„Galerie P6“

Neue schwule Galerie im Motzstraßenkiez

1. Feb. 2022 Carsten Bauhaus
Foto: Ian Jones (li.) und Erling Viktor

Ein britischer und ein dänischer Berliner eröffneten 2020 mit vereinten Kräften die Galerie P6 an der Motzstraße, die nach einer coronabedingten Pause 2021 richtig durchstartete. Während Ian Jones den Geschäftssinn und die finanzielle Power einbringt, steuert der Künstler und Kurator Erling Viktor die kreative Expertise und sein Netzwerk bei

Ian, du warst früher im Londoner Immobiliengeschäft erfolgreich. Wie kamst du auf die Idee, eine Galerie im Berliner Motzstraßenkiez zu eröffnen? Ian Jones: Nach meiner Pensionierung war ich 2015 mit meinem damaligen Mann nach Spanien gezogen. Aber die Beziehung zerbrach und Marbella stellte sich als die langweiligste Stadt der Welt heraus! Ich wollte nicht meinen ganzen Tag am Strand verbringen und Cocktails trinken. Ich brauche die Großstadt und hatte auch schon seit vielen Jahren ein Standbein in Berlin. Als ich meinen alten Freund Erling hier besuchte, stellte ich fest, dass sich in seiner Wohnung viele seiner tollen Bilder stapelten. Warum werden die nicht gezeigt, fragte ich – und so ist die Idee zur Galerie entstanden.

Und eine Location fand sich dann auch recht schnell ... IJ: Hier gab es ja 17 Jahre lang eine beliebte Eisdiele. Als der Laden schloss, stand er zum Verkauf. Ich habe dann alles aufwendig umbauen lassen und erstmals im September 2020 eröffnet – bevor wir pandemiebedingt wieder schließen mussten. Der Ort hier ist perfekt für uns: Es gibt große Fensterflächen und eine Terrasse mit Garten für Events. Und ich wollte einfach mittendrin sein!

Was zeigt ihr im Moment? Erling Viktor: Am 5. Februar eröffnet eine Ausstellung mit meinen eigenen Werken. In diesem Fall sind es keine explizit „schwulen“ Kunstwerke, sondern Malereien und Zeichnungen von gotischen Kirchen. Ich bin ja klassisch ausgebildet und meine Leidenschaft gilt auch Naturdarstellungen, Pflanzen oder eben Architektur.

Spätestens zum Ostertreffen wollt es ihr dann aber richtig krachen lassen … EV: Wir planen die Gruppenausstellung „Urban Clash“ mit zehn schwulen Künstlern aus Berlin, Kopenhagen, Teheran und Paris. Dabei ist etwa der bekannte Fotograf Marc Martin. Ich biete aber auch gern jungen Künstlern eine Plattform. Es wird zur Eröffnung am 15. April eine große Party geben mit DJ.

Es gibt ja im Schöneberger Kiez mehrere schwule oder queere Galerien. Wäre es da nicht sinnvoll, zu kooperieren, Synergien zu nutzen und etwa Eröffnungen abzustimmen? EV: Das wäre es. Leider aber halten die Galerien hier nicht wirklich zusammen. Man wird sofort als Konkurrenz wahrgenommen. Wir laden immer alle ein, aber niemand kommt vorbei. Von Kopenhagen, von wo aus ich vor zwanzig Jahren nach Berlin gezogen bin, kenne ich das anders: Dort unterstützt man sich gegenseitig.

Man könnte denken, dass Corona auch positive Effekte auf den Kunstmarkt hat: Die Leute sind viel zu Hause, beschäftigen sich mit „Home Improvement“ – und kaufen auch vielleicht mehr Kunst. Deckt sich das mit euren Erfahrungen? IJ: Nicht unbedingt. Die Kunst, die online gekauft wird, befindet sich eher im unteren Preissegment, so bis 600 Euro – da fängt es bei uns erst an. Profitieren konnten vor allen Dingen Künstler*innen, die schon sehr bekannt sind oder einen festen Käufer*innenkreis haben. Unbekanntere Künstler*innen werden eher erst dann gekauft, wenn man sie vor Ort in einer Galerie sehen kann. Und das war wegen der vielen Lockdown-Unterbrechungen bislang schwierig.

Das Verhältnis zwischen Künstler*innen und Galerist*innen ist ja ein komplexes, manchmal nicht ganz einfaches Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeiten. Wie ist das bei euch? EV: Wir waren ja schon vor der Galerie befreundet und unsere Freundschaft wird immer noch intensiver. Ich denke, die größten Erfolge im Leben entstehen aus Freundschaft und Liebe und nicht aus reinem Geschäftssinn. Außerdem ist unser Verhältnis auch nicht so ungewöhnlich: Oft stellt man fest, dass der erfolgreichste Künstler einer Galerie der Liebhaber der Galeristin ist – und wer berühmt ist, hat vorher mit irgendeinem Museumsdirektor geschlafen.

Galerie P6 Berlin, Gossowstr. 6/Ecke Motzstr.

Öffnungszeiten:

Mo/Di/Do/Fr 14–20:00,

Mi/Sa/So

mit Anmeldung

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