Rebel Dykes Day: Ein Tag für die lesbischen Outsider und Kämpfer*innen
Am 29. Januar soll dieses Jahr zum ersten Mal der Internationale Rebel Dyke Tag stattfinden – um all diejenigen zu feiern, die historisch und auch noch gegenwärtig als Outsider der lesbischen Community gelten. Im Interview mit SIEGESSÄULE erzählt Siobhan Fahey von ihrer Initiative
Rebel Dykes: Das sind die Punks und Biker, gewissermaßen die Outsider der Community, die schon immer da waren, aber sich vielleicht nicht immer mitgedacht fühlen. Um das zu ändern, sollte es einen Tag geben, an dem die globale Geschichte der Rebel Dykes Raum bekommt und gefeiert werden kann. Das findet zumindest Siobhan Fahey, die nicht nur Mitbegründerin der Initiative Rebel Dykes ist, sondern auch den gleichnamigen Dokumentarfilm produziert hat. Um diesen Teil queerer Geschichte noch mehr Sichtbarkeit zu geben, wollen sie den 29. Januar zum Internationalen Rebel Dykes Day erklären und laden Communities auf der ganzen Welt dazu ein, ihn zu zelebrieren.
Das Datum kommt nicht von irgendwoher, sondern markiert das Jubiläum der „Chain Reaction“, einer Londoner Fetischparty, die an diesem Tag im Jahr 1987 zum ersten Mal stattfand. Dieses Jahr sei eigentlich nur als Testlauf gedacht, erklärt Siobhan, jedoch haben schon jetzt zahlreiche Städte Events wie Film-Screenings oder Bar-Takeovers angekündigt. Es sei definitiv ein Sprung ins Ungewisse, aber die Community sollten jede Chance nutzen, um Räume in Anspruch zu nehmen.
„Es gab in den letzten Jahren eine echte lesbische Renaissance. Überall auf der Welt kommen gerade die jüngeren Dykes zusammen, um Communities aufzubauen und in ihrer eigenen Szene aktiv zu werden.”
„Es gab in den letzten Jahren eine echte lesbische Renaissance. Überall auf der Welt kommen gerade die jüngeren Dykes zusammen, um Communities aufzubauen und in ihrer eigenen Szene aktiv zu werden”, erzählt sie im Gespräch mit SIEGESSÄULE. „Und wir hören von vielen immer wieder, dass unser Film das zum Teil inspiriert hat. Am Ende des Tages waren wir ja auch nur eine Gruppe, die gemeinsam einen Clubabend organisiert haben.”
Londons lesbische Punk-Szene der 1980er
Der Dokumentarfilm Rebel Dykes (2021) ist eine Zeitreise in Londons lesbische Punk-Szene der 1980er-Jahre. Sie waren Trans-inklusiv, Sex-positiv und gegen Zensur, was sie von vielen anderen Gruppierungen in der queeren Szene unterschied. „Man musste in den 80er und 90er Jahren sehr brav sein, um als Lesbe akzeptiert zu werden”, meint Siobhan. „Aber statt sich der Norm anzupassen haben wir gesagt ,Fuck that’, wir machen das auf unsere Weise – und ihr werdet uns trotzdem akzeptieren.”
Was als Geschichtsprojekt und Dokumentation der eigenen Vergangenheit anfing, wurde schnell zu einem größeren Unterfangen. „Es gab bis dahin keine positive Repräsentation dieser Subkultur, die wir finden konnten. Deshalb war es uns ungemein wichtig, diese Geschichte selbst zu erzählen.” Gemeinsam mit anderen Rebel Dykes sammelte sie über mehrere Jahre alles mögliche an Bildmaterial, führte Interviews und nahm Erzählungen von Bekannten und Freund*innen auf. Der Film wurde mehr als nur ein persönliches Projekt, und sollte schließlich auch veröffentlicht und der queeren Community zur Verfügung gestellt werden. „Ich sage immer, dass Kunst der einzige Weg ist, queere Geschichte zu archivieren und zu lehren, weil es nicht etwa in den Schulen unterrichtet wird. Film und Fernsehen, Literatur, Kunst und Musik sind der einzige Weg für uns, zu lernen, wer wir sind.”
„Eine junge Frau meinte, dass hier und in Ostasien jeder in der Szene ,Rebel Dykes' kennen würde. Sie kam aus China, wo sie den Film selbst übersetzt hatten.“
Auf die Resonanz, die die Dokumentation „Rebel Dykes“ hatte, waren sie jedoch nicht vorbereitet. Sie wurde in zahlreichen Kinos gezeigt und gewann Awards wie den Scottish BAFTA oder Best Documentary beim Pornfilmfestival Berlin, aber auch außerhalb Englands und Europa ist die Doku besonders populär in den lesbischen Szenen. Selbst überzeugen konnte Siobhan sich hiervon bei einem Screening des Films in Bangkok. „Ich habe nachgefragt, wieso sie den Film ausgewählt haben und dort zeigen wollten”, erinnert sie sich. „Und eine junge Frau meinte, dass hier und in Ostasien jeder in der Szene ,Rebel Dykes' kennen würde. Sie kam aus China, wo sie den Film selbst übersetzt hatten, um ihn dann eigenständig untereinander zu verteilen – als Bootleg natürlich. In den Philippinen und Vietnam ist es wohl ähnlich, was die Rezeption angeht.”
Auch unerwartet war für sie zunächst, wie jung und begeistert das Publikum der Filmvorführungen stets war. Begleitet wurde die Veröffentlichung des Films mit der Rebel Dykes Art & Archive Show Exhibition in London – eine der größten lesbischen Kunstausstellungen der Stadt in den vergangenen Jahren. Auch hier erinnert sich Siobhan an viele Lesben, kaum älter als 20 Jahre, die die Ausstellung voller Tatendrang und mit einem verstärkten Bedürfnis nach Community verließen.
Und tatsächlich hat sich in den vergangenen paar Jahren viel verändert in der queeren Szene in England: In Liverpool entstand im Zuge der Recherchearbeit für den Film ein lesbisches Archiv, in London wurde 2019 das Rebel Dykes Archive am Bishopsgate Institute eröffnet. Und es soll weiter gehen. Siobhan erzählt: „Am letzten Abend der Ausstellung sagten wir uns, wir müssen die Rebel-Dyke-Kultur doch auch öfter zelebrieren können. Da kam uns die Idee für einen festgelegten Tag im Jahr.” Für den Testlauf des Rebel Dykes Days haben sie einige Filmscreenings wie auch ein Pop-up Event ihres Archivs in London geplant. Sie freuen sich schon jetzt über die positive Resonanz, und wollen im nächsten Jahr noch größer denken.
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