Corona

Wie läuft es im Impfzentrum Arena? Inge Borg berichtet

14. Jan. 2021 as
Bild: Nanette / SO36
Immer gut gelaunt: Inge Borg als Moderatorin des Kiezbingo

Inge Borg ist in der Szene vor allem aus dem Café Morgenrot und vom Kiezbingo im SO36 bekannt, das sie seit über 20 Jahren zusammen mit Gisela Sommer moderiert. Seit Anfang Januar arbeitet sie im Impfzentrum in der Arena. Wir haben sie gefragt, wie die Situation vor Ort ist

Inge Borg, wie bist du an den Job im Impfzentrum in der Arena gekommen? Ich komme aus dem Gastrobereich und die letzten Monate sass ich zu Hause. Ein Freund, der ebenfalls im Impfzentrum arbeitet, hat zu mir gesagt: Der Job ist super, bitte bewirb dich da. Das habe ich dann gemacht und bereits nach ein paar Tagen ging es schon los. Ich habe am 4. Januar eine Schulung gemacht und einen Tag später begonnen zu arbeiten.

Was sind deine Aufgaben? In der Anmeldung nehme ich die Leute auf, die sich impfen lassen wollen. Ich überprüfe, ob sie einen Termin und bestimmte Unterlagen wie Anamnesebögen bei sich haben. Dann arbeite ich in der Leitstelle mit. Das heißt z. B., dass ich die Menschen in die Impfkabine geleite und dort den Prozess überwache und dokumentiere. Es gibt 80 Empfangsplätze und 80 Impfkabinen in der Arena. Wir passen auf, dass da niemand verloren geht.

Im Netz waren in den letzten Tagen Bilder von fast leeren Impfzentren zu sehen. Wie ist die Lage in der Arena? Es gibt täglich rund 700 bis 800 Impfungen. Wenn es richtig losgeht, sollen es bis zu 5.000 Impfungen pro Tag werden. Im Moment haben wir vor allem die 90-Jährigen und Mitarbeiter*innen von Pflegeheimen bzw. Pfleger*innen. Viele der Älteren kommen mit Krücken oder im Rollstuhl. Da ist es eigentlich ganz charmant, dass sie nicht im Eiltempo durchgeschleust werden, sondern man schon genau darauf achtet, dass es ihnen gut geht. Jeden Tag kommen auch neue Mitarbeiter*innen hinzu, weil eben mehr Leute gebraucht werden.

„Es braucht sicherlich noch etwas Zeit, bis sich das alles eingespielt hat.“

Es gab ja eine Menge Kritik, dass die Terminvergabe schleppend laufen würde, Berlin kein richtiges Impfkonzept habe und es auch nicht genügend Impfstoff gebe. Wie siehst du das? Zum Impfstoff kann ich nichts sagen, aber das Ganze ist eben ein riesiger Aufwand. Es braucht eine große Zahl an Mitarbeiter*innen, die erst einmal eingestellt werden müssen. Die älteren Leute, die gerade zu uns kommen, haben alle eine Einladung zur Impfung bekommen. Wenn sie den Termin nicht wahrnehmen können, muss über eine Hotline ein neuer gemacht werden. Diese Koordination kostet sehr viel Zeit. Wenn man eine Einladung bekommt, sollte man deswegen dringend versuchen, diesen Termin auch einzuhalten. Es sind ja zwei Impfungen notwendig. In dem Moment wo du die erste Impfung bekommst, spuckt dir der Computer schon den nächsten Termin aus. Und alles, was davon abweicht, bedeutet mehr Aufwand. Es braucht aber sicherlich noch etwas Zeit, bis sich das alles eingespielt hat.

Wie erlebst du die Leute, die zu den Impfungen kommen? Sie haben alle kein Problem damit und sagen: „Impfungen, her damit!“ Das sind supercharmante Herrschaften, z. B. viele Ehepaare, die mit über 90 händchenhaltend zu uns kommen und das gemeinsam durchziehen. Nur weil jemand 97 ist, hat er sich ja noch nicht aufgeben. Die haben alle noch was vor und sei es, sich mittwochs mit Helga zum Kaffee zu treffen. Sie wollen sich von so einem dussligen Virus nicht unterkriegen lassen.

Hast du als Mitarbeiterin des Impfzentrums Anspruch darauf, jetzt schon geimpft zu werden? Ich wurde bereits gefragt, ob ich geimpft werden will. Ich habe sofort ja gesagt. Es werden z. B. immer wieder Impfungen vorbereitet und wenn dann Leute nicht vorbeikommen, weil sie im letzten Moment abgesagt haben oder erst gar nicht erschienen sind, gibt es die Möglichkeit sich impfen zu lassen. Da wird abends gesagt: Wir haben noch 5 Dosen übrig. Wer möchte denn heute?

„Mir fehlt es, dümmlich im Backstage rumzusitzen, völlig einem im Tee zu haben und mit Leuten Unsinn zu erzählen.“

Wie geht es dir gerade im Lockdown? Durch den Job viel besser. Aber die letzten Monate war ich zu Hause und hatte auch eine kleine Depression. Die ganzen Shows, die ich mache, sind durch Corona weggefallen. Von den staatlichen Novemberhilfen für das Café Morgenrot sind bisher gerade mal ein Drittel angekommen – also nach über zwei Monaten! Der Lockdown wurde bis Ende Januar verlängert und ich glaube nicht, dass sich die Situation danach sofort ändern wird. Umso länger das dauert, umso weniger Hoffnung habe ich für unser Café und auch für alle anderen Bars, Kinos und Veranstaltungsbereiche. Das ist der absolute Supergau. Und in dieser Situation kam der Job wirklich zur rechten Zeit, weil er einfach super sinnvoll ist.

Fehlt dir die Community? Teile davon schon! Mir fehlt es vor allem, dümmlich im Backstage rumzusitzen, völlig einem im Tee zu haben und mit Leuten Unsinn zu erzählen.

Wann denkst du, könnte es mit dem Kiezbingo weitergehen? Das letzte Kiezbingo war im August letzten Jahres im Freiluftkino Kreuzberg. Ich glaube nicht, dass es vor dem nächsten Herbst ein Kiezbingo im SO36 geben wird. Selbst wenn im Sommer die Zahlen runtergehen, heißt das ja nicht automatisch, dass auch die Clubs wieder geöffnet werden. Ich hoffe mal, dass ich nicht schon zu alt bin, wenn alles wieder weitergeht. (lacht)

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