Interview mit SchwuZ-Verein

Nach dem SchwuZ-Aus: Nicht das Ende?

8. Dez. 2025 Yara Weiss
Bild: SchwuZ
Bevor das Licht für immer ausging in der „Kathedrale“ des SchwuZ

Das SchwuZ konnte sich nach der Insolvenz leider nicht retten und musste am 2. November dauerhaft schließen. Über 100 Mitarbeitende verloren ihren Job, viele LGBTIQ* ihren queeren Hafen. Doch es gibt hoffnungsvolle Töne vom Trägerverein, der andeutete, es gäbe vielleicht doch eine Chance, „die Geschichte weiterzuschreiben“. Wunschtraum oder realistische Option? Wir fragten beim Vorsitzenden Stefan Fuerst nach

Stefan, welche Chancen bietet die Krise aus deiner Sicht? Mir fällt es aktuell schwer, die Chancen in den Vordergrund zu rücken, auch wenn es sie gibt. Die Schließung des SchwuZ ist für mich eine Katastrophe. Und nicht nur für mich, auch für die Mitarbeitenden und für viele aus der Community. Ja, wir haben jetzt die Chance auf einen Neuanfang. Das ist spannend, aufregend und arbeitsintensiv. Aber ganz ehrlich: Auf die Chance in dieser Form hätten ich und viele andere gerne verzichtet.

Die Community hofft, dass ein Neustart des SchwuZ an einem anderen Ort und in anderer Form möglich ist.Wie schätzt du das ein? Der Vorstand, Mitglieder des Vereins und Personen aus der Community sind aktuell engagiert dabei zu schauen, wie es für das SchwuZ weitergehen kann. In der Insolvenz ist der Club untergegangen, nicht jedoch das gesamte SchwuZ – und erst recht nicht die Idee dahinter. Daher stecken wir aktuell in der Analyse und auch in Gesprächen, die sich um verschiedene Optionen und deren Machbarkeit drehen. Das Ende des Clubs wird nicht das Ende des SchwuZ sein. Sicher aber ein Ende einer Ära – die Ära des SchwuZ am Rollberg.

„Das Ende des Clubs wird nicht das Ende des SchwuZ sein. Sicher aber ein Ende einer Ära – die Ära des SchwuZ am Rollberg.“

Wie sicher ist die Zukunft der SchwuZ Queer Stiftung? Die Stiftung ist stabil und nicht akut gefährdet. Aber sie ist ausgelegt darauf, dass es einen Wirkungsort gibt. Wie die Zukunft der Stiftung aussieht, wird mit der Zukunft des SchwuZ als Club zusammenhängen.

Welche Optionen für einen Neustart werden derzeit konkret verfolgt? Im Fokus steht aktuell als handelnder Akteur der Verein. Die Aufgabe des Vereins ist es nun, etwas Neues zu erschaffen. Die Optionen werden intern diskutiert. Parallel befinden wir uns in Gesprächen mit Bezirks- und Landespolitiker*innen, denen das SchwuZ und dessen Zukunft am Herzen liegen. Im Verein SchwuZ e. V. ist eine bunte Mischung aus der Community Mitglied – und seit der Insolvenz erreichen uns auch verstärkt Anfragen zur Mitgliedschaft, sehr oft mit dem Tenor, man wolle mit anpacken. Das ist großartig und genau das, was wir jetzt brauchen: Proaktivität, Ärmelhochkrempeln, Mitmachen!

Wie können sich Unterstützer*innen einbringen? Die aktuelle Phase ist stark geprägt von der Unterstützung durch wirtschaftliches Know-how, anwaltliche Beratung und Netzwerknutzung. Über Unterstützungsangebote freuen wir uns sehr – je konkreter, desto besser.

„Wenn sich Berlin als Knotenpunkt der Club- und Kulturszene begreift, dann muss die Politik Rahmenbedingungen schaffen, die den Clubs zugutekommen und sie unterstützen.“

Sollten Clubs staatlich gefördert werden? Und was ist dein Appell an die Politik? Die Politik muss sich bewegen. Es ist sicher nicht die Aufgabe der Politik, allen Clubs in Schwierigkeiten zu helfen. Aber wenn sich Berlin als Knotenpunkt der Club- und Kulturszene begreift und deshalb auch ein Tourist*innenmagnet bleiben will, dann muss die Politik Rahmenbedingungen schaffen, die den Clubs zugutekommen und sie unterstützen. Die Club Commission hat da schon ganz clevere Forderungen.

Oft wird kritisiert, das SchwuZ habe den Anschluss an die junge Generation verloren – was wünschst du dir selbst für die Zukunft? Viele Queers haben – über die Generationen hinweg – im SchwuZ ihr queeres Ich erst richtig entdeckt. Viele haben ihre Freundeskreise und Partner*innen auf der Tanzfläche gefunden, andere einen Ort, sich künstlerisch auszudrücken. Wieder andere eine passende Arbeitgeber*in und einen Safer Space. Nichts anderes kann das Ziel der Zukunft sein.

SchwuZ e. V.
Mahlower Str. 24
12049 Berlin
vorstand@schwuz.de

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