Einzigartiges Zentrum

RuT fehlt eine Million Euro für lesbisches Wohnprojekt

19. Feb. 2021 Amanda Beser
Bild: GS/AI Galandi Schirmer/Architekten und Ingenieure
So könnte das Wohnhaus von RuT aussehen

2022 soll der Bau des bundesweit einzigartigen Lesbenwohnprojekts der Initiative RuT beginnen. Doch erneut gibt es Probleme: Unter anderem fehlen eine Million Euro für die Umsetzung. Wir sprachen mit Projektleiterin Jutta Brambach über die aktuellen Hürden

Seit 2009 plant RuT ein Zentrum für ältere lesbische Frauen, das ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Zusammenleben ermöglichen soll. Ein Ort, der Wohnen, Pflege, Beratung und kulturelle Veranstaltungen verbindet. Nach Rückschlägen wie einem verlorenen Grundstücksstreit mit der Schwulenberatung ging RuT eine Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBM) ein, um das Projekt in der Berolinastraße umsetzen zu können. Die Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft laufe auch gut, erzählt Jutta Brambach, die maßgeblich verantwortlich für den Aufbau des Lesbenwohnprojekts ist. Doch es gebe Probleme: „Die Kooperation wird vom Senat als eine Art Selbstläufer gesehen. Nach dem Motto: Ihr habt da jetzt was und das funktioniert alles. Dem ist aber nicht so.“

Als Eigentümerin des neu angedachten Grundstücks wird die WBM einen Mietvertrag über 25 Jahre mit RuT schließen. „Mehr lässt das Mietrecht schlichtweg nicht zu. Wir gehen aber davon aus, so wie die Kooperation mit der WBM verläuft, dass wir da auch relativ sicher sein können, dass dann nach dieser Zeitspanne neu verhandelt wird und der Mietvertrag auch entsprechend verlängert wird.“ Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Kontakte für Spenden gesucht

Zudem fehlen finanzielle Mittel in Höhe von insgesamt einer Million Euro für Projektsteuerung, fachliche Beratung und für die Ausstattung sowie langfristige Sicherung des Wohnprojekts, die zu Beginn der Zusammenarbeit von Stadt und Politik nicht einberechnet wurden. „Wir fühlen uns ein Stück weit damit alleingelassen“, sagt Jutta über die noch aufzubringenden Gelder. Über Drittmittelanträge und Spenden versuchen sie die Summe zu akquirieren. Doch große Spenden zu bekommen ist RuT bisher noch nicht gelungen. „Ich denke, da fehlen uns die entsprechenden Netzwerke und Kontakte, wenn es da Unterstützung geben kann – von wem auch immer –, wären wir sehr dankbar. Einen Teil, 70.000 Euro, beantragen wir direkt beim Senat für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung bzw. der Landesantidiskriminierungsstelle.“

„Wir fühlen uns ein Stück weit damit alleingelassen“

Ein weiteres Problem ist das aufwendige und langwierige Prüfverfahren. Die bereits zugesprochenen Lottomittel in Höhe von 5,5 Millionen Euro stellen da eine Herausforderung dar, sie sind ausschließlich für die Baukosten vorgesehen. In dem dazugehörigen dreistufigen Verfahren hat RuT gerade erst die zweite Stufe beendet. Für die dritte muss RuT allerdings schon sehr detaillierte Unterlagen einreichen, Pläne über die ganze Haustechnik, die komplette Ausstattung für das Haus und über vieles Weitere, was dazugehört. „Das zieht sich einfach irrsinnig lange hin. Es wird fast noch ein Jahr dauern, dass wir überhaupt von Lotto den abschließenden Bescheid bekommen. Und dann können wir eigentlich mit dem Projekt erst so richtig anfangen. Der abschließende Prüfbescheid sagt, dass alle Baukosten-Ausgaben, die wir haben werden, von Lotto genehmigt werden. Grundsätzlich stehen uns 5,5 Millionen zur Verfügung, davon 1,4 Millionen Darlehen und 3,6 Millionen Zuschuss, aber nur, wenn wir im Detail nachweisen können, dass sie tatsächlich ‚verbaut‘ werden.“

„Es braucht einfach mehr – wenn man ein Leuchtturmprojekt lesbischer Sichtbarkeit wirklich umsetzen möchte“

Für Jutta ist das auch ein klarer Ausdruck von Geschlechterungerechtigkeit. Als Frauen- und Lesbenprojekt sei man nicht wirklich gut ausgestattet und habe eigentlich alles rund um den Aufbau mehr oder weniger ehrenamtlich gestemmt: „Es braucht einfach mehr – wenn man ein Leuchtturmprojekt lesbischer Sichtbarkeit wirklich umsetzen möchte. Die Politik muss auch Geld in die Hand nehmen. Das geht dann nicht anders.“

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