Tag der lesbischen Sichtbarkeit

Neues L-MAG-Team: „Die Zukunft ist weiblich“

26. Apr. 2021 as
Bild: L-MAG
Das neue Team der Zeitschrift L-MAG: Negin Behkam und Dana Müller

Seit Anfang des Jahres hat unser Schwestermagazin L-MAG, das einzige Magazin für lesbische Frauen im deutschsprachigen Raum, ein neues Team! Bestehend aus Dana Müller und Negin Behkam. Dana, die seit 2015 als Redakteurin für L-MAG tätig war, hat die Chefredaktion von SIEGESSÄULE und L-MAG-Verlegerin Manuela Kay übernommen. Seit Januar ganz neu als Redakteurin dabei ist Negin. Sie ist vor zehn Jahren aus Teheran im Iran nach Berlin gekommen und arbeitete bereits als freie Journalistin für Medien wie Neues Deutschland oder dem Fernsehsender Iran International. Zum Tag der lesbischen Sichtbarkeit, der am 26. April gefeiert wird, haben wir mit den beiden über die Zukunft von L-MAG und die lesbische Community gesprochen

Dana und Negin, mit einem neuen Team kommen auch neue Ideen. Wie soll L-MAG zukünftig aussehen?
Negin:
In den letzten Jahren hat die Community zunehmend an Vielfältigkeit gewonnen. Ich will, dass diese Vielfältigkeit in L-MAG sichtbarer wird, sowohl bei unseren Autor*innen als auch bei unseren Themen und der Gestaltung des Magazins. Wir wollen die Community von queeren Frauen vor allem in Deutschland widerspiegeln. Denn die Zukunft ist weiblich, und sicherlich nicht weiß!
Dana: Und von Österreich und der Schweiz nicht zu vergessen.… Neben dem Inhaltlichen ist für mich das Gesamtkonzept entscheidend. Die zentrale Frage ist doch: Wie kann im digitalen Zeitalter ein Printheft erfolgreich bestehen? Meine Vision ist, dass das nur Hand in Hand mit einer gut aufgestellten Website und einer durchdachten Social-Media-Strategie geht. Wir wollen möglichst viele lesbische und queere Frauen auf unterschiedlichen Wegen erreichen und ihnen entsprechenden Content anbieten, aber das Hauptaugenmerk wird weiterhin auf dem gedruckten Heft liegen.

„Es ist noch immer ein politischer Schritt, in einen Laden zu gehen und ein Heft zu kaufen auf dem klar draufsteht: ,Magazin für Lesben'“

Wir hören öfters, dass sich gerade die jüngere Generation von Frauen* mit Begriffen wie queer deutlich mehr identifizieren könne als mit dem Begriff lesbisch. Ist da eurer Auffassung nach was dran? Und müsste sich L-MAG nicht auch eher „Magazin für queere Frauen*“ nennen?
Dana: Nein, wir werden das „Magazin für Lesben“ bleiben! Denn uns geht es ganz klar um lesbische Sichtbarkeit. Was nicht heißt, dass wir nicht auch queere Themen und Realitäten aufgreifen. Wir haben immer wieder nicht-binäre Personen im Porträt oder auch trans* Perspektiven. Aber es ist noch immer ein politischer Schritt, in einen Laden zu gehen und ein Heft zu kaufen auf dem klar draufsteht „Magazin für Lesben“. Und für diese Sichtbarkeit wollen wir auch in Zukunft stehen. Jede Generation hat ihre eigenen Bedürfnisse und Kämpfe. Viele Junge definieren sich nicht mehr explizit als lesbisch, sondern als queer oder wollen gleich gar keine Label verwenden. Andere – auch jüngere – wiederum benutzen gerade ganz bewusst den Begriff „Lesbe“.

Was bedeutet es für euch persönlich, Teil einer lesbischen oder queeren Community zu sein?
Negin: Für mich bedeutet das, an einem sicheren Ort zu sein: mehr Normalität, weniger Angst, Solidarität, Empowerment und die Welt anderes sehen und wahrnehmen zu dürfen.
Dana: Es ist wahnsinnig wichtig für mich. Es bedeutet für mich ein Stück Zugehörigkeit und Familie. Wenn ich verreise, suche ich immer nach Szenetreffpunkten, ob in den USA, Tschechien oder Ungarn. Ich versuche Kontakt zu Lesben vor Ort aufzunehmen, weil ich als Journalistin einerseits wissen will, wie es Lesben überall auf der Welt geht, aber auch weil ich ganz persönlich Anschluss suche. Deshalb betrübt es mich zu sehen, wie sehr sich die Community immer wieder streitet. Ich finde Diskurse wichtig, sie sollten aber immer als Ziel die Weiterentwicklung von Gesellschaft haben und nicht den Ausschluss von Einzelpersonen. Nur zusammen können wir gegen Homofeindlichkeit, Sexismus und Rassismus angehen.

Wer liest L-MAG eigentlich? Was wisst ihr über eure Leser*innen?
Dana: Ich begreife L-MAG als Marke, die über unterschiedliche Kanäle verschiedene Zielgruppen erreicht, wobei es natürlich eine große Überschneidung gibt. Beim gedruckten Heft haben Umfragen immer wieder ergeben, dass die Leser*innen sehr breit gestreut sind. Sie sind allerdings oft gut gebildet und viele engagieren sich in Vereinen, NGOs, in der Politik oder beim Sport. Über die Hälfte der Leser*innen lebt in einer Partnerschaft oder Beziehung. Und was uns am meisten freut: Viele Heftleser*innen sind schon seit Jahren treue Abonnent*innen. Unser Ziel ist es, möglichst viele Lesben und queere Frauen mit unterschiedlichen Themen zu erreichen. Aber auch über unsere Website, Instagram und Facebook sprechen wir noch mal andere Zielgruppen an, Jüngere zum Beispiel.

„L-MAG ist erstaunlich krisenfest“

Was bedeutet es, in der Corona-Krise ein Print-Heft herauszubringen? Vor welchen Problemen steht ihr?
Dana: L-MAG ist erstaunlich krisenfest, da unser größter Schatz unsere Abonnent*innen sind, und die sind unglaublich solidarisch. Seit Beginn der Krise erleben wir eine ergreifende Solidarität. Ich hatte Anrufe von Leser*innen, die spenden wollten, „damit wir das Patriarchat auch in Corona nicht gewinnen lassen“. Das rührt mich total und wir brauchen auch weiterhin Unterstützung: Jedes abgeschlossene Abo, jede freiwillige Spende für die Website sichert L-MAG. Professioneller Journalismus kostet Zeit und Geld.

Ihr seit das letzte verbliebene Printheft für Lesben im deutschsprachigen Raum! Was ist der Grund dafür?
Dana: Ich denke unser Geheimnis ist die SIEGESSÄULE. Wir sagen ja immer, die SIEGESSÄULE ist unser Schwestermagazin, aber genau genommen ist es unser Muttermagazin. Denn L-MAG ist damals, dank der SIEGESSÄULE und L-MAG-Verlegerin Manuela Kay, aus der Redaktion der SEGESSÄULE heraus entstanden. Noch heute profitieren wir von der Gesamtstruktur des Verlages. Ohne die SIEGESSÄULE gäbe es auch L-MAG nicht, wir teilen uns die Anzeigenabteilung, die Verwaltung und sogar den Kaffee. Ich glaube zudem fest an die Zukunft von L-MAG als Marke.

Negin, du bist vor zehn Jahren aus Teheran nach Berlin gekommen. Was kannst du uns über die queere und lesbische Community im Iran erzählen?
Negin:
Die Community im Iran unterscheidet sich stark von der Community in Deutschland. Dort müssen queere Menschen täglich um ihr Überleben kämpfen. Homosexualität wurde im Iran kriminalisiert und steht unter Todesstrafe. Viele queere Menschen haben daher das Land verlassen und leben im Ausland, also Menschen, die sich Migration leisten können oder in der Lage sind, aus dem Land zu fliehen. Es gibt aber auch viele LGBTIQ*, die in kleineren Städten und Dörfern leben, wenig Zugänge haben und nicht mal einen Reisepass besitzen. Oder weil sie aus anderen Gründen ihr Land nicht verlassen wollen beziehungsweise können. Gleichzeitig versucht der Teil der Community, der im Ausland lebt – und auch viele Verbündete – eine große Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie versuchen so viel wie möglich, queere iranische Leute zu unterstützen, Druck auf die iranische Regierung auszuüben und gegen die homofeindlichen und menschenverachtenden Gesetze und Beschlüsse der iranischen Regierung vorzugehen.

Wie erlebst du die Community hier in Berlin?
Negin: Ich bin sehr beeindruckt von der Community hier, wie bunt, vielfältig und offen sie ist. Auch dass sie so viel Wertvolles erreichen konnte. Allerdings frage ich mich, warum sich die Community so wenig in die „Integrationsarbeit“ einmischt und hier Verantwortung übernimmt.

„Ich frage mich, warum sich die Community so wenig in die ,Integrationsarbeit´ einmischt und hier Verantwortung übernimmt“

Was bedeutet euch der Tag der lesbischen Sichtbarkeit?
Dana:
Es ist ein symbolischer und politischer Tag, so wie der Frauenkampftag. Als L-MAG-Chefredakteurin bin ich jeden Tag out und sichtbar, aber es gibt auf der Welt noch viel zu tun im Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung.
Negin: Wenn wir die Problematik globaler sehen, werden Menschen, die nicht cis oder hetero sind, in vielen Ländern gar nicht anerkannt. Sie haben keine gleiche Rechte, keine gleichen Chancen, sie haben keinen Zugang zu entsprechenden Informationen und politischer Bildung und sie werden kriminalisiert. Es passiert nicht selten, dass diese Menschen Selbstmord begehen, weil sie sich nicht für „normal“ halten, und ihre Gefühle für „Sünde“ und „teuflisch“.
Dana: In 11 Ländern steht die Todesstrafe auf Homosexualität und in 27 Ländern droht bis zu 10 Jahre Gefängnis. Hinzu kommt für Lesben Sexismus und Frauenhass. Und dafür setzt der Tag der lesbischen Sichtbarkeit ein Zeichen und all die Stimmen, die behaupten, wir sollen uns nicht so anstellen und es sei doch doch längst alles gut, zeigen nur, wie wichtig dieser Tag ist.

l-mag.de

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