Pride

Solidarität mit polnischen Queers: Zweiter Frankfurt Słubice Pride

25. Aug. 2021 Amanda Beser
Bild: PeggyLohse/FrankfurtSlubicePride

Am 05.09. findet zum zweiten Mal ein gemeinsamer Pride der Nachbarstädte Frankfurt (Oder) in Brandenburg und Słubice in Polen statt. Die Demo soll durch beide Städte ziehen und ein lautstarkes Zeichen für die Rechte von Queers in Deutschland und in Polen setzen

Zwei Städte, ein gemeinsamer Pride: der Slogan „Liebe ohne Grenzen“ – so das bleibende Motto des Doppel-CSD – mobilisiert auch in diesem Jahr. Das an der polnischen Grenze liegende Frankfurt an der Oder und das polnische Słubice veranstalten am 05. September den zweiten Frankfurt-Słubice-Pride.

„Der Auftakt in 2020 kam eigentlich ganz spontan zustande“, berichtet Ronja Zimmermann vom Orga-Team gegenüber SIEGESSÄULE. Mit mehreren hundert Teilnehmer*innen, unter anderem auch aus Berlin, wurde die erste Demo durch die Doppelstadt ein voller Erfolg. Jetzt soll der Pride zu einer jährlichen Tradition werden. Natürlich auch, um weiterhin auf die Forderungen zu pochen.

Erklärung der Bürgermeister blieb bisher aus

„Bei unserem letzten Pride hatten wir konkrete Forderungen an die jeweiligen Bürgermeister gestellt: an den Frankfurter OB René Wilke als auch, auf polnischer Seite, an Mariusz Olejniczak, und an andere Politiker*innen. Man kann rückblickend sagen, dass viel geredet wurde, aber nicht viel passiert ist“, sagt Ronja Zimmermann. „Es hieß, es werde ein Statement der beiden Bürgermeister geben, dass sich beide Städte zu einer LGBT-freundlichen ,Zone der Vielfalt' erklären – aber diese Erklärung gab es bisher noch nicht.“

„Man kann rückblickend sagen, dass viel geredet wurde, aber nicht viel passiert ist“

Beide Bürgermeister waren auch angefragt worden, am ersten Doppel-Pride teilzunehmen. Der Bürgermeister von Słubice sagte jedoch ab. Als Begründung gab er an, dass er keine LGBTIQ*-Feindlichkeit toleriere und dass es sie in der Doppelstadt nicht gäbe. „Was völlig an der Realität vorbei geht,“ betont Ronja Zimmermann. „Er müsste nur die Mitglieder unserer Gruppe fragen und hätte die Bestätigung, dass es nicht stimmt. Allein von den Leuten, die ich persönlich kenne, haben zwei Übergriffe nach der Pride erlebt, wobei nur durch Flucht noch mehr Gewalt verhindert werden konnte.“

Deshalb will das deutsch-polnische Team wieder die Doppelstadt-Lage ausnutzen, um ein starkes gemeinsames Zeichen zu setzen: Die Demo startet um 12:00 auf dem Plac Bohaterów in Słubice und führt ab 13 Uhr von dort aus über die Stadtbrücke nach Frankfurt Oder. Dort geht es weiter über die Heilbronner Straße bis zur abschließenden Kundgebung am Frankfurter Brückenplatz.

LGBTIQ*-feindliche Stimmung

Für Musik und Performances sorgen die Band Her Side, das Drag-Kollektiv House of Utopia und einige andere. Der Schwerpunkt soll dieses Mal aber auf den Redebeiträgen liegen. „Letztes Jahr war die Wahl in Polen und politisch sind queere Themen noch sehr heiß. Das Aktuellste ist, dass gerade mit dem Vorbild Ungarn geliebäugelt wird“, so die Befürchtung von Ronja Zimmermann. „Momentan liegt auch eine Bürger*innen-Initiative vor, die möchte, dass ein Homopropaganda-Gesetz wie in Russland eingeführt werden soll. Das würde queeres Leben und CSDs verbieten. Das polnische Parlament hat noch nicht darüber abgestimmt, aber sie haben es vor.“

„Politisch sind queere Themen in Polen sehr heiß. Aktuell wird mit dem Vorbild Ungarn geliebäugelt“

In dieser angespannten Lage soll der Pride Hoffnung geben. Ihre Teilnahme angekündigt haben unter anderem auch Tomasz Puchalski von der Katholischen Reformierten Kirche in Polen (Poznań) und Wolfgang Beyer von der GayChurch Berlin. Sie wollen einen gemeinsamen Redebeitrag vorbereiten, um gläubigen Menschen in Polen zu zeigen, dass „Glaube und Queerness sich nicht ausschließen“.

„Die Rückmeldungen nach dem Pride im letzten Jahr waren sehr vielfältig“, erzählt Ronja Zimmermann. „Wir hätten mit mehr negativen Reaktionen gerechnet.“

Zu den Forderungen zählt diesmal, Anlaufstellen für queere Personen in beiden Städten zu schaffen und im Austausch mit polnischen und deutschen Lehrer*innen zu queeren Themen aufzuklären und zu sensibilisieren. Außerdem, mehr Aufmerksamkeit auf LGBTIQ*-feindliche Gewalt zu lenken, unter anderem auf den im letzten Jahr stattgefundenen Mord an einer Sexarbeiterin in Słubice.

Frankfurt Słubice Pride, 05.09.2021, Treffpunkt am Plac Bohaterów in Słubice: 12:00, Start der Demo: 13:00

Most Graniczny/Grenzbrücke: 14:00, Brückenplatz/Plac Mostowy: 16:00

Gemeinsame Anfahrt von Berlin, 05.09.2021, 09:30, Berlin Südkreuz

Vorbereitung und Plakate-Malen: 04.09.2021, ca. 19:00, Kleist Forum in Frankfurt (Oder)

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