shops als Anrainer, auf die Umsätze an dem Wochenende angewiesen.“

Nicht alle Wirte vom Oktobertermin überzeugt

Doch nicht alle Wirte sind so überzeugt, dass es überhaupt in diesem Jahr wieder ein großes Stadtfest geben sollte. Ulrich Simontowitz, Betreiber des Hafen in der Motzstraße sagt, dass sich alle natürlich wieder Normalität wünschten, auch er. „Aber wir sollten nicht voreilig sein. Das Straßenfest im Oktober halte ich für keine so gute Idee, lieber ein kleines Straßenfest an einem Tag mit einer Bühne. Vielleicht am Abend davor ein Konzert mit ein paar Ständen. Das wäre, wenn es denn möglich sein sollte, ein angemessenes ‚Aufwecken‘ der Szene.“

Entscheidung über Vereinshilfen steht noch aus

Erschwert wird die Lage auch dadurch, dass an der Ecke Fugger/Eisenacher Straße Bauarbeiten stattfinden, bei denen noch nicht klar ist, wie lange sie andauern. Auch dafür würde man eine Lösung erarbeiten, sagt Olaf Möller.

Hauptproblem ist dieses Jahr aber wohl die finanzielle Lage der Bars, Shops, Veranstalter, Clubs und Vereine, die das Straßenfest ausmachen: „Alle kämpfen ums Überleben. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Finanzierbarkeit von z.B. Standmieten, Bühnenprogramm, Equipment etc. Wir haben Vereinshilfen beim Senat für alle vier veranstaltenden queeren Vereine beantragt, damit Vorfinanzierungen von solch großen Veranstaltungen sichergestellt werden können. Eine Entscheidung vom Senat dazu steht aber noch aus.“

Lohnt sich ein Fest mit Hygieneauflagen?

So ist die Gemengelage in diesem Jahr äußerst schwierig, man habe auch schon über einen anderen, temporären Standort nachgedacht, so Möller: „Als sicher gilt, dass wir zusätzliche Hygieneauflagen erfüllen müssten, oder etwas ,abspecken`. Aber das Stadtfest lebt von der lebendigen queeren Szene im Kiez: die Bierwagen stehen vor den Bars, die Stände von den Shops, usw.. Das macht das Stadtfest so interessant und schön, dass die Verbindung zur Szene direkt gegeben ist. Eine Verlagerung hätte außerdem das gleiche Problem der Pandemie und deren Hygiene. Ein Fest an unterschiedlichen Standorten mit Gästebeschränkung kostet enorm, und sowohl Catering als auch Shops könnten mit diesen Auflagen ihre Aufgaben finanziell nicht leisten.“

„Wir brauchen alle diese Zeit des Erwachens und Mitmachens. Mit dem Ende der Pandemie sind unsere Probleme nicht vorüber, sondern im Gegenteil, bewusster geworden.“

Ulrich Simontowitz vom Hafen meint, dass man nicht alles übers Knie brechen, und sich lieber Zeit zum Durchatmen nehmen sollte: „Dann können wir 2022 wieder loslegen. Wir brauchen alle diese Zeit des Erwachens und Mitmachens. Mit dem Ende der Pandemie sind unsere Probleme nicht vorüber, sondern im Gegenteil, bewusster geworden.“ Zu hoffen ist, sagt Simontowitz, dass die Szene zusammenhält und nicht zersplittert, egal ob und in welcher Form das Stadtfest dieses Jahr stattfindet.

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