Preis für Lesbische Sichtbarkeit

Til Fox im Interview: „Die Vielfalt der Butch sichtbar machen!“

5. Mai 2026 Eleonore Foss
Bild: Agnieszka Budek
Lässig und stilvoll: Til Fox, Gewinner*in des Preises für lesbische Sichtbarkeit 2026

Am 29. April 2026 hat Til Fox vom Butch*Walk den Berliner Preis für lesbische Sichtbarkeit gewonnen (SIEGESSÄULE berichtete). Einmal im Jahr findet die Fashion-Show statt, um die Butch* in ihrer Vielfalt zu feiern, und gleichzeitig regionale, nachhaltige und queere Modelabels zu repräsentieren. SIEGESSÄULE-Autorin Eleonore Foss hat mit Til Fox gesprochen

Til, eine Fashion Show für Butches*, das klingt für viele vielleicht nach einer ungewohnten Kombination. Wie und wann kam dir die Idee? Im September 2019 war ich bei der London Queer Fashion Show, die queere Models und Designer*innen zelebriert. Es hat mich wirklich tief beeindruckt, diese Show damals zu sehen. Als ich danach nach Berlin zurückgekommen bin, habe ich ehrlicherweise gedacht: Wir sind hier Lichtjahre von so einer Veranstaltung entfernt. Ich habe so etwas in Berlin noch nie erlebt. Den Wunsch eine queere Modenshow in der Stadt zu machen hatte ich also schon länger. Nach der Corona-Zeit war ich dann auf einer Lesung. Im Februar 2022 hat Pia Tillmann das Buch „Butches: Begehrt und bewundert“ nochmal im SO36 präsentiert. In der Lesung haben sie dann von einer Fashion-Show, die mit Leslie Feinberg stattgefunden hat, erzählt. Es war zwar eigentlich gar keine Fashion-Show, sondern nur eine Lesung. Im Anschluss gab es dann nur eine Party. Aber hier kam mir die Idee für eine Butch Fashion-Show im SO36. Ich hatte damals eine Projektpartnerin, mit der habe ich den ersten Butch*Walk zusammen angefangen zu organisieren. Da war mir noch gar nicht klar, was es bedeutet, da so eine Show zu machen und Butches auf die Bühne zu bringen. So rough diese Butch-Persönlichkeit sein mag, glaube ich auch, dass die Butch doch generell sehr scheu ist. Deswegen war das schon mal eine Arbeit, es hinzubekommen, überhaupt mit dem Format Butch auf die Bühne zu gehen.

„So rough diese Butch-Persönlichkeit sein mag, glaube ich auch, dass die Butch doch generell sehr scheu ist.“

Wo fühlst du dich als Lesbe in Berlin zugehörig? Ich habe außerhalb von Butch*Walk vor allem zwei queere Orte der Zugehörigkeit in Berlin. Zum einen ist das die Prinz Eisenherz Buchhandlung in Schöneberg. Ich mag einfach, dass es dort auch einen lesbischen Lesesalon gibt und diese lesbische Sichtbarkeit im Buchladen existiert. Morten Baecker, ein Model von mir, hat dort 2024 die Ausstellung „Dykes: Co-Existing“ gemacht. Morten ist außerdem auch schon als Model mitgelaufen. In den Fotos waren auch viele von meinen Models vertreten. Da war einfach eine tolle Atmosphäre. Außerdem bin ich seit acht Jahren Teil der Gruppe Queeramnesty Berlin. Wir setzten uns für die Rechte von LSBTIQ*-Menschen weltweit ein. Dafür sind wir vor allem auf Stadtfesten und CSDs vertreten und versuchen dieses Privileg, das wir haben, auch zu nutzen. Denn es ist nicht für alle auf diesem Erdball selbstverständlich, offen queer sein zu können.

Gibt es ein besonders schönes Ereignis, welches du mit Butch*Walk verbindest? Mein schönstes Ereignis war eigentlich die Laudatio von Deborah Moses Sanks, die sie bei der Verleihung auf mich gehalten hat. Als sie selbst vor zwei Jahren den Preis für lesbische Sichtbarkeit gewonnen hat, habe ich ihr ein Butch*Walk-T-Shirt geschenkt und sie eingeladen, auch beim Walk mitzumachen. Damals hatte sie davon erzählt, dass es fürs Modeln kein Alter gebe und sie nun mit 74 Jahren noch einmal in einer Agentur sei. Und danach hatte ich gefragt, ob sie das auch beim Butch*Walk auf dem Laufsteg mitrepräsentieren würde – was sie getan hat. Es war für mich eine große Ehre und eine große Überraschung, dass meine Laudatio in diesem Jahr nun von ihr kam.

„Ich wünsche mir mehr Kleidung in der Stadt, die von queeren oder lesbischen Designer*innen produziert wird.“

Was wünschst du dir für die Zukunft des Projektes? Ich würde mir mehr Kleidung in der Stadt wünschen, die von queeren oder lesbischen Designer*innen produziert wird. So sehr auf Fast Fashion zu setzten ist wirklich eine der Problematiken unserer Gesellschaft. Ich weiß zwar, dass es teils wirklich einfach nicht viel kosten darf und dort ein Zwischenweg gefunden werden muss. Das braucht Zeit, und das Bewusstsein dafür muss bei den Menschen erst wachsen. Mir ist auch wichtig, noch viel mehr Butches* mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Herkünften mit auf den Laufsteg zu bringen. Wirklich die Vielfalt der Butch zeigen und sichtbar machen – über unterschiedliche Altersstufen und verschiedene Körperformen hinweg. Vor allem aber wünsche ich mir mehr Interesse und auch Kooperationen von der Community. Ich fände es schön, wenn wir auch mit anderen Festivals und Veranstaltungen zusammenarbeiten und so mehr Leute erreichen könnten.

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