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Zweite Staffel auf Netflix

Raum für Bi- und Asexualität: „Heartstopper“

22. Aug. 2023 Melina Seiler
Bild: Netflix
Joe Locke als Charlie (li.) und Kit Conner als Nick in „Heartstopper“

Die zweite Staffel der Coming-of-Age-Serie „Heartstopper“ über queere Teenager ist ein großer Erfolg. Für Journalist*in Melina Seiler punktet die Netflixserie mit einer einfühlsamen Erzählweise und der Repräsentation queerer Lebensentwürfe, die in Filmen und Serien kaum verhandelt werden

In meinem queeren Freund*innenkreis ist klar: „Heartstopper“ ist die Serie, die wir als Teenager gebraucht hätten – eine absolute Wohlfühl-Show! Und wir empfinden dabei auch Wehmut, denn: Wir hatten eine solche Sendung nicht als Teenies und auch unser Freund*innenkreis war nicht so queer wie die Clique bei „Heartstopper“. Schon die erste Staffel der britische Coming-of-Age-Netflix-Serie, die auf dem gleichnamigen Webcomic und den Graphic Novels von Alice Oseman basiert, wurde gefeiert für ihre Queerness und für ihre Sanftheit.

„Heartstopper“ schauen fühlt sich wohlig warm an. In der ersten Staffel durften die Zuschauer*innen mitfiebern, wie sich die 15-jährigen Schüler Charlie (Joe Locke) und Nick (Kit Conner) verlieben und schließlich zusammenkommen. Charlie ist schwul, bereits geoutet und wurde in der Vergangenheit gemobbt. Nick findet im Verlauf der ersten Staffel heraus, dass er bisexuell ist.

Staffel 2 beginnt bei dem Happy End der beiden und zeigt Nicks und Charlies Beziehung. Es gibt einen Haufen Szenen, in denen die beiden sich verliebt anschauen oder rumknutschen. Häufig umgeben von gezeichneten Sternchen oder Herzchen in Graphic-Novel-Ästhetik. Wenn man die beiden so anschaut, ist man gleich selbst ein bisschen verliebt. Man möchte mit ihnen im Park liegen, einen Film schauen oder beim Schulausflug durch Paris schlendern.

„I'm bi actually“: Raum für Bisexualität

Ein inhaltlicher Fokus von Staffel 2 ist Nicks Outing als bisexuell. Nachdem er sich Ende der ersten Staffel schon bei seiner Mutter geoutet hat, möchte er sich auch bei seinem Vater, seinem Bruder und in der Schule outen. Obwohl es ihm schwerfällt, wagt er sich Schritt für Schritt weiter raus aus dem Schrank. Und es ist toll zu sehen, dass viele Menschen, sehr positiv auf sein Outing reagieren.

Ich glaube, ich habe noch nie eine Serie geschaut, in der so oft das Wort „bisexuell“ ausgesprochen wurde. Nick sagt immer wieder zu verschiedenen Leuten: „I’m bi actually.“ Mein bisexuelles Herz schlägt höher, wenn ich das höre. Nicht nur Charlie akzeptiert, dass sein Freund bisexuell ist, sondern auch große Teile seines Umfeldes.

Ich erwähne das so explizit, weil bisexuelle Menschen noch viel zu oft damit zu kämpfen haben, dass sie in ihrer Sexualität nicht ernst genommen werden und von ihnen verlangt wird, sich zwischen homo- und heterosexuell zu entscheiden. Ich habe viel zu viele Serien gesehen, in denen Charaktere, die mit Menschen verschiedener Geschlechter Beziehungen eingehen und sich bisexuell verhalten, es aber nie aussprechen oder von außen immer wieder als homosexuell bezeichnet werden.

Daher ist diese Serie großartig, weil sie nicht nur gleichgeschlechtliche Liebe zeigt, sondern weil sie auch Bisexualität Raum gibt und sie wirklich repräsentiert – und zwar ohne bifeindliche Klischees und Zuschreibungen. Nachdem es wirklich schön war, Nick in der ersten Staffel bei seinem Findungsprozess zu begleiten, ist die Selbstverständlichkeit und Sicherheit, mit der Nick seine Sexualität in der zweiten Staffel immer wieder ausspricht eine wirklich tolle Entwicklung.

Aber auch Nicks und Charlies Freund*innenkreis geben mir viel „Queer Joy“. Da ist das lesbische Pärchen Tara (Corinna Brown) und Darcy (Kizzy Edgell), die schon eine Weile zusammen sind und erwähnenswert ist auch Elle (Yasmin Finney). Sie ist trans* und zwischen ihr und ihrem Kumpel Tao (William Gao) hat es schon in der ersten Staffel gefunkt. In Staffel 2 kommen auch sie sich endlich näher. Bei all der Liebe in der Luft komme ich beim Zuschauen nicht raus aus dem Grinsen.

Asexuelle Repräsentation – endlich!

Ein weiteres absolutes Highlight der Staffel 2 ist die Storyline von Isaac (Tobie Donovan). Er ist als Bücherwurm bekannt. Er hat eigentlich immer ein Buch dabei und liest es nebenbei, egal was er sonst gerade macht. Darüber hinaus kennt man ihn als verlässliche Person, die ihren Freund*innen treu zur Seite steht.

In Staffel 2 gibt ein Mitschüler ihm zu verstehen, dass er auf ihn steht. Isaac merkt nach einem Kuss aber, dass er die Gefühle nicht erwidert. Mehr noch, er fühlt grundsätzlich keine sexuelle Anziehung. Die Gefühle aus Liebesgeschichten in Büchern und in seinem Umfeld kann er so gar nicht nachempfinden.

Bild: Netflix
Tobie Donovan als Isaac

Bei einer queeren Ausstellung erzählt ihm eine Person dann von Asexualität und Aromantik und Isaac fühlt sich endlich verstanden. Es ist schön dabei zuzusehen, wie Isaac von da an immer mehr zu sich selbst findet. Er besorgt sich schließlich ein Buch über Asexualität und liest es vor seinen Freund*innen.

Asexuelle Menschen sind nach wie vor in der Gesellschaft und in Film und Fernsehen sehr unsichtbar. Daher ist es erwähnenswert, dass es in dieser Serie endlich eine Figur gibt, deren Geschichte erzählt wird. Und ich hoffe, dass Isaac in Zukunft noch mehr Sichtbarkeit bekommt.

Ohne Fokus auf Sex und Drama

Aber nicht nur für Isaac spielt Sex keine Rolle. Im Gegensatz zu vielen anderen Teenie-Serien, wie zum Beispiel „Tote Mädchen lügen nicht“, kommt „Heartstopper“ ganz ohne Fokus auf Sex oder auch Dramen rund um Drogen, Intrigen und Kriminalität aus. In dieser Serie reicht das Queer- und Teenager-Sein für die Auf und Abs in den Leben der Protagonist*innen.

Und eins noch: Nicht nur die Schüler*innen sind queer bei „Heartstopper“. Die Serie glänzt auch mit queeren Lehrer*innen als Nebenfiguren. Das Sahnehäubchen der zweiten Staffel ist der queere Neben-Plot zwischen zwei schwulen Lehrern. Ich kann die dritte Staffel kaum erwarten und wünschte es gäbe noch sehr viel mehr Serien wie diese!

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