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Premiere am 27.01.

„Written on Skin“ an der Deutschen Oper: Bilder der Befreiung

24. Jan. 2024 Ecki Ramón Weber
Bild: Pascal Victor/Festival d’Aix-en-Provence
Giorgia Jarman in der Rolle der Agnès

Katie Mitchells weltweit gefeierte Inszenierung des zeitgenössischen Musiktheaters „Written on Skin“ von George Benjamin kommt endlich nach Berlin. Am 27. Januar feiert das Stück Premiere an der Deutschen Oper

Was für ein Opernstoff! Wie aus Filmen von Peter Greenaway, deren campy manierierte Pracht plötzlich zum Thriller umschlägt. Etwa in „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ mit Helen Mirren von 1989. Tatsächlich geht bei der Oper „Written on Skin“ des offen schwulen britischen Dirigenten und Komponisten George Benjamin die im Mittelalter angesiedelte Handlung in eine ähnliche Richtung: In der Provence lässt ein reicher Mann eine Chronik über sich schreiben, um sein Leben möglichst ruhmreich und heldenhaft zu präsentieren. Für die Bebilderung dieses Buchs wird ein junger Künstler als Illustrator engagiert. Dieser weckt die Aufmerksamkeit von Agnès, der jungen Frau des reichen Auftraggebers. Kein Wunder, denn der Ehemann ist gewalttätig und lässt sie nicht aus dem Haus. Mit den Bildern für das Buch eröffnet der Künstler Agnès eine Welt, die sie nicht kennt. Und die Vorstellung von Freiheit. Beide verlieben sich ineinander. Der Haken: Die Bilder verraten letztlich dem Ehemann die Liaison, was ihn zu einer bestialischen Rache veranlasst. Er tötet den Nebenbuhler, lässt von seinem besten Koch das Herz des Künstlers als raffiniert gewürzte Speise zubereiten und setzt es Agnès vor. Diese isst nichts ahnend davon, bevor der Ehemann ihr die schaurige Wahrheit enthüllt.

Gut gebaute Dreiecksgeschichte

Es gibt kein Happy End in dieser Geschichte über Machtmissbrauch, Liebe und den Wunsch nach Freiheit! Dafür große Gefühle und tragische Situationen, wie dies nur in Opern so richtig ausgekostet wird. Die Handlung geht auf eine alte Sage aus Südfrankreich über einen Troubadour zurück, auch Giovanni Boccaccio erzählt sie im „Decamerone“. Das Libretto von „Written on Skin“, verfasst von Autor Martin Crimp, hat mit dem Illustrator den Aspekt der Macht von Bildern und des möglichen Emanzipationspotenzials von Kunst hinzugefügt.

Seit der Uraufführung beim Festival in Aix-en-Provence 2012 hat sich „Written on Skin“ rasch international etabliert. Solch ein furioser Lauf ist nicht selbstverständlich für zeitgenössisches Musiktheater. Nach einer Aufführung 2018 in der Berliner Philharmonie kommt „Written on Skin“ jetzt endlich auf die Bühne eines Opernhauses der Stadt: Ab Ende Januar zeigt die Deutsche Oper die für ihre präzise psychologische Zeichnung allenthalben gelobte Inszenierung von Regisseurin Katie Mitchell in neuer Besetzung.

Aber wieso ist dieses Stück so erfolgreich? Nachgefragt bei Sebastian Hanusa, Dramaturg an der Deutschen Oper: „Dies liegt zunächst an der sehr theatertauglichen, gut gebauten Dreiecksgeschichte. Zugleich eröffnet die Handlung verschiedene Deutungsebenen. Das verbindet sich mit einer Musik, die sehr klangsinnlich, extrem gestisch und dramatisch ist.“ George Benjamin erhielt 2023 den Ernst von Siemens Musikpreis, in der Musikszene vergleichbar mit dem Nobelpreis. In „Written on Skin“ setzt der Komponist auf die Magie von Singstimmen ohne vordergründige Effekte und verbindet sie einfühlsam mit Orchesterklängen in einer sehr breiten Farbpalette.

„Der Buchillustrator ist für Countertenor geschrieben. Das Stimmfach hat spätestens seit den Opern von schwulen Komponisten wie Benjamin Britten und Aribert Reimann etwas Genderfluides.“

Zu einer queeren Perspektive, die aus „Written on Skin“ herauszulesen wäre, erklärt Sebastian Hanusa zur Besetzung: „Der Buchillustrator ist für Countertenor geschrieben. Das Stimmfach hat spätestens seit den Opern von schwulen Komponisten wie Benjamin Britten und Aribert Reimann etwas Genderfluides. Das ist schon geradezu eine Besetzungskonvention seit dem 20. Jahrhundert. Sicherlich setzt sich Benjamin hier bewusst in die Tradition einer Faszination für nicht heteronormative Figuren auf der Opernbühne und lässt das Publikum klanglich daran teilhaben.“ Das ist akustisch direkt nachvollziehbar, wenn sich in „Written on Skin“ Agnès, die Sopranpartie, von der tiefen Baritonstimme des Ehemanns abwendet und sich mit der hohen Männerstimme Countertenor vereint. Heteronormative Polaritäten werden so aufgelöst.

SIEGESSÄULE präsentiert:
Written On Skin,
27.01., 18:00 (Premiere),
01.02., 05.02., 09.02., 15.02. je 19:30,
Deutsche Oper Berlin
deutscheoperberlin.de

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