Bundestagswahl

LGBTIQ*-Wahlstudie: Grüne und Linke vorne

31. Aug. 2021 fs
Bild: canva

LGBTIQ* wählen mehrheitlich die Grünen, auf dem zweiten Platz: die Linke. Die Union schlägt hingegen weit ab – würden nur Queers in Deutschland wählen, würde sie es nichtmal in den Bundestag schaffen. Zu diesem Schluß kommt die zweite LGBTIQ*-Wahlstudie zur Bundestagswahl der Justus-Liebig-Universität Gießen

Erstellt wurde die Umfrage auf Grundlage eines online-Fragebogens. Ausgewertet wurden die Antworten von über 5000 in Deutschland wahlberechtigten LGBTIQ*. Auf einer Pressekonferenz am 31. August stellten die Studienleiter*innen Dorothée de Nève und Niklas Ferch die Resultate vor.

Gefragt wurde in der Studie unter anderem, welche Partei man mit der Zweitstimme wählen würde. Hier war das Ergebnis „tatsächlich frappierend“, sagte Dorothée de Nève auf der Pressekonferenz. Über die Hälfte der Befragten – 52,6 Prozent – gaben an, Bündnis 90/Die Grünen zu wählen. Das ist weit mehr als in der Durchschnittsbevölkerung: laut Umfragen verschiedener Forschungsinstitute kommen die Grünen aktuell auf 16 bis 20 Prozent.

Auch Die Linke kam besser weg als in konventionellen Umfragen. Mit 17,4 Prozent war sie die Nummer Zwei für LGBTIQ*-Wähler*innen. Die SPD präferierten 9,1 Prozent der Befragten, die FDP kam auf 7,1, die AfD auf 2,6 und alle anderen Parteien zusammen auf rund 6 Prozent. Die Union würde mit 3,2 Prozent, ebenso wie die AfD also, an der 5-Prozent Hürde für den Bundestag scheitern.

Unter denen, die FDP, Union oder AfD wählten, waren mehr schwule Männer als lesbische Frauen. „Es zeigt sich, dass Schwule im Vergleich zu Lesben eine größere Präferenz zu FDP, SPD, CDU und AfD haben, wenn auch auf einem insgesamt niedrigem Niveau“, erklärte Co-Studienleiter Niklas Ferch.

„Die Politik der GroKo hat Spuren hinterlassen“

Die erste Umfrage dieser Art führte das Team in 2017 durch. Seitdem ist die Zustimmung für die Grünen stark gestiegen: in 2021 erreichten sie 23,6 Prozentpunkte mehr als noch vier Jahre zuvor. Die Linke sank dagegen etwas in der Gunst der LGBTIQ*-Wähler*innen: sie verlor 5,2 Prozentpunkte.

CDU und SPD kamen sogar nur auf die Hälfte ihres Ergebnisses von 2017. Schuld daran seien, nach Einschätzung des Studienteams, auch die queerpolitischen Entscheidungen der Koalition in den letzten vier Jahren. „Die Politik der GroKo hat bei LGBTI-Wähler*innen Spuren hinterlassen“, sagte Dorothée de Nève.

Als Beispiel nannte sie die gescheiterte Reform des „Transsexuellengesetzes“ (TSG). Erst im vergangenen Mai waren Vorschläge der Grünen und der FDP im Bundestag abgelehnt worden, das veraltete TSG durch ein „Selbstbestimmungsgesetz“ zu ersetzen. Abgeordnete der CDU und der SPD hatten dagegen gestimmt.

Der online-Fragebogen zur Studie fragte auch danach, wie man diese Abstimmung zum TSG im Bundestag bewertet. Unter den Studienteilnehmer*innen, die angaben, Grüne oder Linke zu wählen, kreuzten fast 90 Prozent „eher nicht gut“ oder „gar nicht gut“ an. Sie waren demnach unzufrieden mit der Entscheidung der Bundesregierung zum TSG. Für Dorothée de Nève „ein Grund unter vielen, der begründet, warum die Präferenz für die Grünen oder die Linken vergleichsweise stark ausgeprägt ist“.

Hohe Anzahl von Studienteilnehmer*innen

Die Studie entstand parteiunabhängig, ohne finanzielle Unterstützung von Dritten, in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Die Ergebnisse seien durchaus aussagekräftig, sagte Dorothée de Nève. Im Vergleich zu anderen, ähnlichen Studien weltweit war die Zahl der Befragten hoch. Der Fragebogen war einen Monat lang auf der Website der Universität Gießen freigeschaltet und der Link auf Sozialen Medien und von Multiplikator*innen aus der queeren Szene gestreut worden.

Insgesamt beteiligten sich mit 53,8 Prozent mehr Männer als Frauen an der Studie. 65 Prozent der Befragten bezeichneten sich als homosexuell, 14,5 Prozent als bisexuell, 4,4 Prozent als asexuell. Der Anteil der Menschen, die „queer“ als sexuelle Orientierung nannten, war mit 11,5 Prozent höher als in 2017. Ebenso gab es mehr pansexuelle Teilnehmer*innen (8 Prozent) als vor vier Jahren.

Da diesmal nur 58 wahlberechtigte trans* Personen an der Studie teilnahmen, wurden deren Antworten nicht statistisch ausgewertet. Eine Präferenz für die Linken und Grünen lies sich laut dem Studienteam aber auch hier erkennen.

Wahlstudien in der Gesamtbevölkerung werden auf Grundlage von Stichproben erstellt. Daten zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität werden dabei jedoch nicht erhoben.

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