Hassverbrechen in der Slowakei

Tote bei Angriff auf queere Bar in Bratislava

13. Okt. 2022 as
Bild: Валерий Дед CC BY 3.0 Quelle
Die Tat ereignete sich in der Zámocká Straße (Foto) in Bratislava vor der LGBTIQ*-Bar Tepláren

Vor einer queeren Bar in Bratislava wurden zwei Männer erschossen. Der mutmaßliche Täter tötete sich danach vermutlich selbst

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava ist es laut Medienberichten am Mittwochabend gegen 19 Uhr zu einem Angriff vor der LGBTIQ*-Bar Tepláren gekommen. Dabei wurden zwei Männer erschossen, eine Frau wurde verletzt. Sie wurde in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht und schwebt nicht in Lebensgefahr.

Der mutmaßliche Täter soll Zeug*innenberichten zufolge einige Zeit vor der Bar gewartet haben, bis er mit einer Waffe sieben bis zehn Schüsse abgab. Dann verließ er den Tatort. Die beiden tödlich getroffenen Männer hatten zum Tatzeitpunkt auf einer Bank vor der Bar gesessen.

Die Polizei gab an, den mutmaßlichen Täter mittlerweile identifiziert zu haben. Der 19-Jährige sei am Donnerstagmorgen tot aufgefunden worden. Ein Spaziergänger habe die Leiche entdeckt. Wie die Tageszeitung Sme berichtete, hatte er sich in sozialen Netzwerken zur Tat bekannt und Hassbotschaften gegen LGBTIQ* und eine Art „Manifest“ mit queerfeindlichen und antisemitischen Inhalten veröffentlicht. Danach habe er sich vermutlich selbst getötet. Laut Angaben von Sme waren sowohl die verletzte Frau als auch einer der beiden getöteten Männer Mitarbeiter*innen der Bar.

Ermittlungen stehen noch am Anfang

Sonderstaatsanwalt Daniel Lipšic gab heute bekannt, dass es sich bei der Tat vermutlich um ein Hassverbrechen handele. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass der Täter seine Opfer vorher gekannt habe. Der Tageszeitung Dennik N zufolge befänden sich die Ermittlungen noch am Anfang. „Im Moment werden andere Personen verhört und Beweise gesichert, damit diese Tat möglichst umfassend aufgeklärt werden kann“, sagte der Sonderstaatsanwalt. Man werde versuchen, einen solchen Angriff in Zukunft zu verhindern. Allerdings betonte er, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gebe.

Gedenkmarsch in Bratislava

Queere Organisationen in der Slowakei haben sich von der Tat tief betroffen gezeigt. Der Bratislava Pride gab auf Facebook bekannt, dass man sich bei einem Koordinierungstreffen mit der Polizei ausgetauscht und für Freitag, den 14. Oktober, einen Gedenkmarsch organisiert habe. Dieser soll gegen 17 Uhr in der Nähe der Bar Tepláren starten.

Statement des LSVD

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) erklärte heute in einer Pressemitteilung, dass er von der Tat zutiefst entsetzt und erschüttert sei. Alfonso Pantisano aus dem Bundesvorstand sagte: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, den Verwundeten und allen Angehörigen und Freund*innen.“ Er betonte, dass der Anschlag der LGBTIQ*-Community galt. „Orlando, Dresden, Oslo und jetzt Bratislava: Wir werden wieder ermordet – und das mitten in Europa. Rechter Hass und menschenfeindliche Ideologien sind in Europa wieder im Aufwind.“

Man erwarte nun, dass sich Gewerkschaften, Unternehmen, Personen des öffentlichen Lebens und die gesamte Zivilgesellschaft zu Wort melden. „Wir, die Community, brauchen jetzt diese Solidarität. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass LSBTI in Europa und auch in Deutschland sicher leben können.“

Präsidentin der Slowakei äußert sich

Zuzana Caputova, Präsidentin der Slowakei, zeigte sich auf Facebook solidarisch mit der queeren Community und sprach den Hinterbliebenen ihr Beileid aus. An die Politik gerichtet, kritisierte sie, dass auch durch die verantwortungslosen Äußerungen von Politiker*innen der Hass auf queere Menschen geschürt worden sei.

Ursula von der Leyen, Präsident der Europäischen Kommission, äußerte sich auf Twitter u. a. mit den Worten: „Wir müssen die LGBTIQ*-Community schützen."

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