Kultur in Corona-Zeiten: Erfahrungsbericht

Mit Schnelltest ins Theater

23. März 2021 Annabelle Georgen
Bild: Moritz Haase

Nach mehreren Monaten Zwangspause gibt es in ein paar Berliner Theaterhäusern wieder Licht auf der Bühne: Das „Pilotprojekt Testing“ startete am Wochenende im Berliner Ensemble, mit zwei Vorstellungen des Stücks „Panikherz“ nach der Autobiografie von Benjamin von Stuckrad-Barre. Das Projekt soll herausfinden, ob ein Theaterbesuch in Corona-Zeiten möglich ist. Sind Events wieder durchführbar, wenn sie mit Corona-Schnelltests verbunden werden? SIEGESSÄULE-Kulturredakteurin Annabelle Georgen war beim Versuch mit dabei

An diesem Samstagabend leuchtet das Gebäude des Brecht-Tempels fast surreal lebendig nach der Fahrt durch die dunklen, weitgehend verlassenen Strassen von Berlin-Mitte. Die Schaukästen neben den Türen des Berliner Ensemble sind zu gelb leuchtenden Wegweisern umgestaltet, um jede Besucher*in an ihren Platz zu bringen. Für jedes Ziel – Parkett links, Parkett rechts, 1. Rang, 2. Rang – gibt es ein getrenntes Gate. Der Einlass läuft ruhig und reibungslos. Wie am Flughafen werden nicht nur die personalisierten Tickets kontrolliert, sondern auch die Personalausweise oder die Reisepässe. Ein drittes Dokument ist auch erforderlich und wird vom Theaterpersonal akribisch geprüft: ein negatives Testergebnis.

Das « Pilotprojekt Testing » des Berliner Senat, das bis Anfang April in ausgewählten Bühnen der Stadt läuft, will die Machbarkeit von Veranstaltungen in Verbindung mit SARS-CoV-2-Antigen-Tests prüfen. Alle Besucher*innen der insgesamt neun Veranstaltungen, die im Rahmen des Pilotprojekts stattfinden, müssen sich am Tag der Vorstellung testen lassen und ein negatives Ergebnis beim Einlass vorweisen. Ein Schnelltest ist im Preis der Eintrittskarte enthalten. Dank eines gut durchdachten Systems ist die Terminbuchung einfach: Nur mit ein paar Klicks kann man sich einen Termin bei einem der fünf teilnehmenden, über die Bezirke verteilten Zentren aussuchen. Das Corona-Schnelltestzentrum am Moritzplatz hält auch sein Versprechen: Der Besuch dort dauert nicht länger als 5 Minuten. Schmerzhaft ist der Test, aber schnell.

Zurück im Theater: Im wunderschönen neobarocken großen Saal des Berliner Ensemble sitzen an diesem Abend 350 Zuschauer*innen im Schachbrettmuster. Das ist ungefähr die Hälfte der Besucher*innen, die hier normalerweise Platz nehmen können. Trotz des Abstands und trotz der Masken fühlt es sich wie eine Zeitreise in eine alte Welt an, wie ein Stück Normalität. Eine begehrte Reise: Die Karten der beiden Vorstellungen des Stücks waren innerhalb von vier Minuten auf der Website der Berliner Ensemble vergriffen. Kurz vor Beginn der Vorstellung von „Panikherz“, einer Inszenierung aus 2018 des Intendanten Oliver Reese, kommt dieser auf die Bühne: „Wir sind ganz aufgeregt, das Theater aus dem Dörnröschenschlaf aufzuwecken“, sagt er. Für den Intendant des Berliner Ensembles ist dieses Pilotprojekt „ein extrem wichtiges Zeichen“, das nach der langen Schließung endlich eine Perspektive für die Theaterhäuser Berlins eröffnet. „Und jetzt versuchen wir, uns zu erinnern, was Theater war“, sagt er, bevor die Lichter ausgehen.

Schauspieler Nico Holonics ist selbst so aufgeregt, dass er sich mitten im Stück mit ein paar Schritten aus einer Szene entfernt und sagt: „Es ist so schön, wieder Theater zu spielen!“ Am Ende der Vorstellung gibt es donnernden Applaus. Wie damals. Kurz danach tönt eine Lautsprecheransage, die die Zuschauer*innen der ersten acht Reihen auffordert, den Saal zu verlassen – und damit wieder in die Realität zurückzukehren.

Bild: Moritz Haase
„Es ist so schön, wieder Theater zu spielen!“

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