Kino

Pornfilmfestival Berlin 2020

7. Okt. 2020 Manuel Schubert
„Urban Smut“ wird das Pornfilmfestival eröffnen

In der Corona-Pandemie wurden Sex und Nähe zur Gefahr erklärt. Das 15. Pornfilmfestival Berlin vom 20. bis 25. Oktober lädt dazu ein, sich die Lust gemeinsam zurückzuerobern

Ein Oktober ohne Pornfilmfestival? Undenkbar! Und doch ließ der Corona-Sommer die Kurator*innen Jürgen Brüning, Manuela Kay, Paulita Pappel und Jochen Werner ernsthaft darüber nachdenken, ob das Pornfilmfestival Berlin (PFFB) überhaupt stattfinden sollte. Nach langem Ringen entschieden sie sich, den 15. Festivaljahrgang auszutragen, oder wie Jochen Werner es formuliert: „Wir machen ein Festival, weil es keine Option ist, abzusagen.“

Verlängertes Programm beim Pornfilmfestival 2020

Die vier haben ein Programm entwickelt, welches ein Festival ausdrücklich im Kino ermöglicht. Eine Herausforderung, denn allen voran ist das Abstandsgebot ein schwerer Schlag für das stets so wuselige PFFB. Kuratorin Paulita Pappel sieht im Jahrgang 2020 dann auch eher einen symbolischen, aber dennoch extrem wichtigen Akt. Schließlich greift die Pandemie massiv in die Leben vieler Menschen gerade in Berlin ein. Neun Langspielfilme und sechs Kurzfilmprogramme sind es nun, die vom 20. bis 25. Oktober 2020 präsentiert werden.

Doch damit wird es das Festival nicht bewenden lassen, sondern sein Programm anschließend weit ins nächste Jahr ausdehnen. Das PFFB wird nach dem 25. Oktober nämlich einfach weitergehen, mit wöchentlichen und monatlichen Specials durchgehend bis zum nächsten Festival 2021.

Kurzfilme: „Corona Porn Shorts“ und mehr

Auffallend viel Humor beobachteten die Kurator*innen diesmal in den eingereichten Kurzfilmen, obwohl oder weil die Themen, die die Filmemacher*innen beschäftigen, oft bedrückend sind. Corona findet natürlich seinen Eingang und erfährt durch die neue Kurzfilmrolle „Sex in Times of Corona Porn Shorts“ eine erste Aufarbeitung. Der bemerkenswerten Theoriebegeisterung vieler Einreichungen verdankt sich das neue Programm „Theory Porn Shorts“. Doch auch etablierte Kurzfilmrollen wie etwa „Lesbian Porn Shorts“ oder „Fetish Porn Shorts“ sind wieder zu sehen.

Französischer Beitrag „Vivante“

Langfilme: Von „Urban Smut“ bis „Rettet das Feuer“

Eröffnet wird das Festival mit dem Anthologiefilm „Urban Smut“. In fünf Episoden soll nicht weniger als ein Panorama kontemporärer urbaner Sexualitäten entstehen. Für Paulita Pappel wird in „Urban Smut“ aber auch deutlich, welche Stärke im kollaborativen Arbeiten steckt.

Der französische Beitrag „Vivante“ der Filmemacherin Anushka erkundet derweil, wie ein Paar mithilfe einer Sexarbeiter*in die gemeinsame Lust zurückzuerobern sucht, nachdem eine*r der Partner*innen bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Behinderung, Sex und Sexarbeit verweben sich in diesem auch ästhetisch beeindruckenden Film.

Die Auswahl der neun Langspielfilme beschließt die neue Arbeit des US-Filmemachers Todd Verow. In „Goodbye Seventies“ legt er eine liebevolle Hommage an das Golden Age of Porn vor und skizziert zugleich, mit deutlich spürbarer Melancholie, was durch den Terror der Aids-Jahre verloren wurde. Vielleicht Todd Verows bester Film bisher.

„Goodbye Seventies“
„Ist es nicht so, dass sich viele der Denkmuster und Sprachweisen von HIV und Corona erschreckend gleichen, gerade im Hinblick auf Sexualität?“

Nach dem 25. Oktober folgen dann die Specials: Den Anfang macht die Retro, mit der Kurator Jochen Werner bis Ende November zur (Wieder-)Erkundung von Filmen der Aids-Ära einlädt, Titel: „Ein Virus kennt keine Moral“. Denn ist es nicht so, dass sich viele der Denkmuster und Sprachweisen von HIV und Corona erschreckend gleichen, gerade im Hinblick auf Sexualität?

Zu sehen sein werden unter anderem Arthur Bressons „Buddies“, das Aids-Musical „Zero Patience“ und die Dokumentation Rettet das Feuer“ über den Berliner Fotografen Jürgen Baldiga. Die Retrospektive ermuntert zur Spurensuche nach Diskursen des Damals, die uns heute wieder Kopfschmerzen bereiten.

„Pier Kids“

Gesamtes Programm (20.-25.10.)

Dienstag, 20.10.


18:30 + 19:00 Moviemento

Eröffnungsfilm: „Urban Smut“, DE 2020, 68 Min, dt./engl. OV + engl. UT

21:00 + 21:30 Moviemento

Kurzfilmwettbewerb des Pornfilmfestival Berlin, 93 Min, OV + engl. UT

Mittwoch, 21.10.

18:30 + 19:00 Moviemento

„EEG Orgy“, CA 2020, 66 Min, engl. OV

21:00 + 21:30 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Theory Porn Shorts, 70 Min, OV + engl. UT

Donnerstag, 22.10.

14:30 Moviemento

Kurzfilmwettbewerb des Pornfilmfestival Berlin, 93 Min, OV + engl. UT

16:00 Moviemento

Panel: Sexworker Stigma and Survival during the Pandemic, Talk in engl.

16:45 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Fetish Porn Shorts, 86 Min, OV + engl. UT

18:30 + 19:00 Moviemento

„Female Ejaculation & Other Mysteries of the Universe“, DE/IT/MX 2020, 63 Min, int. OV + engl. UT

21:00 + 21:30 Moviemento

„The Acrobat“, CA 2019, 133 Min, franz. OV + dt. UT

Freitag, 23.10.

13:00 Babylon Kreuzberg

Kurzfilmwettbewerb des Pornfilmfestival Berlin, 93 Min, OV + engl. UT

14:45 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Theory Porn Shorts, 70 Min, OV + engl. UT

16:00 Babylon Kreuzberg

Kurzfilmprogramm: Sex In Times of Corona Porn Shorts, 89 Min, OV + engl. UT

16:00 Moviemento

Panel: History of Black Women in Porn, Talk in engl.

16:45 Moviemento

„Urban Smut“, DE 2020, 68 Min, dt./engl. OV + engl. UT

18:30 + 19:00 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Männerbilder/Männerkörper Porn Shorts, 72 Min, OV + engl. UT

21.00 + 21:30 Moviemento

„Pier Kids“, US 2019, 96 Min, engl. OV

Samstag, 24.10.

13:00 Babylon Kreuzberg

Kurzfilmprogramm: Fetish Porn Shorts, 86 Min, OV + engl. UT

14:45 Moviemento

Urban Smut“, DE 2020, 68 Min, dt./engl. OV + engl. UT

16:00 Babylon Kreuzberg

Kurzfilmprogramm: Imprinted Bodies Shorts, kuratiert vom Xposed International Queer Film Festival Berlin, 87 Min, engl./int. OV + engl. UT

16:00 Moviemento

Panel: Lockdown Aftermath: Digital Space, Sex and Safety, Talk in engl.

17:00 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Theory Porn Shorts, 70 Min, OV + engl. UT

19:00 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Männerbilder/Männerkörper Porn Shorts, 72 Min, OV + engl. UT

18:30 Moviemento

„Ein Virus kennt keine Moral“, DE 1986, 82 Min, dt. OV + engl. UT

21:00 + 21:30 Moviemento

„Vivante“, FR 2020, 92 Min, franz. OV + engl. UT

Sonntag, 25.10.

11:00 Babylon Kreuzberg

„Vivante“, FR 2020, 92 Min, franz. OV + engl. UT

13:00 Babylon Kreuzberg

Kurzfilmprogramm: Theory Porn Shorts, 70 Min, OV + engl. UT

15:00 + 18:30 Moviemento

Kurzfilmprogramm: Fetish Porn Shorts, 86 Min, OV + engl. UT

15:00 Moviemento

Panel: This Is Not A Lesbian Panel & Shorts Program, Talk in engl.

16:00 Babylon Kreuzberg

„Urban Smut“, DE 2020, 68 Min, dt./engl. OV + engl. UT

17:15 Moviemento

Kurzfilmwettbewerb des Pornfilmfestival Berlin, 93 Min, OV + engl. UT

19:30 Moviemento

„Buddies", US 1985, 81 Min, engl. OV

21:00 + 21:30 Moviemento

„Goodbye Seventies", US 2020, 90 Min, engl. OV

Programm nach dem Festival

SIEGESSÄULE präsentiert:

Pornfilmfestival Berlin, 20.–25.10., Moviemento, Babylon Kreuzberg und online, Pandemieregeln & Ticketinformationen

Hinweis der SIEGESSÄULE Redaktion in eigener Sache:
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