26. bis 28. August

Sex im öffentlichen Raum: Literaturfestival zu Cruising

23. Aug. 2021 rob
Bild: Rory Midhani

Cruisen in Parks, auf Parkplätzen oder öffentlichen Toiletten: eigentlich kein Thema für ein Literaturevent. Genau das organisiert jedoch das Festival „komm in den totgesagten park und schau“ im Literarischen Colloquium Berlin

An sich lag die Idee, ein Festival rund ums Thema Cruising im Literarischen Colloquium Berlin zu veranstalten, fast auf der Hand. Zumindest wenn man an den großen, abschüssigen und zum Wannsee führenden Garten des Geländes denkt, der sich wunderbar zum Flirten und Fummeln eignen würde. Dass es dennoch ein mutiger Schritt war, diesem Bestandteil queerer Kultur ein dreitägiges Festival zu widmen, haben die Organisatoren erfahren müssen. Kaum einer ihrer üblichen Sponsoren wollte für eine Veranstaltung mit solch einem – anscheinend für sie delikaten – Schwerpunkt Geld lockermachen.

Hierbei zeigt sich auch die Relevanz des Spannungsfelds, das mit dem Thema Cruising weiterhin verbunden ist. Im Ankündigungstext des LCB heißt es dazu: „Gemeinsam mit dem Berliner Publikum fragen wir nach der Geschichte und Gegenwart dieser Räume zwischen heteronormativer Ordnung, homonormativer Emanzipation und transgressivem Potential.“

„Cruising ist Ausdruck von Begehren und Verboten, von Gesagtem und Unausgesprochenem“

Denn hinter Cruisen in Parks, auf Parkplätzen oder öffentlichen Toiletten verbirgt sich weit mehr als nur eine schnelle Nummer. Es ist zugleich ein Ausdruck von Begehren und Verboten, von Gesagtem und Unausgesprochenem, schlicht, wie es auch in der Unterzeile des Festivaltitels heißt, einer „kulturellen Praxis“. Diese schlug sich natürlich auch reihenweise in der queeren Literatur nieder wie zum Beispiel in den Werken von Didier Eribon oder Marcel Proust.

Vom 26. bis 28. August werden nun diese vielen Facetten bei „komm in den totgesagten park und schau“ beleuchtet. Und genauso vielfältig, wie Cruisen per se sein kann, ist auch das Programm des Festivals.

So folgt am Donnerstag auf die Eröffnung um 19:00 mit „The Revolution will be injected“ eine Performance von Orlando de Boeykens, Hans Unstern und Tucké Royale. Freitag geht es dann bereits ab 14:00 mit dem Panel „Ist Goethe zum Cruisen nach Italien gefahren?“ los. Später steht „Cruising through Cyberspace“ in einem Gespräch mit Sarah Berger, Donat Blum u. a. im Fokus, während am Abend ein Picknick mit Bishop Black, die szenische Lesung „Drift“ sowie ein Konzert von Mandhla stattfinden. Samstag folgen dann ab 13:00 zahlreiche weitere Highlights und „wilde Lesungen“, wo sich Jayrôme C. Robinet, Koray Yılmaz-Günay, Hengameh Yaghoobifarah, Marko Martin, Angela Steidele und viele weitere tummeln. Den Abschluss des Festivals bildet ein Konzert von Erik Leuthäuser mit anschließender Party.

SIEGESSÄULE präsentiert: „komm in den totgesagten park und schau“, 26.08.–28.08., verschiedene Uhrzeiten, Literarisches Colloquium Berlin

Die SIEGESSÄULE Redaktion in eigener Sache zur Corona-Lage:

Corona nervt, Corona mutiert, Corona ist nicht so einfach kleinzukriegen. Hoffnung macht der wachsende Impffortschritt, aber weiterhin müssen wir, – wie die ganze queere Szene – , durchhalten. Es wird aber ein Leben nach Corona geben!

Bis es soweit ist, freuen wir uns über jede Spende, die uns durch diese schwierige Zeit bringt.

Spenden könnt ihr ganz einfach per Paypal oder direkt auf unser Konto Special Media SDL GmbH, Betreff „Support SIEGESSÄULE”,
IBAN DE22 1005 0000 0190 0947 29 – Herzlichen Dank!

JETZT MIT PAYPAL SPENDEN!

#Cruising#Literatur